Party-Vorglühen

12. November 2015, 15:57
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Mut fürs Partyleben antrinken

foto: epa / etienne laurent

Pro
von David Krutzler

Wie kann man nur gegen Vorglühen sein? Der Dieselmotor des Autos ist frühmorgens über ein bisschen Aufheizen vor dem Durchstarten höchst entzückt. Eine Sauna hat ohne zünftiges Aufheizen zunächst wirklich nur Lauwarmes zu bieten. Und sanftes Heißwerden soll beim sich anbahnenden Spaß zu zweit – oder gerüchteweise auch zu dritt – erst so richtig Pepp in die Sache bringen.

Bei so viel positiver Konnotation kann das wohldosierte Warm-up mit Drinks in netter Gesellschaft auch nur ein angenehmes Ereignis sein. Manche Freunde schwören darauf, dass selbst ein miserables Theaterstück oder ein Hundskick im Fußballstadion dann und wann mit einem präventiv getrunkenen Krügerl (Bier) oder Achterl (Wein) – nicht umgekehrt – leichter durchzustehen ist.

Aber es ist nicht alles schwarz und weiß: Mit Vorglühen sind etwa nur diverse In-Clubs und hippe Discos mit ihren horrenden Preisen zu bestrafen. Die Existenz liebenswerter Bars und Beisln ist freilich zu schützen, gemäß dem Motto: "Homedrinking is killing the Gastwirt."

Kontra
von Franziska Zoidl

Der wahre Verbrennungsmotor ist ein Benziner, sagt Kollege G. vom Automobil-Ressort. Und keiner der beiden (weder Motor noch Kollege) muss vorglühen. Muss auch sonst niemand, zumindest nicht in der Definition von uns Landeiern: Anstatt sich in gediegener After-Work-Manier Plätze an der Bar zu sichern, ohne Gedränge auf der Tanzfläche mitzuschunkeln und um Mitternacht ins Bett zu fallen, bringt jeder seinen eigenen Fusel zum Vorglühen mit. Das Ziel: sich in vertrautem Umfeld ein bisschen Mut fürs Partyleben anzutrinken – und zwar mit dem einen edlen Tropfen der Gastgeberin, vorzugsweise aus Plastikbechern, vermischt mit Almdudler und in Form eines Trinkspiels.

Je später die Stunde, umso höher die Blutalkoholkonzentration, umso größer die Müdigkeit – und die Überraschung, dass es plötzlich ein Uhr ist und die U-Bahn nicht mehr in Drei-Minuten-Intervallen verkehrt. Ist man endlich auf der eigentlichen Party angekommen, ist nur eines schlimmer als der brummende Schädel (Alkohol mit Almdudler!): die Frage, wie man möglichst schnell nach Hause kommt. (RONDO, 13.11.2015)

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