Bienenforscher zeigen Mängel in Studie von Pestizidherstellern auf

11. November 2015, 11:33
5 Postings

Industriestudien mit mangelhafter Aussagekraft sorgen nun schon wiederholt für Schlagzeilen, kritisiert die NGO Global 2000

Renommierte Bienenforscher haben in einer Industriestudie zu Neonicotinoiden gravierende Mängel gefunden. Mit der Untersuchung versuchen die Pestizidhersteller Syngenta, BASF und Bayer ihre Klage gegen die EU-Neonicotinoid-Verbote zu untermauern, den Forschern zufolge zeigt sie jedoch "substanzielle wissenschaftliche Defizite in Bezug auf Studiendesign, Protokoll und Interpretation der Daten".

Deshalb lässt die Studie "keine Schlussfolgerungen über das Risiko des Neonicotinoids Thiamethoxam für Bienen unter realen Feldbedingungen" zu, heißt es in der vergangene Woche erschienenen Publikation der Forscher aus Europa und Australien.

Viel Kritik

Der Hauptkritikpunkt der Wissenschafter ist, dass die von Syngenta beauftragte Studie (Pilling et al. 2013) mit Dosierungen arbeitet, die bis zu 70 Prozent unter den zugelassenen Höchstaufwandmengen für Thiamethoxam liegen. Statt einem handelsüblichen Pestizidpräparat verwendet die Industriestudie den isolierten Wirkstoff, der in der Regel geringere biologische Aktivität und Toxizität aufweist.

Zudem seien in der Industriestudie wesentliche Expositionspfade unberücksichtigt geblieben und das Zeitfenster der Exposition deutlich zu klein. Nicht zuletzt kritisieren die Wisseschafter das Fehlen einer statistischen Auswertung, wie es für wissenschaftliche Arbeiten Standard ist.

Tumorhäufung "übersehen"

"Industriestudien mit mangelhafter Aussagekraft und falschen Schlussfolgerungen hatten schon in den vergangenen Wochen wiederholt für Schlagzeilen gesorgt", kritisiert Global-2000-Chemiker Helmut Burtscher. "Die Weltgesundheitsorganisation WHO erkannte in Industriestudien mit Mäusen eine eindeutige krebserregende Wirkung des Unkrautvernichters Glyphosat. Die Pestizidhersteller selbst hatten ebenso wie die europäischen Zulassungsbehörden die Häufung von Tumoren angeblich jahrzehntelang 'übersehen', da die statistische Auswertung der Versuche mangelhaft war."

Global 2000 fordert deshalb, dass das europäische Zulassungsverfahren für Pestizide, insbesondere die Transparenz und Qualität der von der Industrie beauftragten und eingereichten Studien, verbessert werden. Ende Dezember läuft das von der EU-Kommission verhängte Moratorium für die drei Neonicotinoide Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam aus. Zur Zukunft dieser bienengiftigen und umweltschädlichen Pestizide hat sich die EU bis heute noch nicht geäußert. (APA, 11.11.2015)

  • Bienenforscher kritisieren die neueste Industriestudie zu Neonicotinoiden.
    foto: reuters/stoyan nenov

    Bienenforscher kritisieren die neueste Industriestudie zu Neonicotinoiden.

Share if you care.