Videodienst: "Nicht nur Youtube füttern"

11. November 2015, 12:20
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Neuer Anlauf für Kooperation zwischen ORF und Medienhäusern zu Einbindung der TV-Thek-Inhalte – Deal soll bis Jahresende stehen

Wien – In den österreichischen Bewegtbildmarkt kommt Bewegung: Der Videodienst von ORF und Verlegern befindet sich in der Zielgeraden. Die Finalisierung des Konzepts soll bis Ende des Jahres erfolgen, starten könnte die Plattform im ersten Halbjahr 2016. Konkret geht es um die Einbindung von Videos aus der ORF-TV-Thek auf Medienseiten und damit um die gemeinsame Vermarktung der Inhalte. Technischer Partner und Schnittstelle ist die Nachrichtenagentur APA.

"Je eher der Start erfolgt, desto besser", sagt APA-Chef Peter Kropsch zum STANDARD. Eine grundsätzliche Einigung über das Projekt soll bis Ende des Jahres stehen. Um einen "Schulterschluss des Marktes" zu erreichen, werde der Videodienst als offene Plattform konzipiert. "Wir wollen eine qualifizierte Anzahl an Videos zur Verfügung stellen", so Kropsch. Um in Österreich mit Videowerbung "nicht nur Youtube zu füttern", solle den Werbetreibenden eine größere Reichweite geboten werden. Die Erlöse teilen sich der ORF und die Medienhäuser nach einem Schlüssel, der derzeit verhandelt wird. Der ORF kommt mit seiner TV-Thek laut Zahlen der Österreichischen Webanalyse auf rund 20 Millionen Videoabrufe pro Monat.

Kropsch betont, dass es um den gesamten Markt gehe. Das heißt, dass sich nicht nur APA-Genossenschaftsmitglieder wie DER STANDARD und andere Mitglieder des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ) beteiligen können, sondern auch weitere Medienunternehmen, etwa auch reine Onlineportale.

Nicht alle Medien interessiert

Begeistert sind allerdings nicht alle. Die Styria hat wie berichtet bereits abgewunken. Sie werde mit ihren Seiten "Presse" und "Kleine Zeitung" nicht dabei sein, hieß es. Styria-Vorstand Klaus Schweighofer führte im Wirtschaftsmagazin "Trend" "markenstrategische Gründe" ins Treffen. Medien sollten ihre Inhalte nicht verwässern. Und: "Ich bezweifle, ob das der Trennung zwischen Öffentlich-Rechtlich und Privat entspricht, so wie es die Verfassung vorsieht." Auf STANDARD-Anfrage lässt die Styria verlauten – jetzt etwas weniger skeptisch –, dass sich an ihrer Position nichts geändert habe, aber: "Wenn das Ergebnis vorliegt, werden wir uns das genau ansehen, bevor wir die Lage gegebenenfalls noch einmal neu beurteilen."

Für den ORF ist Onlinechef Thomas Prantner der Verhandlungsführer mit den Verlegern und der APA. "Der Bewegtbildmarkt soll in Österreich funktionieren", sagt er zum STANDARD. Als Wunschtermin für den Start nennt er das erste oder zweite Quartal 2016. Nach dem Konsens mit den Medien müsse noch das Okay der Bundeswettbewerbsbehörde eingeholt werden. Hat auch die Medienbehörde Komm Austria keine Einwände, könnte der Beschluss im ORF-Stiftungsrat im Frühjahr 2016 fallen. Wie berichtet hatte die Bundeswettbewerbsbehörde im ersten Anlauf zum Videodienst kartellrechtliche Bedenken. Das Projekt wurde dann kurz auf Eis gelegt und mit der APA als Schnittstelle neu aufgezogen.

ORF: Sieben-Tage-Limit für TV-Thek-Inhalte soll bleiben

Der ORF darf seine Nachrichtensendungen laut ORF-Gesetz nur sieben Tage in der TV-Thek verfügbar machen. Binden dann Portale Sendungen wie die "Zeit im Bild" oder den "ZiB Flash" ein, würde dieses Limit auch sie betreffen. Die Frage, ob es eine Initiative geben werde, um den Zeitrahmen zu strecken und somit mehr Zeit für die Vermarktung zur Verfügung zu haben, verneint Prantner: "Das soll so bleiben." Nach ein, zwei Tagen würden die Videoabrufe signifikant abnehmen. Über die TV-Thek würden rund zehn Prozent der gesamten Online-Werbeeinnahmen des ORF generiert, sagte Prantner im Sommer in einem APA-Interview. Das wären rund 1,1 Millionen Euro pro Jahr. (Oliver Mark, 11.11.2015)

  • Videos der ORF-TVThek (Screenshot von Dienstag) sollen auf Medienseiten gezeigt werden können.
    foto: screenshot / orf tvthek

    Videos der ORF-TVThek (Screenshot von Dienstag) sollen auf Medienseiten gezeigt werden können.

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