Satelliten-Plattform: HD Austria macht dem ORF Konkurrenz

11. November 2015, 08:26
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Nach Zank zwischen Betreiber M7 Group und ORF ebnete die KommAustria den Weg – Start im November mit Streaming- und Video-on-Demand Angeboten

Wien – Nach ORF und Sky drängt nun ein dritter Anbieter mit einem Zusatzangebot noch vehementer in den österreichischen Satelliten-TV-Markt. Im Laufe des Novembers startet HD Austria eine eigene TV-Plattform für hochauflösendes Fernsehen, die auf über zwei Millionen Satelliten-Haushalte in Österreich spitzt. Konsumenten haben dann die Wahl zwischen der HD Austria-Plattform und der ORF Digital-Plattform, die mittels ORF-Digital-SAT-Karte läuft. Bis jetzt konnte HD Austria nur über die ORF Digital-Sat-Karte und seit Juli 2012 via Satellit zusätzlich über die Sky Smartcard empfangen werden. Diese Angebote bleiben bestehen.

Je nach Paket variiert der Preis zwischen 7,90 Euro pro Monat und 14,90 Euro für 40 HD-Sender – von den HD-Sendern ORF 1, ORF 2 sowie den frei empfangbaren – etwa ARD, ZDF, Arte und 3sat – bis zu Puls 4 sowie deutschen Privaten wie den RTL-Sendern, ProSieben Austria, SAT.1 Österreich und kabel eins austria. Im teureren Produkt sind 15 zusätzliche Sender wie MTV, Hustler TV oder Eurosport 2 inkludiert. Nicht im Portfolio ist derzeit ATV. Mit dem Privatsender spießt es sich noch, wie Martijn van Hout, M7 Manager für Deutschland und Österreich, am Dienstag bei der Präsentation sagte. Die Verhandlungen seien noch nicht abgeschlossen.

Rechtsstreit beigelegt

Hinter HD Austria steht die M7 Group mit Sitz in Luxemburg mit bis jetzt nach eigenen Angaben 3,5 Millionen Kunden in Europa. Sie vermarktet HD-Programme deutscher Privatsender über Satellit gegen eine Zugangsgebühr. In Österreich hat das Unternehmen weitere zwei Millionen Kunden im Visier: So viele Satelliten-Haushalte gibt es derzeit. Laut Senderangaben verfügen 72 Prozent von ihnen über einen HD-Fernseher.

Dem Start ist ein längerer Rechtsstreit zwischen HD Austria und dem ORF vorausgegangen, der STANDARD berichtete. Im September konnte er schließlich über die KommAustria beigelegt werden. "Es gab große Widerstände im ORF", sagt Martijn van Hout, "sie wollten nicht, dass wir eine gemeinsame Plattform haben".

Der ORF stellt über seine Tochter ORS die technische Infrastruktur für die ORF-Sat-Karte. Die wesentliche Hürde sei die Zustimmung des ORF gewesen, um auch die öffentlich-rechtlichen Programme entschlüsselt empfangen zu können. Aufgrund der marktbeherrschenden Stellung sei das ein "Quasi-Monopol", kritisiert van Hout, das der ORF "verteidigen wollte".

Gerungen wurde beispielsweise neben finanziellen Punkten um Sendeplätze, erzählt van Hout. Private Kanäle sollten etwa erst ab Sendeplatz 100 gelistet werden. Nach allen ORF-Programmen, woraufhin HD Austria bei der Medienbehörde Beschwerde einreichte. Einige Forderungen musste HD Austria schlucken, etwa dass die ORF-Gebührentochter GIS Zugriff auf die Kundendaten habe. Das sei auch bei Sky der Fall.

Streaming-Inhalte

HD Austria setzt auf ein hybrides System: "Wir möchte lineares Fernsehen und Streaming verbinden", so van Hout – mit interaktive Funktionen wie Replay TV, Multiscreen- und Video-on-Demand-Services. Diese Streaming-Inhalte sollen in Kürze in einer Testversion der HD Austria NOW App für Konsumenten verfügbar sein. Asset ist ein elektronischer Programmführer. Videodienste wie Youtube sind nicht über eigene Apps verfügbar, derzeit liefen Verhandlungen mit einem anderen Anbieter. Um welchen es sich handelt, wollte van Hout nicht verraten.

Die neue HD-Austria-Plattform ist ein zusätzliches Angebot für österreichische Satelliten-Haushalte zum Empfang aller verschlüsselten Programme von HD Austria und ORF und wird parallel zur bestehenden Mitbenutzung der ORF-Digital-Plattform gestartet – HD-Austria-Programme können also auch weiterhin auf der ORF-Karte freigeschaltet werden.

Nur Streaming über die Plattform zu nutzen und auf lineare Programme zu verzichten, geht derzeit nicht. So könnten sich Kunden theoretisch die ORF-Gebühren sparen. Im Handel befinden sich zwei verschiedene Receiver mit den Micro-SAT-Karten. Sie kosten 69 bzw. 159 Euro.

Update: ORF kontert

Der ORF wehrt sich laut APA gegen Aussagen des Satellitenfernsehanbieters HD Austria, der auf seiner Österreich-Plattform neben privaten TV-Sendern in HD-Qualität auch ORF-Programme anbieten will, ohne dass die Kunden eine ORF-Karte brauchen. "Es gibt selbstverständlich kein 'ORF-Karten-Monopol', so der ORF am Dienstagabend in einer Aussendung. "In Österreich sind Pay-TV-Anbieter wie etwa Sky seit vielen Jahren präsent und verbreiten die Programme von mehr als 100 TV-Sendern."

Falsch sei auch, dass es für Hersteller von Fernsehern und Satelliten-Empfangsgeräten "zwingende Vorgaben" des ORF gebe – etwa eine Reihung privater HD-Sender an hinterster Stelle in der Sendeliste.

Laut ORF sind HD-Austria-Geräte nicht mit ORF Digital kompatibel. "Wer nach der 'Testphase' kein kostenpflichtiges HD-Austria-Abo abschließt, wird auf den vorderen, fix eingestellten und nicht veränderbaren Sendeplätzen in der Programmliste nur noch ein schwarzes Bild vorfinden", so der Sender. (omark, 10.11.2015, Update: APA, 11.11.2015)

  • HD Austria vermarktet HD-Programme deutscher Privatsender über Satellit gegen eine Zugangsgebühr. Im November startet HD Austria als eigene Plattform für Satellitenfernsehen. Der genaue Termin steht noch nicht fest.
    foto: hd austria

    HD Austria vermarktet HD-Programme deutscher Privatsender über Satellit gegen eine Zugangsgebühr. Im November startet HD Austria als eigene Plattform für Satellitenfernsehen. Der genaue Termin steht noch nicht fest.

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