Fusionen und Zukäufe: Umpflügen in der Saatgutbranche

9. November 2015, 11:10
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Die Erträge von Monsanto & Co sind so stark erodiert, dass Fusionen und Zukäufe als unumgänglich gelten

Gut zwei Wochen ist der Interimschef des US-Chemieriesen Du Pont, Ed Breen, im Amt, und muss sich schon einer großen Herausforderung stellen, nämlich die Konsolidierung der Branche für Agrochemie und Saatgut voranzutreiben. Laut Insidern verhandelt Breen bereits mit dem Schweizer Branchenriesen Syngenta über eine Zusammenlegung der Agrargeschäfte. Parallel befindet sich sein Konzern demnach auch in Gesprächen mit Dow Chemical, das einen Verkauf seiner Dünger- und Pestizidsparte auslotet.

Branchenkenner rechnen nun mit einer Konsolidierungswelle der Branche, die von sechs großen Playern – neben den drei genannten gehören dazu der US-Konzern Monsanto sowie die deutschen Vertreter BASF und Bayer – dominiert wird, die für rund 70 Prozent des Marktes stehen. Das New Yorker Analysehaus Sanford C. Bernstein rechnet damit, dass in wenigen Jahren nur noch vier davon den Markt beherrschen werden. Ursache für die aktuellen Fusionsbestrebungen sind die stark gesunkenen Preise für Agrarrohstoffe, welche die Erträge dieser bisher hochprofitablen Branche stark unter Druck gesetzt haben.

Gescheiterte Übernahme

Eingeläutet hatte die Konsolidierungswelle der Branchenprimus Monsanto heuer mit dem Griff nach dem Agrochemiekonzern Syngenta, zog aber die umgerechnet fast 44 Milliarden Euro schweren Übernahmeofferte im August nach heftigen Widerstand des Mitbewerbers wieder zurück. Doch der Preis der Selbstständigkeit war für die Baseler ein hoher, eigenständig wird Syngenta an der Börse nämlich nur mit knapp 30 Milliarden Euro bewertet. Daraufhin hatte eine Gruppe von unzufriedenen Aktionären in einem offenen Brief vom Verwaltungsrat eine umfassende strategische Überprüfung gefordert und kritisiert, dass das Management in den letzten Jahren "mehrere Chancen zur Verbesserung der Wertschöpfung" verpasst hätte. Kurz darauf musste Konzernchef Mike Mack seinen Hut nehmen.

So kommt es, dass sich Du-Pont-Chef Breen ganz entgegen seinen früheren Gepflogenheiten mit Zukäufen und Fusionen befassen muss. Zuvor war er nämlich dafür bekannt, Konzerne zu zerteilen und filetieren, wie er es an der Spitze des Mischkonzerns Tyco International getan hatte.

Dazu befindet sich auch Monsanto nach eigenem Bekunden weiterhin auf Brautschau und die zwei deutschen Konzerne haben ebenfalls ihre Bereitschaft für Zukäufe oder Zusammenschlüsse durchsickern lassen. Schließlich geht es um einen sehr großen Kuchen, den es zu verteilen gilt. Laut einer vom Analysehaus Markets and Markets publizierten Studie soll der Gesamtmarkt für Agrochemie von 207 Milliarden Dollar im Vorjahr bis 2020 auf mehr als 250 Milliarden anwachsen. "Jeder spricht derzeit mit jedem", fasst Dow-Chemicals-Chef Andrew Liveris zusammen.

Kartellrechtliche Hürden

Ein gewichtiges Wörtchen mitzureden haben in diesem Prozess aber auch die Wettbewerbshüter. Im Fall eines Zusammenschlusses von Du Pont und Syngenta dürften im Saatgutgeschäft die großen Überschneidungen eine erhebliche kartellrechtliche Hürde darstellen. Schließlich sind die Konzerne als Erzeuger von Saatgut und Agrarchemie hinsichtlich der Grundversorgung mit Futter- und Nahrungsmitteln ohnedies in einem sehr sensiblen Wirtschaftsbereich tätig. (Alexander Hahn, 9.11.2015)

  • In der ohnedies stark konzentrierten Branche für Agrochemie und Saatgut steht eine weitere Flurbereinigung an. Experten erwarten, dass der Markt künftig von vier Konzernriesen dominiert wird.
    foto: thomas warnack

    In der ohnedies stark konzentrierten Branche für Agrochemie und Saatgut steht eine weitere Flurbereinigung an. Experten erwarten, dass der Markt künftig von vier Konzernriesen dominiert wird.

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