Bank Austria: Ostsparte geht nach Mailand

11. November 2015, 21:43
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Bis Ende 2016 werden die Ostbankenbeteiligungen mit derzeit 48.000 Mitarbeitern nach Italien transferiert

Der D-Day ist vorbei, Unicredit-Chef Federico Ghizzoni hat gesprochen. Nun wird die größte italienische Bankengruppe umgebaut und zur Ader gelassen. Am Mittwoch gab Ghizzoni in Mailand seinen "rigorosen und realistischen Plan" bekannt: 18.200 Mitarbeiter müssen ihren Hut nehmen. Derzeit beschäftigt Unicredit 130.000 Mitarbeiter.

Blut, Schweiß und Tränen wird es vor allem für die Mitarbeiter der Bank Austria (BA) geben. Sie gehört den Mailändern seit 2005 – bis auf 10.115 Namensaktien, die der Gemeinde-Wien-nahen AVZ-Stiftung und dem Betriebsratsfonds (115 Aktien) gehören und Mitspracherechte einräumen.

Die Bank Austria wird entthront: Die Italiener nehmen ihrer Tochter in Wien deren zentrale Aufgabe, die Zuständigkeit fürs gewinnträchtige Geschäft in Osteuropa (CEE). Um die Struktur der Unicredit "einfacher" zu machen und die Steuerungsfunktionen zu bündeln, wird das CEE-Geschäft (samt 47.800 Mitarbeitern) bis Ende 2016 nach Mailand übersiedelt. Die Osteuropasparte mit ihren 13 Geldhäusern ist die Cashcow der BA, sie steuert den größten Teil ihres Gewinns bei. 2014 stammten 1,5 Milliarden Euro des Bank-Austria-Vorsteuergewinns (1,78 Milliarden Euro) aus der Region.

Abzug des CEE-Geschäfts

Möglich ist der Abzug des CEE-Geschäfts, weil wie berichtet der Bank-der-Regionen-Vertrag im kommenden März ausläuft. Mit ihm hatten sich die Österreicher die Zuständigkeit für Osteuropa schon 2000 beim BA-Verkauf an die deutsche Hypo Vereinsbank gesichert, die Italiener haben den Vertrag 2005 dann angepasst.

Betreut werden soll das Geschäft mit Osteuropa aber weiterhin von Wien aus. Laut Aussendung der Unicredit werden zwar die Beteiligungen an den Osttöchtern künftig direkt von der Unicredit gehalten, das "Know-how der CEE-Sparte" bleibe aber in Wien erhalten. Anders ausgedrückt: Jene rund 700 Banker, die von Wien aus CEE betreuen (viele davon kommen aus Italien), werden das auch künftig tun. Bilanztechnisch ressortiert CEE künftig aber nach Mailand – die Kuh ist sozusagen aus dem Stall.

Aufatmen

Wobei diese Lösung nicht nur bei der Belegschaft, sondern auch bei den österreichischen Bankenaufsehern für hörbares Aufatmen sorgen dürfte. Sie präferieren diese Variante, weil sie (vereinfacht gesagt) das Risiko und die Kapitalerfordernisse für Osteuropa nach Italien bugsieren und Österreich insofern entlasten. Vor allem die rasche Expansion der Tochter in der Türkei hat bei den Aufsehern in der Nationalbank zuletzt für Sorgenfalten gesorgt. Die Bank verdiene zwar gut, man solle aber das politische Risiko nicht vernachlässigen, argumentieren sie.

Die ersten neun Monate 2015 liefen für die BA auch im CEE nicht so gut. Der Nettogewinn hat sich auf 660 Millionen Euro halbiert, der Kreditrisikoaufwand stieg um 42 Prozent. Hauptgrund: die Lasten aus der Zwangskonvertierung von Frankenkrediten in Kroatien.

Zu Einschnitten bis auf die Knochen wird es aber auch im Retailgeschäft der Bank Austria kommen. Diese Sparte umfasst das Geschäft mit Privatkunden und jenes mit kleinen Unternehmen mit einem Umsatz von maximal drei Millionen Euro – und es beschert der Bank Austria rote Zahlen. 2014 hat es zwar noch einen Minigewinn von 33 Millionen Euro Gewinn geschrieben, per Ende Juni 2015 allerdings einen Verlust von 34 Millionen Euro.

"Es gibt Verhandlungen"

Wie DER STANDARD berichtet hat, verhandelt Bawag-Eigner Cerberus mit den Italienern über einen Kauf des Retailgeschäfts (25 Milliarden Euro Bilanzsumme). Ghizzoni bestätigte am Mittwoch, dass das Privatkundengeschäft bis Ende 2016 verkauft oder restrukturiert werden soll. Zum STANDARD sagte er nur so viel: "Bei einem im Gang befindlichen Merger kann ich auch keine Namen der Interessenten nennen. Aber es gibt Verhandlungen. Wir wollen jedenfalls 2016 zu einem Resultat kommen."

Dass in Österreich besonders stark herumgerührt wird, begründet Ghizzoni mit dem kargen makroökonomischen Umfeld: "Die Steuern – die Bankenabgabe – sind überdurchschnittlich hoch, die Arbeitskosten liegen über jenen in anderen Ländern." Der Unicredit-Chef versichert aber, in andere Banktätigkeiten in Österreich, wie etwa Private- und Investmentbanking, zu investieren.

Verkauf oder Sanierung: In beiden Fällen droht laut Wiener Bankern "ein Blutbad", sind doch im Filialgeschäft mehr als 3000 Mitarbeiter beschäftigt. Eine "Restrukturierung" hätte weiteren Mitarbeiterabbau und Filialschließungen zur Folge; ein Verkauf an die Bawag wohl auch. Deren US-Eigentümer soll denn für die Übernahme des unrentablen Privatkundenteils (und der zum Teil unkündbaren Mitarbeiter) eine Mitgift verlangen – und zwar eine höhere als bisher kolportiert. Unbestätigten Gerüchten zufolge geht es um eine Milliarde Euro. Unabhängig vom Schicksal des Retailgeschäfts wird der Mitarbeiterabbau aber sowieso weitergehen. Bis 2018 werden 800 Jobs verschwinden (200 pro Jahr), wobei die natürliche Fluktuation bei 250 Mitarbeitern im Jahr liegt.

Jobbau ist für die BA freilich nichts Neues. Im Herbst 2013 hat Bankchef Willibald Cernko das Programm "Bank Austria 2020" verkündet, mit dem Investitionen in Online-Banking und Service fixiert wurden und die Personalkosten-Schraube weiter angezogen wurde. Ende September beschäftigte die BA 9300 Mitarbeiter (Vollzeitäquivalente); in den vergangenen eineinhalb Jahren wurden 700 Mitarbeiter eingespart; betriebsbedingte Kündigungen gab es nicht. Freilich haben 1450 Mitarbeiter auf Teilzeit umgesattelt – was einem Abbau von 410 Vollzeitjobs entspricht.

Die Belegschaftsvertreter pochen angesichts dessen auf "einvernehmliche Lösungen" und "Verhandlungen statt fixer Vorgaben", wie Zentralbetriebsratschef Adolf Lehner sagt. Wie es da weitergeht, wird man, zumindest ansatzweise, am 24. November erfahren: Da findet im Wiener Austria Center eine erste Betriebsversammlung statt. (Renate Graber, Thesy Kness-Bastaroli, 11.11.2015)

  • Bei der Bank Austria wird gespart.
    foto: apa/georg hochmuth

    Bei der Bank Austria wird gespart.

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