Spannung vor Bekanntgabe der Unicredit-Sparpläne

11. November 2015, 10:20
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Kolportiert wird der konzernweite Abbau von bis zu 14.000 Jobs. Es geht auch um die Zukunft der Bank Austria

Wien/Mailand – Nicht nur Italien fiebert der Bekanntgabe des neuen Sparpakets der Bank Austria-Mutter Unicredit entgegen. Auch in Österreich ist von einem Schicksalstag die Rede: Für die Bank Austria, größte Bank im Land, läuft es wohl darauf hinaus, dass die Osteuropazentrale aus Wien abgezogen wird. Weitere Redimensionierungen (Stichwort: Privatkundensparte Österreich) stehen im Raum.

Die am Mittwoch anstehenden Quartalszahlen des Unicredit-Konzerns und seiner wichtigsten Töchter werden vom erwarteten "Update" des Mehrjahresplans bis 2018 in den Schatten gestellt. Der neue Geschäftsplan könnte nach Angaben der Tageszeitung "Il Messaggero" sogar 14.000 Jobkürzungen vorsehen. Bisher war von maximal 12.000 Stellen die Rede.

500 Filialschließungen in Italien

"Die Börse rechnet mit einem Blut-und-Tränen-Plan bei Unicredit", kommentierte der "Corriere della Sera" am Dienstag. Unicredit-Chef Federico Ghizzoni will angeblich die Kosten bis 2018 um 1,2 Milliarden Euro reduzieren und allein in Italien 500 Filialen schließen. 7.000 Jobs sollen in Italien wegfallen, was nach bisherigen Informationen allerdings mit Frühpensionierungen, Einstellungsstopps und Nichtnachbesetzungen vonstatten gehen soll.

Ghizzoni will eine ganze Reihe von Kompetenzen zentralisieren. Die Steuerung der Osteuropasparte künftig von Mailand aus soll nur einer von mehreren Zentralisierungsschritten sein.

Der Rationalisierungsplan soll jedoch auch positive Aspekte beinhalten, wie wachstumsfördernde Maßnahmen, berichten Insider. Nicht umsonst sollen die im bisherigen Entwicklungsplan enthaltenen Investitionen in Höhe von 4,5 Milliarden Euro bis 2018 bestätigt werden.

Synergien und Sparpotenzial sieht Unicredit auch im Assetmanagement. Hier geht es um die Fondstochter Pioneer, die mit Santander Asset Management zusammengehen soll.

Polnische Pekao-Bank vor Verkauf

Noch unklar ist, von welchen Assets sich Unicredit trennen will. Laut "Financial Times" will sich Ghizzoni von der Tochterbank Fineco und der polnischen Pekao-Bank verabschieden. Laut "Wall Street Journal" prüft Ghizzoni zudem den Verkauf des italienischen Leasinggeschäfts.

Die italienischen Bankengewerkschaften gehen wegen der Jobkürzungen auf die Barrikaden. Im italienischen Bankensystem sei demnächst die Streichung von insgesamt 30.000 Jobs vorgesehen. Die zusätzlichen Jobkürzungen bei Unicredit seien unerträglich, erklärte der Gewerkschaftsverband Fabi.

Bank-Austria-Zukunft weiter offen

Ob es am Mittwoch stichhaltige Neuigkeiten zur Zukunft der Bank Austria geben wird, ist unklar. In Wien ist für den 24. November eine Betriebsversammlung geplant, die sich kritisch mit den Sparplänen auseinandersetzen wird. Seit Wochen wird darüber spekuliert, dass die Privatkundensparte der Bank Austria verkauft werden könnte. Interesse an dem Geschäft mit rund 1,6 Millionen Kunden (Private und kleine Gewerbetreibende) wird der Bawag nachgesagt. Auf Eigentümerebene sollen schon länger Gespräche laufen, Aufsicht und Wettbewerbshüter sollen aber ernste Bedenken hegen.

In jedem Fall blühen der Privatkundensparte aber Einschnitte, zumal das klassische Retailgeschäft nichts verdient. 120 der rund 190 Milliarden Euro Bilanzvolumen entfallen bei der Bank Austria auf das Österreich-Geschäft. Ein Viertel davon wird der Privatkundensparte zugerechnet.

Schon vor der Mailänder Bekanntgabe war klar, dass die österreichische Tochter von der Neuausrichtung relativ am stärksten betroffen sein wird. Bisher haben die viele Jahre lang satten Ergebnisse aus Osteuropa das wenig rentierliche Inlandsgeschäft in Österreich subventioniert. Zwei Drittel des Betriebsergebnisses stellten bisher die Ost/Südosteuropa-Banktöchter. Nur ein Drittel stammte aus dem Österreich-Geschäft. Unter dem Strich war das Verhältnis noch deutlicher, da verblieb aus dem Inlandsmarkt in der Regel noch viel weniger Gewinn. (APA, 11.11.2015)

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