Dopingskandal in der Leichtathletik: Primat der Politik

Kommentar9. November 2015, 17:55
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Russische Leichtathleten sollen suspendiert werden

Die Kultur der Korruption im Weltfußballverband Fifa ist nicht von schlechten Eltern. Gegen die Vorgänge in der Leichtathletik nimmt sie sich eher wie ein Kindergeburtstag aus. Aktuell legt eine Kommission der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada dem Weltverband IAAF den Ausschluss des russischen Verbandes nahe. Zudem solle das Internationale Olympische Komitee russische Leichtathleten suspendieren. Das wäre etwa so, als sähe sich die Fifa Forderungen gegenüber, Deutschland auszuschließen und deutsche Spieler am Klubfußball zu hindern.

Russische Leichtathleten haben seit 1992 rund 230 Medaillen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen geholt. Besser schnitten in diesem Zeitraum nur die USA ab. Allerdings scheint jetzt festzustehen, dass etliche dieser Medaillen nur geholt werden konnten, weil russische Funktionäre nicht nur flächendeckendes Doping förderten und deckten, sondern auch anordneten – und bei positiven Dopingtests betroffene Athleten bei korrupten IAAF-Funktionären freikauften. Dies sei alles mit Wissen hoher Regierungs- und Geheimdienstkreise geschehen.

Dass die IAAF den Forderungen der Wada-Leute neun Monate vor Olympia in Rio nähertritt, ist undenkbar. Ebenso undenkbar wäre es, dass die Fifa Russland die Fußball-WM 2018 wegnähme, ließe sich Korruption nachweisen. Da wird nämlich der Primat der Politik schlagend. Sport-Fan Wladimir Putin nähme das eher nicht sportlich.
(Sigi Lützow, 9.11.2015)

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