GPA-Chef Katzian will 1.700 Euro Mindestlohn

7. November 2015, 11:28
152 Postings

Privatangestellten-Gewerkschaft weist Zeitvorgaben an Sozialpartner zurück

Wien – Die Privatangestellten-Gewerkschaft wird in den kommenden Jahren ihren Fokus auf eine Erhöhung der Gehälter sowie auf eine Entschärfung der Situation am Arbeitsmarkt, auch mittels Arbeitszeit-Verkürzung richten. Das macht GPA-Chef Wolfgang Katzian im APA-Interview anlässlich des bevorstehenden GPA-Bundesforums klar. Vorgaben der Regierung an die Sozialpartner weist er zurück.

Der Gewerkschaftstag der größten Einzelgewerkschaft GPA-djp geht kommende Woche im Wiener Austria Center in Szene. Katzian hat sich dabei für seine dritte Funktionsperiode einiges vorgenommen, beispielsweise eine deutliche Anhebung der Einkommen. Erst 2009 sei der Mindestlohn von 1.000 Euro in Kraft getreten und jetzt sei man schon bei 1.300 Euro angelangt. Insofern sei es "sehr realistisch", in den kommenden fünf Jahren ("je früher, desto besser") auf 1.700 Euro zu kommen.

Zweiter Schwerpunkt ist die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Realistisch geht Katzian davon aus, dass die Wachstumsraten in den kommenden Jahren nicht ausreichen werden, um ein weiteres Ansteigen zu verhindern. Daher brauche es diverse Ansätze um gegenzusteuern, wobei er dabei auch auf die Kaufkraftstärkung durch Steuerreform und höhere Löhne setzt.

Arbeit anders verteilen

Dazu plädiert der GPA-Chef dafür, Zukunftsinvestitionen aus den strengen Defizitregeln herauszurechnen. Wenn all das nichts nütze, müsse man sich auch die Arbeitszeit ansehen. Der Zustand, "dass ein Teil so viel hackelt, dass er sich halb umbringt und eine andere Gruppe gar keine Arbeit hat", müsse derart geändert werden, dass die Arbeit anders verteilt wird. Dies gehe von der – gerade bei den Metallern vereinbarten – Freizeitoption (statt Lohnerhöhung) über Maßnahmen zum Überstunden-Abbau bis hin zur Tagearbeitszeit-Verkürzung.

Unbedingt Thema ist für Katzian die Vier-Tage-Woche, wobei er sich in diesem Zusammenhang neben einer Arbeitszeit-Verkürzung auch flexiblere Arbeitszeit-Modelle vorstellen kann. Positiv stimmt ihn, dass sich bereits drei Betriebe bereit erklärt hätten, hier Modelle durchrechnen zu wollen.

Dass sich die Dienstgeber deswegen eine weitere Senkung der Lohnnebenkosten erwarten könnten, sieht der GPA-Chef nicht so: "Das war es einmal für den Moment", meint Katzian zu den zuletzt versprochenen Reduktionen der Beiträge zum Familienlastenausgleichs- und Insolvenzfonds. Darüber hinaus könne er sich keinen weiteren Schritt vorstellen.

Schlechte Stimmung in der Sozialpartnerschaft

Überhaupt gesteht Katzian durchaus zu, dass die Stimmung in der Sozialpartnerschaft schon einmal eine deutlich bessere war. Das Verhältnis sei "extrem schwieriger" geworden. Ohne die Wirtschaftskammer direkt zu adressieren ärgert sich der GPA-Vorsitzende darüber, dass derzeit ständig bei allen Vorschlägen Nein gesagt werde, nur weil sich die kleinen und mittleren Unternehmen über die Begleitmaßnahmen zur Steuerreform ärgerten: "Ich sehe nicht ein, wieso dafür die Arbeitnehmer die Krot fressen sollen." Denn es hätte ja auch andere Modelle zur Gegenfinanzierung der Steuerentlastung gegeben, erinnerte Katzian an Vorschläge wie Erbschafts- und Vermögenssteuer.

Trotz des angespannten Verhältnisses in der Sozialpartnerschaft wendet sich der GPA-Chef vehement gegen deren Entmachtung. Ein Vorschlag von Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP), der z.B. auch von SPÖ-Klubchef Andreas Schieder mit Sympathie betrachtet wurde, wonach den Sozialpartnern eine Frist zur Bewältigung ihrer Aufgaben gesetzt werden sollte, weist Katzian brüsk zurück. "Ganz sicher nicht" werde man sich Fristen setzen lassen: "Man wird uns die Zeit geben müssen, die wir brauchen, um etwas Gescheites herauszubringen."

Wenn solche Verhandlungen scheitern und die Regierung selbstständig Maßnahmen in Bewegung setzt, die den Vorstelllungen der Gewerkschaft widersprechen, ist auch in Zukunft mit Widerstand zu rechnen. Dann wird es "konfliktorischer" werden: "Dass wir das können, haben wir mehrfach bewiesen."

Schlecht kommunizierte Steuerreform

An sich empfiehlt Katzian der Regierung, sich bei den anstehenden Reformvorhaben gut zu überlegen, wie sie mit denen umgehe: "Sonst wird es für beide Parteien bei der nächsten Nationalratswahl sehr, sehr eng." So dürfe es nicht mehr passieren, dass ein Meilenstein wie die Steuerreform so schlecht kommuniziert werde, wie dies geschehen sei.

Mit der eigenen Partei ist Katzian ganz zufrieden, findet man doch Gehör: "Wir werden als Gewerkschaften gut behandelt und daher glaube ich, dass das Verhältnis zwischen dem sozialdemokratischen Regierungsteil und den sozialdemokratischen Gewerkschaften prinzipiell ein gutes ist." So besteht der GPA-Chef dann auch darauf, dass für den Fall eines Rückzugs von Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) für eine Präsidentschaftskandidatur das Amt wieder an einen Vertreter der Gewerkschaft geht. Für sich selbst schließt Katzian einen Wechsel in die Regierung freilich aus. (APA, 7.11.2015)

Share if you care.