Funkhaus-Demo gegen "geistesgestörte Entscheidung"

10. November 2015, 09:05
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Radiomitarbeiter und Kulturschaffende protestierten gegen Übersiedlungspläne

Wien – Montagabend ging der Protest gegen den Verkauf des Funkhauses in die nächste Runde: Vor dem moderat gefüllten Funkhaus versammelten sich Demonstranten zum "Radiomeer". Die ORF-Geschäftsführung plant die Zusammenführung aller Sendereinheiten am zentralen Standort Küniglberg im 13. Wiener Gemeindebezirk. Mitarbeiter von Ö1, FM4 und Radio Wien im traditionsreichen Haus in der Wieden und Kunstschaffende laufen dagegen Sturm. Am 11. November läuft die Anbotsfrist für die Liegenschaft ab.

Der Schriftsteller Robert Menasse ließ sich an eine Eingangstür Ketten anlegen, "symbolisch", wie er meinte. Sollte die Geschäftsführung Ernst machen mit "dieser geistesgestörten Entscheidung", blieben er und "wechselnde Kulturschaffende" auf Dauer.

"Glaube der Geschäftsführung kein Wort"

Der Schauspieler Erwin Steinhauer zeigte sich "emotional stark betroffen". Er könne sich nicht vorstellen, dass nach einer Übersiedlung die Senderidentität gewahrt bleibe: "Ich glaube der Geschäftsführung kein Wort", sagte Steinhauer. "Diese ganz spezielle Atmosphäre ist nicht zu transferieren."

Die Schriftstellerin Marlene Streeruwitz lud zur "Fürbitte" ein: Sie verlas die Namen der 35 Stiftsräte einzeln, die Demonstranten antworteten wiederholt mit dem Satz: "Hallo, was hast du dir dabei gedacht?"

Geschäftsführung "mit nassen Fetzen aus der Stadt gejagt"

Der Musiker Willi Restarits forderte einen "Aktionsplan", Schauspieler und Radiosprecher Wolfram Berger performte Karl Valentin, Radiomitarbeiter bildeten eine Satzkette. Gerhard Ruiss von der IG Autoren und der Initiative "Radio muss im Funkhaus bleiben!" las einen Brief vor, den er an ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz geschrieben hatte: "Wir haben nicht vor, uns das gefallen zu lassen." Der Schriftsteller Franzobel schickte eine Grußbotschaft: Die Geschäftsführung, die das Funkhaus verkaufen wolle, "gehört mit nassen Fetzen aus der Stadt gejagt."

Daneben wurde getanzt und musiziert und über eine Radio-App die Sendung "Spielräume" öffentlich übertragen, in der Mitarbeiter vom Studio aus ihren Protest gegen die Übersiedlungspläne ausdrückten.

Weitere Redner waren unter anderen der Musiker Ernst Molden, Viennale-Direktor Hans Hurch, Schriftstellerin Lydia Mischkulnig, Johannes Stritzl, Initiator der Petition "Rettet das Funkhaus". (prie, 10.11.2015)

  • Schriftsteller Robert Menasse kettet sich am Montag vor dem Funkhaus an.
    foto: apa / georg hochmuth

    Schriftsteller Robert Menasse kettet sich am Montag vor dem Funkhaus an.

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