DFB-Skandal bringt Beckenbauer in Bedrängnis

10. November 2015, 15:07
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Belastender Vertragsentwurf aus dem Jahr 2000 trägt des Kaisers Unterschrift, er lässt Stimmenkauf vermuten

Schwarze Hose, schwarze Stutzen, aber das Trikot ganz in Weiß ohne schwarz-rot-goldenen Ring in Brusthöhe. So sehen die neuen Trikots der deutschen Fußballnationalmannschaft aus, die gerade in Berlin präsentiert wurden. "Das Trikot steht damit auch dafür, wie wir die Mannschaft bei der EM in Frankreich erleben wollen: zielstrebig, gradlinig, effizient", sagte Teammanager Oliver Bierhoff, und so mancher zuckte bei "gradlinig" und dem vielen reinen Weiß ein bisserl zusammen.

Bauernopfer Niersbach?

Weil zum Deutschen Fußball-Bund (DFB) passen im Moment ja eher Grau in Grau. Wolfgang Niersbach ist am Montagabend nicht ganz unerwartet als DFB-Chef zurückgetreten. "Ich habe erkannt, dass der Punkt gekommen ist, die Verantwortung zu übernehmen für ein politisches Ereignis um die WM 2006. Das Amt des Präsidenten darf nicht beschädigt werden", sagte er zum Abschied und fügte an, dass er sich persönlich nichts vorzuwerfen habe. Nun wird viel getuschelt, dass Niersbach ja nur das Bauernopfer in der Affäre war, während der wahre Schuldige weiterhin beharrlich schweigt.

Am Dienstagnachmittag ließ der DFB selbst dann die Katze aus dem Sack und bestätigte, was zuvor schon Bild und Süddeutsche Zeitung berichtet hatten: Franz Beckenbauer, der Kaiser, der doppelte Fußballweltmeister und Chef des Organisationskomitees für die WM 2006, habe jenes Dokument unterschrieben, das im Zuge der Affäre um den WM-Zuschlag den versuchten Stimmenkauf nahelegt und den DFB damit schwer in Bedrängnis bringt.

Das erklärten die beiden Interimspräsidenten Rainer Koch und Reinhard Rauball und nannten auch Details: Als Vertragspartner habe der inzwischen lebenslang gesperrte Jack Warner aus Trinidad und Tobago, damals Präsident des Verbands für Nord- und Zentralamerika sowie der Karibik (Concacaf), unterzeichnet.

Rauball betonte, dass der Vertragsentwurf, datiert vier Tage vor der Vergabe der Endrunde 2006 Anfang Juli 2000, "die Vermutung" zulasse, dass bestochen werden sollte: "Das muss man, glaube ich, so werten, dass zumindest über diese Frage nachgedacht worden ist."

Tickets für Warner

Das Dokument, das im Zuge der internen Ermittlungen des DFB aufgetaucht war, sei "eine vertragliche Vereinbarung". Darin sind "diverse Leistungen" zugesagt worden, aber "keine direkten Geldleistungen von deutscher Seite". Laut Koch handelte es sich um "verschiedene sportliche Unterstützungsleistungen für die Concacaf und auch eine direkte Ticketzusage für diverse WM-Spiele an Jack Warner in Person".

Es gebe aber "keine Erkenntnis, ob die Vereinbarung vollzogen worden ist", sagte Koch. Zudem sei keine Aussage zulässig, "dass dieser Vertrag zu einem bestimmten Abstimmungsverhalten von Jack Warner geführt hat".

Die Verbände der Concacaf sollen ja auch geschlossen für Südafrika gestimmt haben.

Nun steigt der Druck auf Beckenbauer, endlich Licht ins Dunkel zu bringen. "Wir haben die Bitte, dass er sich intensiver einbringt in die Aufklärung der Vorgänge", sagte Koch in Richtung Beckenbauer. Der hatte zwar schon vor 14 Tagen gegenüber den DFB-Ermittlern ausgesagt. Aber offenbar nicht ausführlich genug.

Unklar ist noch, wer Niersbach nachfolgen wird. Eine Entscheidung soll noch vor der Europameisterschaft 2016 getroffen werden. Bierhoff hat schon einmal abgesagt. (Birgit Baumann, 10.11.2015)

Kopf des Tages: Franz Beckenbauer

  • Der letzte Kaiser.
    foto: apa/afp/pavani

    Der letzte Kaiser.

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