Alle reden, nur der "Kaiser" schweigt

11. November 2015, 14:13
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Während ein geheimes Konto Jack Warners aufgetaucht ist und mittlerweile auch in Malta nach Beweismitteln gesucht wird, schweigt Franz Beckenbauer weiter beharrlich

Frankfurt/Main – Der WM-Skandal schwappt schon nach Übersee, doch Franz Beckenbauer schweigt weiter beharrlich – und er erhält zum ersten Mal seit Tagen Rückendeckung. Die "Kaisertreuen" vom deutschen Rekordmeister Bayern München halten ihrem Ehrenpräsidenten trotz der Bestechungsvorwürfe rund um die Vergabe der WM 2006 und des immer größer werdenden Drucks die Stange.

"Wenn ein Freund in Schwierigkeiten ist, dann muss man ihm zur Seite stehen. Und das werden wir beim FC Bayern auch tun", sagte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge am Mittwoch. "Ich verstehe, dass der DFB hier größtes Interesse haben muss, die ganze Angelegenheit aufzuklären. Aber ich würde mir auch dort manchmal einen etwas sensibleren Umgang mit der Person Franz Beckenbauer wünschen. Ich glaube, dass auch der DFB der Person Franz Beckenbauer viel zu verdanken hat."

Geheimkonto

Neben dem WM-Organisationskomitee-Chef Beckenbauer rutscht Jack Warner immer mehr in die Rolle einer Schlüsselfigur in dem Skandal, bei dem es nicht mehr "nur" um die dubiose Zahlung von 6,7 Millionen Euro geht. Nach Informationen der "Bild"-Zeitung geht aus Unterlagen der US-Bundesbehörde FBI hervor, dass der frühere Vizepräsident des Weltverbands Fifa ein geheimes Konto unter dem Namen "LOC Germany 2006 Limited" geführt habe. LOC steht bei der Fifa als Abkürzung für "Lokales Organisationskomitee".

Am Dienstag hatte der Deutsche Fußball-Bund bestätigt, dass Beckenbauer und Warner (Trinidad und Tobago) ein Dokument unterschrieben haben, das den Verdacht des versuchten Stimmenkaufs nahelegt. In diesem Vertragsentwurf sind laut DFB-Interimspräsident Rainer Koch "diverse Leistungen, keine direkten Geldleistungen von deutscher Seite zugesagt worden". Der zweite DFB-Interimspräsident Reinhard Rauball wertet das als Bestechungsversuch.

Das Dokument stammt vom 2. Juli 2000, vier Tage vor der WM-Vergabe. Ob der Vertrag zwischen Beckenbauer und dem früheren Präsidenten des Verbands für Nord- und Zentralamerika sowie der Karibik (Concacaf) vollzogen wurde, ist unbekannt. Deutschland gewann die Abstimmung des Fifa-Exekutivkomitees mit 12:11 Stimmen gegen Südafrika, der Concacaf stimmte geschlossen gegen Deutschland.

Die bisher letzte Aussage Warners zur WM 2006 ist fünf Monate alt. "Es hat mir nie jemand Geld angeboten, auch nicht die Deutschen", sagte der 72-Jährige im Juni dem Nachrichtenmagazin "Spiegel". Dass Warner korrupt ist, hat allerdings mittlerweile sogar die Fifa erkannt: Die Ethikkommission sperrte Warner, der in seinem Heimatland gegen eine Auslieferung in die USA kämpft, im Zuge des Fifa-Skandals Ende September lebenslang.

Beweissuche in Malta

Derweil zieht der deutsche Skandal weitere Kreise. Die maltesische Polizei hat bereits am Montag die Räume des nationalen Fußballverbands MFA durchsucht. Dabei suchte die Spezialeinheit für Wirtschaftskriminalität nach Dokumenten, die mit einem Testspiel Maltas gegen den FC Bayern im Jänner 2001 zusammenhängen.

Die Polizeiaktion steht im Zusammenhang mit Vorwürfen gegen Beckenbauer und den damaligen MFA-Präsidenten Joe Mifsud. Laut der britischen Zeitung "Mail on Sunday" soll es kurz vor der WM-Vergabe ein Treffen zwischen Mifsud und dem damaligen Bayern-Präsidenten Beckenbauer gegeben haben. Dort soll ein lukrativer TV-Vertrag für dieses Spiel zugunsten Maltas ausgehandelt worden sein. Kurz darauf stimmte Malta bei der WM-Vergabe für Deutschland.

Rummenigge wies den Vorwurf der Mauschelei zugunsten der deutschen Bewerbung vehement zurück. "Es ist bekannt, dass wir drei Spiele gemacht haben: eines in Malta, eines in Thailand und eines in Tunesien", sagte Rummenigge. "Das waren völlig normale Freundschaftsspiele. Wir sind dafür marktgerecht honoriert worden. Das ist schon in der Vergangenheit erklärt und seriös dargestellt worden."

Ungeklärt ist weiter die Frage nach dem Nachfolger von Wolfgang Niersbach als DFB-Präsident, der sich am Mittwochvormittag von den Mitarbeitern in der Verbandszentrale verabschiedet hat. Koch und Schatzmeister Reinhard Grindel gelten nach wie vor als heiße Kandidaten. (sid, 11.11.2015)

  • Franz Beckenbauer (li.) und Jack Warner könnten Licht in die dubiose Angelegenheit bringen.
    foto: epa/kay nietfeld - alva viarruel

    Franz Beckenbauer (li.) und Jack Warner könnten Licht in die dubiose Angelegenheit bringen.

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