Heinz Fischer: "Ein großer Staatsmann ist von uns gegangen"

11. November 2015, 06:52
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Betroffenheit über Tod des deutschen Altkanzlers – Schweigeminute in der Unions-Bundestagsfraktion

Wien – Deutschlands Altbundeskanzler Helmut Schmidt ist tot. Der 96-Jährige starb am Dienstag in Hamburg. Sein Tod löste große Betroffenheit aus.

Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigte Schmidt als Vordenker der internationalen Zusammenarbeit. Vor der Unions-Bundestagsfraktion erinnerte Merkel nach Angaben von Teilnehmern am Dienstag zudem an seine Entscheidung zum Nato-Doppelbeschluss. Merkel sei in ihrer Würdigung auch sehr persönlich geworden: Sie habe etwa 1962 von der DDR aus beobachtet, wie Schmidt als Hamburgs Regierender Bürgermeister in der Sturmflut agiert habe. Ihre Familie habe Verwandtschaft in Hamburg gehabt, um die man sich Sorgen gemacht habe, sagte die in Hamburg geborene Kanzlerin.

Die Abgeordneten von CDU und CSU erhoben sich nach dem Bekanntwerden des Todes von ihren Plätzen und gedachten Schmidts mit einer Schweigeminute.

EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker, wie Merkel ein Christdemokrat, lobte Schmidt als herausragende Figur. "Er war ein Freund, der mir, ebenso wie Europa, fehlen wird. Denn mit ihm verlieren wir einen besonderen Menschen, dessen politischer Mut viele bewegt hat", sagte Juncker.

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz bezeichnete Schmidt als "herausragenden Kanzler": "Sein Tod markiert eine Zäsur für Deutschland und Europa. Schmidts intellektuelle Brillanz, analytische Schärfe, Geradlinigkeit und Prinzipientreue bleiben unvergleichlich."

SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann schrieb, er verneige sich "vor der Lebensleistung von Helmut Schmidt. Er war überzeugter Sozialdemokrat und großer Europäer. Er wird uns fehlen."

Der russische Präsident Wladimir Putin drückte Deutschland sein Beileid zum Tod von Altkanzler Helmut Schmidt (SPD) aus. In einem Telegramm an Bundespräsident Joachim Gauck und Kanzlerin Angela Merkel bezeichnete er Schmidt als "herausragende Persönlichkeit Nachkriegsdeutschlands für die europäische und globale Politik".

Fischer: Hat Bild Deutschlands positiv geprägt

"Mit großer Trauer habe ich die Nachricht vom Ableben von Bundeskanzler a. D. Helmut Schmidt vernommen. Mit Helmut Schmidt ist ein großer Staatsmann von uns gegangen, der nicht nur in Deutschland, sondern weltweit respektiert wurde. Er hat als Senator seiner Heimatstadt Hamburg, als Mitglied der deutschen Bundesregierung, als Bundeskanzler und als Autor zahlreicher Bücher das Bild Deutschlands entscheidend und positiv geprägt. Seine Stimme hatte im In- und Ausland Gewicht", teilte Bundespräsident Heinz Fischer per Aussendung mit.

In Österreich gab es Anerkennung für Schmidts Lebenswerk auch von FPÖ und Grünen. Der blaue Parteichef Heinz-Christian Strache ließ in einer Aussendung wissen, er betrachte den deutschen Altkanzler als "einen bedeutenden Politiker mit Vorbildwirkung", der unangenehme Wahrheiten ausgesprochen habe. Grünen-Chefin Eva Glawischnig lobte Schmidt als "großen Befürworter eines vereinten Europa".

Kondolenzbücher in Berlin und Hamburg

Am Mittwoch beginnen die Planungen für die Trauerfeierlichkeiten. Nach einem Bericht der Zeitung "Die Welt" soll der SPD-Politiker in zwei bis drei Wochen bei einem Staatsakt in Hamburg gewürdigt werden.

Gauck und Merkel wollen sich am Mittwochvormittag in ein Kondolenzbuch im Bundeskanzleramt in Berlin eintragen. Auch im Hamburger Rathaus wird ein Kondolenzbuch zu Ehren Schmidts ausliegen. Die Hamburgische Bürgerschaft will am Nachmittag ihre Sitzung mit einer Schweigeminute für den gestorbenen Hamburger Ehrenbürger beginnen. (red, APA, 11.11.2015)

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