Körperverletzungsprozess: Messerfuchteln beim Burger King

11. November 2015, 11:18
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Zwei Bauarbeiter sollen nach einem Streit in der Warteschlange einen Kontrahenten verletzt und seine Verwandten danach bedroht haben

Wien – Indirekt war es eine Gleichenfeier, die dafür gesorgt hat, dass Christoph E. und Klaus M. vor Richterin Martina Hahn sitzen. Die beiden unbescholtenen Dachdecker haben dort nämlich Wein getrunken. "Ich bin nicht so der Weintrinker", sagt E., daher war er doch vielleicht illuminiert. "So, dass ma recht lustig waren", beschreibt es sein Kollege. Gut ein Promille war es laut Polizei.

Der Hunger kam, sie fuhren – zu einem gut besuchten Burger King. Wo es dann a) zu einer Körperverletzung, b) zu einer gefährlichen Drohung mit einem Klappmesser und c) zu einer Sachbeschädigung gekommen sein soll.

Erstangeklagter E. bekennt sich teilweise schuldig, wenngleich seine Erinnerung Lücken aufweist. "Wir sind hingekommen, da war eine Schlange. Zwei Herren sind daneben gestanden, wir haben uns angestellt", rekonstruiert er. "Der eine hat dann gesagt, wir sollen uns nicht vordrängen, dann ist es zum Streit und einer Schubserei gekommen."

Burger mit Jausenmesser geteilt

Er habe einen Faustschlag bekommen, er habe im Affekt mit einem Kopfstoß gegen die Nase darauf reagiert, dann sei die Situation aber eigentlich bereinigt gewesen. "Der andere hat dann gesagt, er ruft jetzt Kollegen an", schildert der 26-Jährige. Er ging mit den Kollegen in den Gastgarten und nutzte seinen ständigen Begleiter. "Ich habe keinen so großen Hunger gehabt, daher habe ich den Burger mit meinem Jausenmesser geteilt."

Plötzlich sei sein Kontrahent von vorher wieder da gewesen – begleitet von mehreren Personen. "Die haben von draußen immer mehr gepöbelt, ich bin dann aufgestanden und habe gesagt, sie sollen die Pappn halten." Sein Messer hatte er dabei auf Hüfthöhe in der Hand. "An das habe ich gar nicht gedacht, ich habe aber sicher nicht gedroht damit." Die Gegenseite sah das offenbar anders und rief die Polizei.

Sein Kollege M. beschreibt die Szene im Restaurant im Großen und Ganzen ähnlich, will das Opfer, das eine Prellung der Nase und des Jochbeins erlitt, aber nur weggeschubst und nicht geschlagen haben. Im Gastgarten habe er zunächst eigentlich nichts mitbekommen.

"Gefühlte 30, 40 Leute"

Erst als "gefühlte 30, 40 Leute vor dem Zaun gestanden sind und geschimpft haben", sei er aufmerksam geworden. Als schließlich jemand "Der hat ein Messer" rief, habe er sein eingestecktes Klappmesser vor Angst in einem Schirmständer versteckt.

Opfer Moustafa A. erzählt die Geschichte etwas anders. Wie auch auf einem Überwachungsvideo zu sehen, habe es zunächst die Diskussion in der Schlange gegeben. Er zog seinen Kontrahenten zurück, "dann hat mir der Herr einen Kopfstoß gegeben, dann habe ich mich gewehrt". Er habe auch noch einen Faustschlag gegen den Kopf erhalten, wisse aber nicht, von wem.

"Das war's auch eigentlich", sagt der 18-Jährige. War es damals für ihn offensichtlich nicht ganz, er rief nämlich seinen Bruder und seinen Schwager an und wartete vor dem Lokal auf die Verwandten.

"Mein Bruder ist dann in den Gastgarten gegangen, der Herr ist dort gesessen", schildert er. Im Zuge eines Wortgefechts habe der Erstangeklagte ein Messer gezogen und in den Tisch gerammt. "Dann ist er aufgestanden und hat herumgefuchtelt." Schließlich sei die Polizei gekommen.

"Soll ich dich abstechen?"

Sein Bruder Cihan erinnert sich ein wenig anders: Er habe in die Runde gefragt, wer seinen Bruder geschlagen habe, der Erstangeklagte sei daraufhin aufgestanden und habe das Messer, das bereits im Tisch steckte, herausgezogen und "Soll ich dich abstechen?" gefragt. Seine Frau wiederum will nur gesehen haben, dass E. das Messer ruhig nach oben gehalten hat.

Schwager Hüral C. ist etwas später dazugekommen und hat nur die Diskussion zwischen den Angeklagten und der hinter dem Zaun stehenden Gruppe beobachtet. "Asylanten, schleicht's eich ham!", sei gerufen worden.

In diesem Zusammenhang hat Zweitangeklagter M. eine Frage: "Was hättest du mit uns gemacht, wenn wir vor den Zaun gegangen wären?" – "Debattiert", antwortet der Zeuge. Hahn vertagt schließlich, um weitere Zeugen zu laden. (Michael Möseneder, 11.11.2015)

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