Weißer Zwerg zerfetzte einen Asteroiden

14. November 2015, 18:05
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Weiße Zwerge sind für die Ewigkeit gemacht, weil sie so klein und leuchtschwach sind – zu nahe sollte man ihnen dennoch nicht kommen

Garching – Ein internationales Astronomenteam hat erstmals Hinweise auf einen Vorgang gefunden, der sich so in ferner Zukunft auch in unserem Sonnensystem abspielen könnte: Ein Weißer Zwerg hat einen sich annähernden Asteroiden zerrissen und von diesem nur eine Staubscheibe übriggelassen.

Dauerhafte kleine Sterne

Weiße Zwerge bilden das Endstadium der Existenz kleinerer Sterne wie unserer Sonne. Während sich große Sterne etwa mit dem Zehnfachen der Sonnenmasse an ihrem Lebensende mit einer eindrucksvollen Supernova-Explosion verabschieden, erwartet solche Sterne ein anderes Schicksal: Wenn sie ihren letzten Wasserstoffvorrat als Brennstoff verbraucht haben, blähen sich zu einem Roten Riesen auf und schleudern ihre äußeren Schichten ins All.

Übrig bleibt danach nur der sehr dichte Kern des früheren Sterns – der Weiße Zwerg. Dieser hat allerdings aufgrund der geringen Strahlung, die er von sich gibt, eine extrem lange Lebenserwartung in diesem Zustand, während der er langsam immer weiter abkühlt. Das Universum ist bislang noch nicht annähernd alt genug, um die Lebensspanne eines Weißen Zwergs zu umfassen.

Die Zwergenscheibe

Nun berichten Forscher der Europäischen Südsternwarte (ESO) vom Weißen Zwerg SDSS J122859.93+104032.9 im Sternbild der Jungfrau. Dieser ist von einer Scheibe aus Gas und Trümmern umgeben – eine Seltenheit, bislang hat man erst sieben Weiße Zwerge gesichtet, die ein solches Merkmal aufweisen.

Unter Zuhilfenahme verschiedener Instrumente einschließlich des Ultraviolet and Visual Echelle Spectrograph (UVES) und X-Shooter, die beide am Very Large Telescopes (VLT) in Chile angebracht sind, gelangen dem Team detaillierte Untersuchungen des Lichts, das von dem Weißen Zwerg und der ihn umgebenden Materie stammt. Die Untersuchungen erstreckten sich über einen noch nie da gewesenen Zeitraum von zwölf Jahren zwischen 2003 und 2015.

Die Astronomen kamen zu dem Schluss, dass einst ein Asteroid dem Stern gefährlich nahe kam. Der Asteroid wurde demnach durch gewaltige Gezeitenkräfte auseinandergerissen und bildete die nun sichtbare Scheibe aus gasförmiger Materie und Trümmerteilen, die den Weißen Zwerg umgibt.

"Das Bild, das wir aus den bearbeiteten Daten gewonnen haben, zeigt uns, dass das System wirklich scheibenartig geformt ist und viele Strukturen offenbart, die man nicht in einer einzigen Momentaufnahme nachweisen könnte", erläuterte der Doktorand Christopher Manser von der University of Warwick in Großbritannien, der auch Erstautor eines jetzt veröffentlichten Fachartikels über die Forschungsergebnisse ist.

Ausblick

Solche Stern-Überreste können laut ESO entscheidende Hinweise über die Umstände liefern, die beim Tod von sonnennähnlichen Sternen herrschen. Dies ist auch für die Vorhersage des Schicksal unseres Sonnensystems interessant. Hier wird in etwa sieben Milliarden Jahren ein drastischer Wandel erfolgen, wenn sich die Sonne zum Roten Riesen aufbläht und anschließend ihrerseits ins annähernde Ewigkeitsstadium des Weißen Zwergs eintritt. (red, APA, 14. 11. 2015)

  • Zur Ruhe gekommen, aber noch steckt (langes) Leben in ihm: künstlerische Darstellung des Weißen Zwergs SDSS J122859.93+104032.9 und der ihn umgebenden Materiescheibe.
    illustration: mark garlick (www.markgarlick.com) und university of warwick/eso

    Zur Ruhe gekommen, aber noch steckt (langes) Leben in ihm: künstlerische Darstellung des Weißen Zwergs SDSS J122859.93+104032.9 und der ihn umgebenden Materiescheibe.

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