Zusammenstöße zwischen Flüchtlingen und Polizei in Calais

11. November 2015, 14:13
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Im "Dschungel" häufen sich die Krawalle. Als Drahtzieher werden Schlepper und Anarchisten vermutet

Die Spannung macht sich Luft. In der Nacht auf Mittwoch kam es im sogenannten Dschungel von Calais zum dritten Mal in Folge zu gewalttätigen Ausschreitungen. Bewohner des wilden Flüchtlingslagers in den Sanddünen blockierten den Autobahnzubringer zum Fährhafen mit demontierten Ortstafeln und anderen schweren Gegenständen, die sie sich in den umliegenden Wohnvierteln besorgten. Ziel war es, die eintreffenden Lastwagen zu stoppen und aufzuspringen, um auf der Fähre als blinde Passagiere nach England zu gelangen.

Wie am Montag- und Dienstagabend wiederholte sich dabei das gleiche Szenario: Als 250 Polizisten anrückten, um die Straße befahrbar zu machen, wurden sie mit Steinen beworfen; daraufhin setzten sie Tränengas ein, um die Flüchtlinge zu zerstreuen. Einige Männer wurden vorübergehend festgenommen, unter den Polizisten gab es mehrere Verletzte.

Die Präfektin des Departements Pas-de-Calais, Fabienne Buccio, zeigte sich nicht einmal erstaunt über die Zusammenstöße. Sie erklärte, sie sei von der britischen Seite informiert worden, dass es seit drei Wochen kein einziger Flüchtlinge mehr geschafft habe, per Fähre oder im Eurotunnel England zu erreichen. Das verstärkt offensichtlich die Spannungen in dem Lager, in dem 5.000 bis 6.000 Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak, Afghanistan, Eritrea, dem Sudan und anderen Ländern auf den letzten Sprung in das erhoffte Eldorado warten.

Schwarzer Block soll Unruhen schüren

Die Präfektin erklärte allerdings auch, linksradikale Aktivisten von Gruppen wie No Border und Schwarzer Block schürten die Unruhen und brächten den Flüchtlingen Methoden der Stadtguerilla bei. Die Bürgermeisterin von Calais, Natacha Bouchart, vermutet ihrerseits Schlepperbanden als Aufwiegler. Diese versuchten nach dem Dunkelwerden die örtlichen Polizeikräfte zu binden, um sich andernorts freie Bahn zu schaffen, meinte Bouchart, die wie schon früher einen Armeeeinsatz verlangt. Die Präfektur und die Regierung lehnen diese Forderung ab. Sie suchen den Druck zu mildern, indem sie den Bewohnern des Camps die erleichterte Aufnahme in französischen Auffangstationen anbieten.

Mehrere hundert Flüchtlinge aus Calais haben diese Gelegenheit in den letzten Wochen genützt. Der lokale Polizeigewerkschafter Gilles Debove erklärte, die Spannungen nähmen trotzdem zu, wenn es nun zu Gewalttätigkeiten komme. Bisher seien die Flüchtlinge der Polizei aus dem Weg gegangen. "Wir machen uns vor allem Sorgen, wenn es eines Tages zu einer Revolte im Lager selbst kommt", meinte Debove.

Nachbarn können umquartiert werden

Als Vorsichtsmaßnahme bietet Bürgermeisterin Bouchart den Nachbarn des Lagers nun an, vorübergehend umquartiert zu werden. Der konservativen Partei Les Républicains angehörig, meint sie, dass die Unruhen nur dem rechtsextremen Front National (FN) Auftrieb verleihen könnten. Im Dezember sind in Frankreich Regionalwahlen. Die im Landesnorden kandidierende FN-Chefin Marine Le Pen liegt in der Umgebung von Calais laut Umfragen vorn. (Stefan Brändle aus Paris, 11.11.2015)

  • In der nähe des "Dschungels" gehen Flüchtlinge an Polizisten vorbei.
    apa / afp / denis charlet

    In der nähe des "Dschungels" gehen Flüchtlinge an Polizisten vorbei.

  • An vergangenen Abenden kam es zu Ausschreitungen.
    apa / afp / denis charlet

    An vergangenen Abenden kam es zu Ausschreitungen.

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