NSU-Prozess: Zschäpes Aussage verschoben

10. November 2015, 17:11
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Angeklagte will nach zweieinhalb Jahren des Schweigens aussagen und trennt sich von ihren bisherigen Anwälten

München – Die eigentlich für Mittwoch angekündigte Aussage der mutmaßlichen Neonazi-Terroristin Beate Zschäpe im NSU-Prozess wird verschoben. Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl unterbrach den Prozess bis kommenden Dienstag. Wann Zschäpe dann Gelegenheit zur Aussage bekommen wird, ließ Götzl zunächst offen.

Zschäpes neuer Anwalt Mathias Grasel hatte am Montag angekündigt, dass er am Mittwoch eine Erklärung der Hauptangeklagten verlesen will. Mit einer Aussage würde Zschäpe ihr mehr als zweieinhalbjähriges Schweigen brechen. Wann diese Aussage folgt, ist nun ungewiss.

Die drei ursprünglichen Pflichtverteidiger Zschäpes wollen von ihren Ämtern entbunden werden. Grund ist Zschäpes Ankündigung, erstmals aussagen zu wollen. Anwalt Wolfgang Heer kündigte vor dem Oberlandesgericht München am Dienstag einen entsprechenden Antrag an, erhielt aber zunächst nicht das Wort erteilt.

"Frau Zschäpe ist jetzt im Moment nicht ordnungsgemäß verteidigt", sagte Heer. Die Bestellung der Verteidiger müsse aufgehoben werden – diesen Antrag wolle er "jetzt einbringen". Richter Götzl blieb aber zunächst dabei, dass er zuvor einige Bekanntgaben machen wolle. Die Folge waren ein heftiger Schlagabtausch und eine kurzzeitige Unterbrechung der Verhandlung. Zudem stellten die Anwälte des Mitangeklagten Ralf Wohlleben einen Befangenheitsantrag gegen den gesamten Senat.

Schweigen brechen

Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm hatten erst am Montag aus Medienberichten erfahren, dass Zschäpes vierter Anwalt Grasel eine Erklärung Zschäpes verlesen will. Der Streit zwischen Zschäpe und den drei Anwälten tobt bereits seit Monaten. Zschäpe versuchte mehrfach vergeblich, die drei loszuwerden. Aber auch Heer, Stahl und Sturm scheiterten im Juli schon einmal mit einem Antrag, von ihren Pflichtmandaten entbunden zu werden.

Zschäpe ist in München als Mittäterin an allen Verbrechen des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) angeklagt. Dem NSU werden unter anderem neun Morde an Migranten und der Mord an einer Polizistin vorgeworfen. Zschäpe steht seit Mai 2013 vor Gericht. (APA, 10.11.2015)

  • Zschäpe von hinten.
    foto: reuters / michael dalder

    Zschäpe von hinten.

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