APA-Sparen: Gleiches Budget, weniger Personal

11. November 2015, 17:25
10 Postings

Der Personalstand dürfte nächstes Jahr sinken, im Raum stehen fünf Vollzeitäquivalente. APA-Betriebsrat protestiert scharf gegen Kürzungen

Wien – Auf Twitter machte am Vormittag eine Zahl die Runde: 700.000 Euro schwer soll das Sparpaket sein, das die Nachrichtenagentur APA für das Jahr 2016 schnürt. Kolportiert wurden vier Kündigungen innerhalb der Redaktion, das Korrespondentennetz solle komplett ausgedünnt werden (siehe Tweet). Nach STANDARD-Infos stimmen Teile davon; was bleibt: 2016 dürfte eine Personalreduktion ins Haus stehen, die Einfluss auf die Berichterstattung haben könnte. Der APA-Betriebsrat reagiert mit Protest.

Was in der Redaktion befürchtet wird: "Weniger Korrespondenten, weniger Termine, weniger Dienstreisen", heißt es aus APA-Kreisen. Konkret soll es um weniger Stunden im Ausmaß von fünf Vollzeitäquivalenten gehen – derzeit Gegenstand von Verhandlungen zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung. Betroffen dürften etwa die Ressorts Außenpolitik und Wirtschaft sein.

Tatsächlich handle es sich nicht um vier Kündigungen, sondern nur um ein bis zwei Dienstverhältnisse, die nach Möglichkeit einvernehmlich gelöst werden sollen, sagt dazu APA-Chef Peter Kropsch zum STANDARD. Zwei Karenzvertretungen laufen aus, Teilzeitlösungen mit anderen Mitarbeitern würden verhandelt. Der Grund? "Die Personalkosten steigen schneller als der Umsatz." Bei den Korrespondenten würden Honorarbudgets gekürzt.

APA-Chef: Budget bleibt gleich hoch

Jene 700.000 Euro seien eine interne Zahl, die zwischen dem ersten und dem zweiten Budgetentwurf liege; also die Differenz zwischen den Wünschen der Chefredaktion und den Vorgaben der Geschäftsführung. Tatsächlich werde das Budget 2016 gleichbleiben, wenn nicht sogar leicht erhöht werden, sagt Kropsch.

Ausgebaut werden soll beispielsweise die Videoproduktion. Dass der ORF als 45-Prozent-Eigentümer der APA Sparvorgaben diktiere, bestreitet Kropsch. Die Redaktion müsse keinen Gewinn machen: "Das Ergebnis des Unternehmens muss passen." Und das Ergebnis passt eigentlich: Die APA beschäftigte 2014 569 Mitarbeiter. Während der Konzernumsatz 2014 mit 71,04 Millionen Euro leicht rückläufig war (2013: 71,5 Millionen Euro), stieg das Jahresergebnis (EGT) um 718.000 Euro auf 2,87 Millionen Euro (2013: 2,15 Millionen Euro).

Update: Scharfer Protest des Betriebsrats

Am Abend protestiert der APA-Betriebsrat via Aussendung gegen das "neuerliche Sparpaket und den Personalabbau in der Redaktion". Der Sparkurs bedrohe die Berichterstattung: "Wir befürchten schlimme Auswirkungen auf unsere Kunden und die österreichische Gesellschaft."

Die APA liefere seit 1990 gute Erträge. Die Eigentümer (ORF mit 45 Prozent und 13 Tageszeitungen, ohne "Krone") hätten "satte Dividenden eingestrichen und sich vor zwei Jahren auch noch eine Tarifreform gegönnt, die die Redaktion damals schon durch ein Personal-Sparpaket in Bedrängnis gebracht hat", heißt es. Der APA-Betriebsrat bestätigt das Einsparungsvolumen von 700.000 Euro.

"Eigenberichte werden deutlich reduziert"

Die konkreten Auswirkungen werden so beschrieben: "Vier junge, engagierte und gut ausgebildete Frauen verlieren ihre Stellen. Weitere Einsparungen beim Personal sollen mithilfe mehr oder weniger freiwilliger Arbeitszeitreduktionen einzelner MitarbeiterInnen bewirkt werden. Das KorrespondentInnenbudget wird zusammengestrichen. Ab demnächst wird es wohl nur mehr KorrespondentInnen in den direkten Nachbarländern geben, Eigenberichte werden deutlich reduziert, Dienstreisen zurückgefahren – schon das wird sich empfindlich auf die Breite der Berichterstattung auswirken. Und für 2017 und 2018 drohen anscheinend Einsparungen in ähnlicher Höhe."

Kritik wird auch an Chefredakteur Michael Lang geübt: "Anstatt sich auf die Seite der KollegInnen zu stellen, redet Chefredakteur Lang gegenüber dem 'Kurier' die Einsparungen klein", so Betriebsratsvorsitzende Andrea Tretter. (omark, 11.11.2015)

  • Das APA-Gebäude in der Laimgrubengasse 10 in Mariahilf. Der Redaktion droht ein Sparpaket.
    foto: apa

    Das APA-Gebäude in der Laimgrubengasse 10 in Mariahilf. Der Redaktion droht ein Sparpaket.

Share if you care.