Kritik begleitet Eröffnung von Grazer Holocaustmuseum

9. November 2015, 17:05
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Graz – Die Eröffnung des "ersten Holocaust- und Toleranzzentrums Österreichs" in der Grazer Synagoge wurde am Montag auch von kritischen Tönen aus der jüdischen Community in Graz begleitet. Wie der Standard berichtete, kam es 2013 nach der Fusionierung der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) für Steiermark, Kärnten und das Burgenland, die ihren Sitz in Graz hatte, mit der IKG für Wien und Niederösterreich zu Unstimmigkeiten. Nicht alle Mitglieder der alten IKG Graz wurden in den neu gegründeten Israelitischen Kultusverein (IKV) Graz, dessen Präsidentin Ruth Kaufmann wurde, aufgenommen.

Wunsch nach neutralem Ort

Einige jüdische Familien fühlen sich seither ausgeschlossen aus der Synagoge, die wie der jüdische Friedhof nur noch nach vorheriger Anmeldung besucht werden kann. Karen Engel, einst jahrelang Kultusrätin, heute Sprecherin des jüdischen Forums in Graz, kritisierte am Montag, es sei "bedenklich, dass man hier den Holocaust mit dem Judentum gleichsetzt. Wir hätten uns einen neutralen Ort für ein Museum gewünscht." Zudem habe der "Holocaust auch andere Gruppen betroffen, nicht nur die Juden, auch wenn sie die größte Gruppe waren".

Engel findet es auch "lächerlich, eine kleine Ausstellung zu einem Museum aufzublasen, und absurd, dass man sich Wochen vorher anmelden muss, um es überhaupt besuchen zu dürfen". In der Ausstellung, die auch für Schulen geöffnet werden soll, werden die Lebensgeschichten von zwei Grazer Jugendlichen erzählt: jene der Adele Kurzweil, die im KZ ermordet wurde, und jene von Bert Kaufmann, Ruth Kaufmanns Vater, der überlebte. (cms, 10.11.2015)

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