Kraftwerkssprengung in Voitsberg gelang nicht ganz

9. November 2015, 12:34
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Nur zwei von drei Gebäudeteilen wie vorgesehen zerstört: Stahlträger wurden nicht durchtrennt, das Kesselhaus steht trotz bester Sprengsätze noch

Voitsberg/Wien – Nicht ganz wie geplant ist am Sonntag die Sprengung des Kohle-Dampfkraftwerks Voitsberg abgelaufen. Zwei Teile der Anlage, Stiegenhausturm und Mittelbau, wurden wie geplant gesprengt. Beim Kesselhaus ging offensichtlich etwas schief. "Ein Teil steht noch. Wir müssen jetzt versuchen herauszufinden, woran das liegt", sagte Porr-Konzernsprecherin Sandra Bauer.

Das Kohle-Dampfkraftwerk sollte am Sonntag mit 666 Kilogramm Sprengstoff endgültig zu einem Teil der Geschichte werden. Mit 1.760 Einzelsprengungen sollten innerhalb weniger Sekunden die drei Bauten zum Umstürzen gebracht werden. Wie es nun weitergeht, war zunächst offen.

Missglückte Sprengung

"Die Sprengung wurde von Experten des Bundesheers nach bestem Wissen und Gewissen vorbereitet. Es wurden die besten am Markt erhältlichen Zünder und der beste Sprengstoff verwendet", sagte Christian Fiedler, Sprecher des Militärkommandos Steiermark.

Das Bundesheer stellte am späten Sonntagnachmittag erste Untersuchungen an, warum das Kesselhaus nach der Sprengung nicht kollabiert ist. Demnach wurden einige Stahlträger nicht durchtrennt, hieß es nach einer ersten Besichtigung durch Projektleiter, Sprengtechniker und Statiker.

Betreten lebensgefährlich

"Ein Betreten des Gebäudes ist derzeit lebensgefährlich, weshalb morgen mittels technischer Aufstiegshilfen die Begutachtung durchgeführt wird", hieß es in einer Aussendung des Militärkommandos am Sonntag. Für die Bevölkerung bestehe keine Gefahr, alle Sprengladungen seien detoniert.

Wegen der Sprengung war das Gelände im Umkreis von 300 Metern von Polizei und Bundesheer abgeriegelt worden, mehrere Straßen und Verkehrswege waren gesperrt. Der 180 Meter hohe Schlot war schon Anfang August von Roboterbaggern zum kontrollierten Umstürzen gebracht worden.

Porr und Heer planen Neustart

Die neue Planung einer Sprengung dürfte mindestens drei Wochen dauern. Die Porr AG habe schon am Sonntag die weitere Zusammenarbeit mit den Heeressprengstoffexperten bekräftigt, sagte Militärkommando-Sprecher Fiedler. Man stehe nun aber vor einem Neustart, alles müsse neu berechnet werden.

Seit Montag, 8 Uhr waren Drohnen beim Kesselhaus in der Luft, um zu erkunden, welche Bereiche die Experten betreten können. Zusätzlich wurden die Fachleute in Teleskophebekörben außen am Gebäude hochgebracht, um festzustellen, warum die Sprengsätze nicht die erwünschte Wirkung erzielten.

"Wir müssen nun ein neues statisches Gutachten erstellen", sagte Fiedler. Darin würden die entstandenen massiven Verformungen eingerechnet. Durch die weitere Schwächung der Statik sei die konzeptionelle Planung wieder komplett neu aufzustellen. Gewissheit gibt es hingegen darüber, dass alle platzierten Sprengpakete detoniert sind. Von Anrainerm wahrgenommener Lärm komme von großen Teilen, die in den Stunden nach der Sprengung hinunterfielen, nicht von angeblich verspäteten Zündungen.

Ungewissheit herrsche noch über die Frage, wer die Kosten trage. Die Verträge zwischen dem Bundesheer und der Porr würden erst geprüft. Fix sei aber: "Was wir begonnen haben, bringen wir auch gemeinsam zu Ende", so Fiedler.

Berufsgruppe fordert Ausschreibung für Private

Indessen wurde am Montag Kritik aus den Reihen der steirischen Sprengungsunternehmen laut: "Das Bundesheer kann vieles sehr gut. Aber in diesem Fall hätte man echte Sprengprofis ans Werk gehen lassen müssen", teilte Wirtschaftskammer-Berufsgruppensprecher Richard Isele mit. Der Fehler liege in der Abwicklung: "Das Gebäude wäre mit mehreren Teilsprengungen anstelle einer Sprengung sicher eingestürzt." Er fordert nun eine Ausschreibung an den Bestbieter.

Das Kraftwerk, dessen Block 1 seit 1948 in Betrieb war und dessen letzter produzierter Strom 2006 aus Block 3 floss, war prägend für die Region und von Weitem sichtbar. Nachdem die Reste der Sprengung beseitigt sind, will die Porr das rund 250.000 Quadratmeter große Areal rekultivieren. Die Gemeinde als Käufer erwartet eine grüne Wiese, auf der in Zukunft Gewerbe und Industrie Platz finden sollen. (APA, 8.11.2015)

  • Das Kraftwerk Voitsberg sollte am Sonntag gesprengt werden. Nur ein Teil stürzte ein.
    apa/scheriau

    Das Kraftwerk Voitsberg sollte am Sonntag gesprengt werden. Nur ein Teil stürzte ein.

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