Susanne Winter bei "Pro und Contra": Über die Entmenschlichung

10. November 2015, 16:27
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Die Abgeordnete mag sich politisch selbst erledigt haben. Andere sind noch voll im Geschäft

"Auch eine Frau Winter ist ein Mensch", meinte Susanne Winter, Ex-FPÖ-Politikerin mit wehklagender Stimme Montagabend auf Puls 4. Corinna Milborn hatte anlässlich der Erinnerung an den 9. November, als 1938 der Nazimob durch die Straßen zog und Synagogen und jüdische Geschäfte verwüstete, zur Sendung Pro und Contra über Antisemiten und Rechte geladen.

Einmal mehr war da zu hören, dass Winter eh alles nicht so gemeint habe – was keiner in der Runde glauben konnte. Eine andere Aussage der Nationalratsabgeordneten klang dabei glaubhaft: "So alleine bin ich nicht, glauben S' mir das." Nein, sie ist nicht ganz allein, das glauben wir gerne.

Aber zurück zum Menschsein, an das Winter in Bezug auf sich selbst erinnerte. Falter-Chefredakteur Florian Klenk wollte "darüber diskutieren, wie eine pauschale Entwürdigung von Menschen beginnt." Das haftete an Winter, wie Rapsöl an der nagelneuen Teflonpfanne. "Der erste Schritt ist eine Entmenschlichung von Gruppen", so Klenk weiter. Von Juden, Muslimen oder allen Flüchtlingen, auf die die FPÖ "so letztklassig und mies hinuntertritt".

Nun mag Winter sich politisch selbst erledigt haben. Anders der Mann, der wenig später in der ZiB 2 im ORF saß. Der ist noch voll im Geschäft. Er erklärte Armin Wolf, wie er "Zugangsdruck" und "Ströme" über "technische Baumaßnahmen" auch an den "Quellen" reparieren wolle. Er sprach von "Massen, die da kommen".

Nicht Wassermassen. Er meinte eigentlich Menschen. Menschen, die auf der Flucht sind. Und nein, Reinhold Mitterlehner ist natürlich kein Installateur. Er ist Vizekanzler und politisch – noch – voll im Geschäft. (Colette M. Schmidt, 11.11.2015)

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    foto: puls 4
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