Wiener Forscher kategorisierten Funktionen von Transkriptionsfaktoren

14. November 2015, 17:58
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IMP-Studie in "Nature" unterteilt Transkriptionsfaktoren in funktionelle Gruppen

Wien – Wenn in lebenden Zellen bestimmte Gene abgelesen werden sollen, wird dies meist durch festgelegte Kombinationen von speziellen Eiweißstoffen (Transkriptions- und Kofaktoren) in Gang gebracht. Indem sie einzelne davon quasi von ihrem Arbeitsplatz abzogen und dafür andere aushelfen ließen, konnten Wiener Forscher diese nun nach Funktion kategorisieren. Die Studie erschien aktuell im Fachblatt "Nature".

"Wollte ein Genetiker ein kompliziertes Gerät wie ein Auto verstehen, würde er vermutlich einzelne Teile abschrauben und untersuchen, ob es dann noch fährt", sagte Alexander Stark vom Institut für Molekulare Pathologie (IMP). Denn in der genetischen Forschung schaltet man häufig gezielt einzelne Gene aus, um Rückschlüsse auf ihre (nun fehlende) Funktion zu erhalten. Stark und Kollegen wählten nun einen etwas anderen Ansatz. "Wir versuchen die Funktion der einzelnen Teile zu verstehen, indem wir sie jeweils quasi abnehmen und alternative Dinge anbringen", sagte er.

Molekulare Pannenhilfe

Genauso wie man etwa ein radloses Auto wieder zum Fahren bringen könnte, wenn man irgendein anderes Rad auf die Achse schraubt, könnten in den Zellen ähnliche Transkriptionsfaktoren den Ausfall eines anderen zumindest teilweise ersetzen, erklärte er. Dies habe man systematisch mit 474 Transkriptionsfaktoren in 24 unterschiedlichen Kombinationen von Genverstärkern gemacht. Dies sind sozusagen die Arbeitsplätze der Transkriptionsfaktoren auf dem Erbgut.

Damit habe man sie in funktionelle Gruppen einteilen können, etwa so, wie wenn man bei einem Auto Räder, Motoren, oder Scheinwerfer kategorisieren würde. Das gelang den Forschern auch mit Kofaktoren, die Transkriptionsfaktoren unterstützen.

Dadurch, dass die Transkriptions- und Kofaktoren in definierten Kombinationen an den jeweiligen Genverstärkern binden, könnten die Gen-Aktivitäten gut kontrolliert werden und verschiedene Zellen unterschiedliche Aufgaben ausführen, erklärte Stark. Funktioniert die Kontrolle nicht einwandfrei, entstehen Krankheiten wie zum Beispiel Krebs. "Aktuell werden auch Kofaktoren vermehrt pharmazeutisch gehemmt, um therapeutisch in die Genregulation einzugreifen", so der Forscher. (APA, 14.11.2015)

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