Boeing 737: Die Rache der Transaero

6. November 2015, 17:50
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Das Luftfahrtkomitee entzieht der Boeing 737 in Russland die Sicherheitszertifikate: Den Fluggenehmigungen für alle 194 Boeing 737 in russischem Betrieb droht die Streichung

Moskau – Paukenschlag aus dem zwischenstaatlichen Luftfahrtkomitee der GUS (MAK): Die Behörde hat die Sicherheitszertifikate der von russischen Unternehmen genutzten Boeing 737 eingezogen und zugleich die russische Luftfahrtbehörde Rosaviazija kritisiert, "20 Millionen Passagiere erheblichen Risiken ausgesetzt" zu haben.

Offizieller Anlass ist der Absturz einer Boeing 737 der Fluggesellschaft "Tatarstan", die im Jahr 2013 beim Landeanflug auf Kasan verunglückte. Rosaviazija hatte – im Gegensatz zu einer internationalen Untersuchung – als mögliche Ursache einen Defekt des Höhenruders ausgemacht. Dies habe allerdings weder Sicherheitsauflagen noch Einschränkungen im Flugbetrieb nach sich gezogen, kritisierte das MAK.

Der Entzug der Sicherheitszertifikate ist quasi die Aufforderung an die Luftfahrtbehörde, die Fluggenehmigungen für alle 194 Boeing 737 in russischem Betrieb zu streichen. Die Folgen für die russische Luftfahrt wären katastrophal. Beim Branchenprimus Aeroflot, der zwölf solcher Flugzeuge in seinem Fuhrpark hat, wird der Schritt als Revanche für die jüngste Pleite der Airline Transaero gewertet. "Die Top-Manager können die Entscheidung als nichts anderes, denn als Rache von Seiten der Pleschtschakows bewerten", sagte ein Konzernsprecher gegenüber der Zeitung "Wedomosti".

Pleite mit Hindernissen

Alexander und Olga Pleschtschakowa sind die Hauptaktionäre von Transaero. Die zweitgrößte russische Airline musste Konkurs anmelden, nachdem mehrere Rettungsversuche scheiterten. So verhinderte die russische Flugaufsicht die Übernahme Transaeros durch den Konkurrenten S7, indem sie kurzerhand alle Transaero-Lizenzen einkassierte.

Die Pleschtschakows sind derweil ausgereist. Nur Alexanders Mutter Tatjana Anodina ist noch im Land – und leitet seit 1991 das MAK. Die Vermutung, dass die Entscheidung des MAK ein gezielter Hieb gegen das russische Luftfahrtamt ist, liegt daher nahe. Rosaviazija hat die Attacke inzwischen mit dem Verweis darauf abgeschwächt, dass von den 194 nur sechs Boeing tatsächlich in Russland registriert sind. Das Amt erklärt sich so quasi für nicht zuständig. Der Kollaps der Branche ist damit abgewehrt, das Schicksal der sechs russischen Boeing entscheidet sich in den nächsten Tagen. (ab, 6.11.2015)

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