Energieagentur warnt vor Schattenseiten des niedrigen Ölpreises

10. November 2015, 14:05
19 Postings

Die IEA sieht die Gefahr eines Investitionsstaus und von zu starker Abhängigkeit von Produzenten im Nahen Osten

Wien – Der niedrige Ölpreis ist für die Autofahrer zwar so etwas wie Weihnachten und Ostern zusammen, könnte aber auch gefährliche Nebenwirkungen haben. Davor warnt die Internationale Energieagentur (IEA) in ihrem jährlichen Weltenergieausblick. Wenn der Ölpreis länger niedrig bleibe, würde die Welt Gefahr laufen, zu abhängig von Billigproduzenten zu werden. Damit sind vor allem die Länder des Nahen Ostens gemeint, in denen sich das Öl meist recht günstig fördern lässt.

Die Gewinnung von Schieferöl in den USA kostet hingegen deutlich mehr. Für viele Unternehmen rentiert sich die Förderung bei einem Ölpreis von 50 Dollar nicht mehr, weshalb Ausgaben und Arbeitsplätze bereits massiv zusammengestrichen wurden. Die Welt laufe mittelfristig Gefahr, wieder so abhängig vom Nahen Osten zu werden wie in den 1970er Jahren. Damals drehten die Scheichs den Ölhahn zu, der Preis explodierte, viele Industrieländer fielen in die Rezession.

Klimawandel als Gefahr

"Jetzt ist nicht die Zeit, sich auszuruhen", sagt IEA-Chef Fatih Birol. "Wir müssen uns auf künftige Gefahren für die Energiesicherheit der Welt vorbereiten." Der niedrige Ölpreis könnte auch zu Trägheit beim Kampf gegen den Klimawandel führen, schreibt die IEA im Bericht. Zwar könnten Erneuerbare die Kohle schon in 15 Jahren als wichtigste globale Energiequelle ablösen, noch steuere man aber auf eine globale Erwärmung von 2,7 Grad bis zum Jahr 2100 zu, was deutlich zu viel sei.

Die IEA geht aber davon aus, dass der Ölpreis in den kommenden Jahren wieder langsam steigt. Bis 2020 soll er 80 Dollar pro Barrell betragen. Die Agentur, die zur Industrieländer-Organisation OECD gehört, appeliert auch an Entwicklungsländer. Sie sollten die Zeit der niedrigen Ölpreise nutzen, um die oft teuren und ineffizienten Subventionen für Treibstoffe abzubauen. Indien und Indonesien hätten schon Schritte in die richtige Richtung gesetzt. (sat, 10.11.2015)

  • Artikelbild
    foto: apa/techt
Share if you care.