Österreich bestellt beheizbare Flüchtlingszelte bei Uno

11. November 2015, 07:01
382 Postings

Zelte und Container seien in Europa inzwischen Mangelware, sagt Koordinator Kilian Kleinschmidt. Ein Vertrag mit der Uno soll helfen

Wien/Traiskirchen – In Traiskirchen, wo derzeit nur privat organisierte Notschlafstellen verhindern, dass Flüchtlinge auf der Straße schlafen müssen, sei das Problem am sichtbarsten. Aber es bestehe bundesweit und spitze sich zu, sagt Flüchtlingskoordinator Kilian Kleinschmidt dem STANDARD: "Für die vielen Flüchtlinge gibt es in Österreich nicht genügend Unterkünfte."

Und nicht nur das: Um – etwa in Vorausschau auf den Winter – die Errichtung weiterer Quartiere vorzubereiten, brauche es große, beheizbare Zelte und geeignete Container. Diese sind aber in Europa auf dem freien Markt derzeit nur schwer zu haben, weil ausverkauft und woanders als Flüchtlingsunterkünfte im Einsatz.

Absicherungsmaßnahme

Angesichts dessen und um die Flüchtlingsobdachlosigkeit effizient zu bekämpfen, müsse sich die Republik absichern, erläutert Kleinschmidt: mittels Unterzeichnung einer Rahmenvereinbarung zwischen dem Innenministerium und dem World Food Programme (WFP) der Vereinten Nationen am Dienstag in Rom.

Das WFP, besser gesagt das von ihm gemanagte, im italienischen Brindisi befindliche UN-Humanitarian Response Depot (UNHRD) – eine von weltweit sechs derartigen Einrichtungen – soll Österreich künftig Großzelte und weitere Unterbringungslogistik zur Verfügung stellen: "bei Bedarf", wie ein Sprecher des Innenministeriums sagt. Das Abkommen stelle lediglich sicher, "dass die Zelte für uns da sind". Wo man sie im Bedarfsfall aufstellen werde, sei eine andere Diskussion, ergänzt Regierungsberater Kleinschmidt.

An Grenzen gestoßen

Insgesamt, so der Ministeriumssprecher, stoße man in Österreich bei der Flüchtlingsunterbringung "nun klar an die Grenzen". Anfang Jänner 2015 hätten sich in Österreich 31.000 Menschen in Grundversorgung befunden, nun seien es 65.000 – ein Plus von 34.000 Personen, für die alle neue Quartiere organisiert worden seien.

In Traiskirchen sieht sich Ehrenamtlichen-Koordinatorin Birgit Pinz unterdessen mit immer mehr von Polizei oder Lagerverwaltung weggeschickten Quartiersuchenden konfrontiert. 161 Menschen, so berichtet sie, hätten die Nacht auf Dienstag in drei privaten Notschlafstellen verbracht.

15-Jährigen ausgesperrt

Unter ihnen habe sich auch ein 15-jähriger Bursche befunden, der nachts nicht mehr zurück ins Lager gelassen worden sei. Erst am Morgen habe man die für den Minderjährigen zuständigen Sozialarbeiter bei der Bezirkshauptmannschaft Baden kontaktieren können. Mancher Lagermitarbeiter "blicke offenbar nicht über den Schreibtischrand hinaus", kritisiert Pinz das Vorgehen. (Irene Brickner, 11.11.2015)

  • Zelte zur Flüchtlingsunterbringung – wie hier vor einigen Wochen beim Grenzübergang Nickelsdorf – gelten in Österreich gemeinhin als Notlösung. Im nahenden Winter könnten Schutzsuchende aber auch hierzulande wieder auf sie angewiesen sein.
    foto: apa/fohringer

    Zelte zur Flüchtlingsunterbringung – wie hier vor einigen Wochen beim Grenzübergang Nickelsdorf – gelten in Österreich gemeinhin als Notlösung. Im nahenden Winter könnten Schutzsuchende aber auch hierzulande wieder auf sie angewiesen sein.

Share if you care.