Kein Platz für die Yakuza im modernen Japan

11. November 2015, 19:09
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Eine Spaltung und verschärfte Gesetze setzen der legendären kriminellen Organisation immer mehr zu

In vielen Filmen wird die Yakuza, Japans Äquivalent zur italienischen Mafia, in romantisch-verklärter Weise als verschworene Männergemeinschaft beschrieben, in der unbedingte Gefolgschaft und Männertreue höchste Werte sind. Aber in der Realität des Gangstertums stehen hinter Männerfreundschaft und Verrat ganz handfeste materielle Interessen, die nun zu einer Spaltung der größten Yakuza-Organisation, der Yamaguchi-gumi, geführt hat.

Hauptgrund dafür ist die Verlegung des Geschäftsschwerpunkts in die Region um Tokio, wo die Wirtschaft floriert, während sie in der Gegend um Osaka und Kobe, dem ursprünglichen Sitz des Syndikats, stagniert. Unter anderem ist die Organisation als Subunternehmer bei den Aufräumungsarbeiten rund um das Atomkraftwerk Fukushima involviert. Doch diese Ausdehnung des Geschäfts ist gegen das Interesse des traditionellen Flügels der Yamaguchi-gumi, wodurch es schließlich zum Bruch kam.

Eng mit legaler Geschäftswelt

Doch auch durch äußere Einflüsse kommt die Yakuza immer mehr unter Druck. Jahrzehntelang war sie eng mit der legalen Geschäftswelt verknüpft, im Immobiliensektor sehr aktiv und mit engen Verbindungen zu den Großbanken. Ihre illegal lukrierten Gewinne flossen in Geschäfte mit legalen Firmen. Zudem gab es auch enge Bande zur Politik. Hochrangige Volksvertreter erschienen auf Yakuza-Partys, im Gegenzug gab es Unterstützung bei Wahlen.

Doch derlei Aktivitäten wurden im Oktober 2011 per Gesetz verboten, es wurde zunehmend unfein, sich mit der Yakuza zu zeigen. Für deren Mitglieder selbst wurde es immer schwieriger, sich als solche zu zeigen. Deshalb wurde auch das Fingerabhacken als Loyalitätserweis gegenüber dem Bandenchef unpopulär, weil ein als Yakuza erkannter Mann kein Bankkonto eröffnen kann. Die Folge: Die Yakuza musste sich auf illegale Geschäftszweige wie das Glücksspiel, Drogenhandel und Prostitution beschränken.

Nach der Spaltung fürchtet die Polizei, dass nun ein Bandenkrieg ausbrechen könnte. Der letzte in den 1980er-Jahren kostete 29 Yakuza-Mitgliedern das Leben. Noch zählt die Yamaguchi-gumi insgesamt rund 23.000 Mitglieder. Es gibt gute Gründe, dass sie in Zukunft weniger werden. (Siegfried Knittel aus Tokio, 10.11.2015)

  • Mitglieder der Yakuza sind bekannt für ihre Tätowierungen.
    foto: afp photo/kazuhiro nogi

    Mitglieder der Yakuza sind bekannt für ihre Tätowierungen.

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