Lufthansa will Streik von Gerichten verbieten lassen

10. November 2015, 13:15
425 Postings

Die Lufthansa-Flugbegleiter streiken bis Freitag nonstop, die Lufthansa will vor Gericht ein Verbot erreichen

Frankfurt/Mörfelden – Auch ein nachgebessertes Lufthansa-Angebot hat die Flugbegleiter nicht von ihrem Rekord-Streik abbringen können. Bis Freitag wollen sie komplett streiken. Ab Mittwochfrüh, 04.00 Uhr, bis Freitag, 24.00 Uhr, wollen sie die gesamte Flotte an den Standorten Frankfurt, Düsseldorf und München lahmlegen, wie die deutsche Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo heute, Dienstag, mitteilte.

Die Lufthansa will den laufenden Streik von Gerichten verbieten lassen. Das Unternehmen habe bei den Arbeitsgerichten Düsseldorf und Darmstadt einstweilige Verfügungen gegen den laufenden Ausstand der deutschen Flugbegleitergewerkschaft Ufo beantragt, sagte ein Lufthansa- Sprecher am Dienstag zu Reuters.

Die Stewards und Stewardessen setzten indes auch am Dienstag in Frankfurt, München und Düsseldorf wie geplant ihren Arbeitskampf fort und ließen 126 Interkontinentalflüge ausfallen. Auch zehn Europa-Verbindungen wurden gestrichen, wie Lufthansa in Frankfurt berichtete. Im Vergleich zum Vortag, als fast 1.000 Flieger ausfielen, war das aber ein deutlich reduziertes Streikprogramm.

Um den seit Freitag laufenden Ausstand so schnell wie möglich zu beenden, habe man das Angebot der Einmalzahlung beim Gehalt um 1.000 auf 3.000 Euro erhöht, berichteten die Lufthansa-Vorstände Bettina Volkens und Karl Ulrich Garnadt am Montag nach einer Krisensitzung der Konzernführung.

Auch sollen die Flugbegleiter wieder ab 55 mit den bisherigen Leistungen in den Vorruhestand gehen können, und nicht wie bisher vorgeschlagen ab 56. Neuen Flugbegleitern wolle man eine Altersversorgung auf dem Niveau anderer DAX-Konzerne bieten. Garnadt wies darauf hin, dass bei steigenden Kosten Strecken auf umkämpften Märkten überprüft werden müssten.

Gewerkschaft lehnt ab

"Das Angebot bringt minimale Verbesserungen und wird dazu noch mit einer Drohung verbunden. So funktioniert das nicht", sagte der Chef der Gewerkschaft Ufo, Nicoley Baublies, in einer ersten Reaktion. Man werde den Streikaufruf für Dienstag deswegen nicht verändern. Gesprächen wolle man sich aber nicht verschließen. Die Gewerkschaft hat angekündigt, den Streik noch bis einschließlich Freitag dieser Woche fortzusetzen.

Nach einem flächendeckenden Streik der Flugbegleiter für alle Flugzeugtypen am Montag hat die Gewerkschaft Ufo für diesen Dienstag zu einem etwas abgeschwächten Arbeitskampf aufgerufen. An den zentralen Drehscheiben München und Frankfurt sollen nur die Langstreckenflieger bestreikt werden. In Düsseldorf bleibt es wie in den Tagen zuvor dabei, dass der Arbeitskampf auch Kurz- und Mittelstrecken einschließt.

Am Dienstag könnten nahezu alle geplanten innerdeutschen und innereuropäischen Flüge stattfinden, teilte das Unternehmen mit. Stattfindende Langstreckenflüge sollten am Abend auf der Konzern-Webseite veröffentlicht werden.

Ufo-Chef Baublies hielt der Unternehmensleitung "Angstschürerei" vor, die nur zu einer noch entschlosseneren Haltung des Personals führe. "Ich habe den Eindruck, der Bogen der Angstmacherei wurde überspannt und könnte jetzt in Wut umschlagen."

München erstmals bestreikt

Am Montag wurde neben Frankfurt und Düsseldorf erstmals auch das zweitgrößte Drehkreuz München bestreikt, das zunächst noch wegen des Schulferienendes geschont worden war. Dort demonstrierten am Abend Stewards und Stewardessen. Lufthansa hatte nach eigenen Angaben für Montag 929 Flüge abgesagt, wovon rund 113.000 Passagiere betroffen seien. Das ist gut die Hälfte des normalen Flugprogramms der Kerngesellschaft Lufthansa. Von und nach Österreich waren am Montag 24 Flüge betroffen. Seit Streikbeginn am Freitag addierte sich die Zahl der ausgefallenen Lufthansa-Flüge bereits auf mehr als 1.700 mit knapp 210.000 betroffenen Passagieren.

Lufthansa hat in Deutschland nur in Frankfurt, München und Düsseldorf Crews stationiert, sodass erstmals ein Vollstreik erreicht wurde. Bei Starts aus dem Ausland dürfen die Flugbegleiter nicht streiken. "Von den Flügen, die wir bestreiken können, fallen nach unserem Eindruck fast alle aus", meinte Baublies.

Das Unternehmen nennt hingegen als Bezugsgröße für das Ausmaß des Streiks stets die Zahl von 3000 täglichen Flügen in der Lufthansa-Gruppe, von denen am Montag noch rund zwei Drittel stattfinden konnten. Flüge der Group Airlines Air Dolomiti, Austrian Airlines, Brussels Airlines, Eurowings, Germanwings, Lufthansa CityLine und Swiss sind vom Streik bei der Kerngesellschaft nicht betroffen. Sie führen auch ihre Flüge von und nach Frankfurt, Düsseldorf und München wie gewohnt durch, teilweise mit Lufthansa-Flugnummern. Die Lufthansa-Mutter fliegt täglich etwa 1.800 Verbindungen.

Die Tarifverhandlungen für die Stewardessen und Stewards der Lufthansa ziehen sich bereits seit zwei Jahren hin. Strittig sind vor allem die komplexen Regelungen zu Betriebs- und Übergangsrenten von rund 19.000 Flugbegleitern. Die Piloten der Lufthansa haben zuvor schon 13 Mal gestreikt. Auch bei ihnen geht es unter anderem um die Übergangsrenten.

An den Umbuchungsschaltern bildeten sich beispielsweise in Frankfurt lange Schlangen. In der Nacht zum Montag mussten im Terminal rund 50 Passagiere übernachten, wie die Flughafengesellschaft mitteilte. Tagsüber blieb es am größten deutschen Flughafen sehr ruhig. Von 1.256 geplanten Flügen wurden 654 annulliert. Konkurrent Air Berlin bot wegen der Ausfälle 6 zusätzliche Flüge von Berlin nach Frankfurt und München an. Man werde das auch für die kommende Tage prüfen, erklärte eine Sprecherin. (APA, 9.11.2015)

Share if you care.