Bienenforscher verwerfen Neonicotinoid-Studie der Industrie

11. November 2015, 14:00
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Wissenschafter sprechen von "substanziellen wissenschaftlichen Defiziten in Bezug auf Studiendesign, Protokoll und Interpretation der Daten"

Wien – Bienenforscher haben in einer Studie zu Neonicotinoiden, die von den Pestizidherstellern Syngenta, BASF und Bayer in Auftrag gegeben worden war, gravierende Mängel gefunden. Die Konzerne wollten damit ihre Klage gegen die EU-Neonicotinoid-Verbote zu untermauern, die aufgrund des Bienensterbens erlassen worden waren.

Mangelhaftes Studiendesign

Nun weist ein internationales Forscherteam jedoch auf "substanzielle wissenschaftliche Defizite in Bezug auf Studiendesign, Protokoll und Interpretation der Daten" hin. Deshalb lasset die Studie "keine Schlussfolgerungen über das Risiko des Neonicotinoids Thiamethoxam für Bienen unter realen Feldbedingungen" zu, heißt es in der Publikation der Forscher aus Europa und Australien, die in "Environmental Sciences Europe" erschienen ist und auf die nun die Umweltorganisation Global 2000 hinweist.

Der Hauptkritikpunkt der Wissenschafter ist, dass die von Syngenta beauftragte Studie mit Dosierungen arbeitet, die bis zu 70 Prozent unter den zugelassenen Höchstaufwandmengen für Thiamethoxam liegen. Statt einem handelsüblichen Pestizidpräparat verwendet die Industriestudie den isolierten Wirkstoff, der in der Regel geringere biologische Aktivität und Toxizität aufweist.

Zudem seien in der Industriestudie wesentliche Expositionspfade unberücksichtigt geblieben und das Zeitfenster der Exposition deutlich zu klein. Nicht zuletzt kritisieren die Wissenschafter das Fehlen einer statistischen Auswertung, wie es für wissenschaftliche Arbeiten Standard ist.

Reaktion von Umweltschützern

"Industriestudien mit mangelhafter Aussagekraft und falschen Schlussfolgerungen hatten schon in den vergangenen Wochen wiederholt für Schlagzeilen gesorgt", kritisierte GLOBAL-2000-Chemiker Helmut Burtscher. "Die Weltgesundheitsorganisation WHO erkannte in Industriestudien mit Mäusen eine eindeutige krebserregende Wirkung des Unkrautvernichters Glyphosat. Die Pestizidhersteller selbst hatten ebenso wie die europäischen Zulassungsbehörden die Häufung von Tumoren angeblich jahrzehntelang 'übersehen', da die statistische Auswertung der Versuche mangelhaft war."

GLOBAL 2000 fordert deshalb, dass das europäische Zulassungsverfahren für Pestizide, insbesondere die Transparenz und Qualität der von der Industrie beauftragten und eingereichten Studien, verbessert werden. Ende Dezember läuft das von der EU-Kommission verhängte Moratorium für die drei Neonicotinoide Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam aus. Zur Zukunft dieser bienengiftigen und umweltschädlichen Pestizide hat sich die EU bis heute noch nicht geäußert. (APA, red, 11. 11. 2015)

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