Voestalpine schafft Gewinnschub

12. November 2015, 07:20
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Der Stahlkonzern sieht trotz Steigerung im ersten Halbjahr die zweite Jahreshälfte weniger rosig

Wien/Linz – Der börsennotierte Stahlkonzern voestalpine hat zwar Gewinn und Umsatz im ersten Geschäftshalbjahr 2015/16 dank Sondereffekten spürbar gesteigert, sieht das zweite Halbjahr aber weniger rosig: "Die Situation wird schwieriger – wir werden rein operativ das erste Halbjahr nicht in vollem Umfang wiederholen können", sagte Konzernchef Wolfgang Eder am Mittwoch in einer Pressekonferenz.

Das operative Ergebnis werde "unter dem Vorjahr zu liegen kommen". Nur unter Einrechnung der Einmaleffekte würde das Vorjahr ürotbertroffen. In den Bereichen Automobilzulieferungen, Bahninfrastruktur (Schienen und Weichen) sowie Flugzeugbau sei das Geschäft zwar "anhaltend stark". Doch in der Öl- und Gasindustrie werde die Investitionstätigkeit angesichts des niedrigen Ölpreises gering bleiben. Und das bekommen Zulieferer wie etwa die voestalpine zu spüren. Pipeline-Aufträge lassen auf sich warten. "Dort sehen wir in den nächsten mindestens sechs Monaten keine Besserung", so Eder. Der gesamte Energiebereich entwickle sich schwach und sei "das fünfte Jahr massiv unter Druck". Die Bauindustrie werde "auch in nächster Zeit"schwach bleiben.

Auftrag aus Abu Dhabi

In der voestalpine-Stahl-Division in Linz habe ein Auftrag aus Abu Dhabi etwas Entspannung in die Flaute im Öl- und Gasbereich gebracht. Die Voest liefert 95.000 Tonnen Röhrenbleche für ein Erdgasprojekt. Auch in der Division Special Steel (Edelstahl) im steirischen Kapfenberg müsse man derzeit nicht über Kurzarbeit oder Stellenabbau nachdenken, betonte Eder. Im Bereich Metal Engineering in Kindberg, wo Nahtlosrohre hergestellt werden, werde aber wegen der schlechten Entwicklung und des Preisverfalls im Energiebereich bereits eine Schicht weniger gefahren. Dafür sei aber in der Schienenfertigung in Donawitz eine Schicht dazugekommen. Der klassische Stahlbereich kämpfe weltweit mit Überkapazitäten – vor allem aus China.

"Die voestalpine hat sich in diesem Umfeld eigentlich recht erfreulich entwickelt", stellte Eder fest. Der Umsatz im ersten Halbjahr 2015/16 (per Ende September) erhöhte sich um rund 4 Prozent auf 5,8 Mrd. Euro und der nicht um Einmaleffekte (Verkäufe und Konsolidierungsänderungen) bereinigte Nettogewinn (vor nicht beherrschenden Anteilen und Hybridkapitalzinsen) stieg um ein Drittel von 316 auf 421 Mio. Euro – der bereinigte Gewinn erhöhte sich um "nur" knapp 7 Prozent von 272 auf 290 Mio. Euro. Der Gewinn je Aktie (EPS) legte von 1,65 auf 2,29 Euro zu. Der Personalstand weitete sich um 2,8 Prozent auf weltweit 48.719 Mitarbeiter (Vollzeitäquivalente) auf "ein Rekordniveau" aus.

Neues Werk in Texas

Die voestalpine investiert derzeit 550 Mio. Euro in ein neues Eisenschwamm-Werk in Corpus Christi (Texas), das voraussichtlich im ersten Quartal 2016 hochgefahren wird und eine "deutliche Kostenentlastung in der Stahlerzeugung" bringen soll. Wäre die Anlage in Österreich gebaut worden, wären die Betriebskosten im Vollbetrieb laut Eder jährlich um 200 Mio. Euro höher. Erdgas sei hier beispielsweise dreimal so teuer wie in den USA. Parallel zu der Großinvestition fährt der Konzern ein 900 Mio. Euro schweres Kostensenkungsprogramm – 420 Mio. Euro davon entfallen auf den Stahlbereich. "Wir sind jetzt im dritten Jahr, haben bereits mehr als die Hälfte realisiert und nähern uns dem Ende", sagte Eder. In den nächsten zwölf Monaten soll das derzeitige Sparprogramm abgeschlossen werden. (APA, 11.11.2015)

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