Aufsicht sähe in Bank-Austria-Deal auch Vorteile

6. November 2015, 17:26
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Die Übersiedlung von Ostgeschäft könnte Österreich Entlastung bringen, das Dienstrecht schreckt Bawag-Hauptaktionär Cerberus ab

Wien – Am Mittwoch wird Bank-Austria-Mutter Unicredit ihre neuen (Spar-)Pläne präsentieren – Jobabbau inklusive. Kolportiert wird, dass bei der Bank Austria (BA) an die 2000 Posten wegfallen könnten. Das hängt aber auch davon ab, was aus den Plänen wird, ihr Privatkundengeschäft an die Bawag zu verkaufen. Dass dazu am Mittwoch etwas bekanntgegeben wird, ist nicht anzunehmen.

Laut Involvierten verhandeln Mailänder und US-Fonds Cerberus (Bawag-Hauptaktionär) nach wie vor miteinander, "es wird geredet und geprüft". Die Wiener Zeitung berichtete am Freitag freilich, der Deal sei "eher vom Tisch", und begründete das mit Vorbehalten der Aufsicht und wettbewerbsrechtlichen Bedenken.

Keine formale Befassung

Allerdings wurden bisher weder Aufsichtsbehörde FMA noch Nationalbank (OeNB) formal mit dem Bank-Austria-Bawag-Thema befasst. Zwar hat BA-Chef Willibald Cernko in der OeNB und, mit Unicredit-Chef Federico Ghizzoni, bei den FMA-Chefs vorgesprochen, "konkrete Vorschläge liegen aber nicht auf dem Tisch", wie es heißt. Sollte die BA die Sparte mit 1,6 Mio. Kunden wirklich verkaufen, brauchten sie und der Käufer die Genehmigung der FMA.

Intern beschäftigen sich die Bankenaufseher mit dem Thema natürlich schon, umso mehr, als die Italiener ja auch das Osteuropa-Geschäft nach Mailand ziehen wollen. Das ist gemäß dem auslaufenden Bank-der-Regionen-Vertrag möglich; bisher ist die BA für das gesamte Osteuropa-Netzwerk bis auf Polen zuständig. In Aufsichtskreisen sähe man eine Übersiedlung nach Mailand unter Umständen gar nicht so negativ.

Risiko würde sinken

Sollte das Geschäft mit Osteuropa von Wien aus weiterbetrieben werden, die Verantwortung und die bilanzielle Zuordnung aber nach Mailand wandern, könnte das durchaus seine Vorteile haben. Der Grund dafür: EZB und Ratingagenturen bewerten das Osteuropa-Geschäft der österreichischen Banken als belastend – dieser kapitalkostentreibende Faktor könnte dann sinken. Explizit erwähnt wird von den Aufsehern der Markt Türkei. Die Yapi Kredi hatte zuletzt 1056 Filialen und eine Bilanzsumme von rund 30 Milliarden Euro, "ein großer Brocken, der für die BA nicht ganz risikolos ist", wie es ein Aufseher ausdrückt.

Wobei auch eine zweite Übersiedlungsvariante kursiert, gemäß der das Ostgeschäft in München landen könnte. Die BA-Schwester HypoVereinsbank (an sie wurde die BA 2000 verkauft, die HVB ging dann an Unicredit) verfügt nämlich über jede Menge Kapital. Sie hat den Erlös aus dem BA-Verkauf (12,5 Mrd. Euro) noch in der Kassa, weil die deutsche Aufsicht die Ausschüttung nach Italien nicht erlaubt. Kämen die Osteuropa-Assets nach München, sänke der Eigenkapitalanteil zwar, wäre aber immer noch hoch genug.

Stolperstein Personalfrage

Der größte Stolperstein bei der Geschichte bleibt die Personalfrage rund um unkündbare Mitarbeiter und teure Bankpensionen. Ähnliche Strukturen hat Cerberus schon mit Kauf der Bawag übernommen – der dortige Mitarbeiterabbau hat die Bawag-Aktionäre viel Geld gekostet. Dass Gemeinde-Wien-nahe AVZ Stiftung und BA-Betriebsratsfonds, die Mitspracherechte haben, den Deal verhindern, ist eher ungewiss. Was viele glauben: AVZ und Betriebsrat stimmen zu – und bekommen dafür das Versprechen, dass die Arbeitsplätze für Osteuropa in Österreich bleiben. (gra, 6.11.2015)

  • Die Personalfrage rund um unkündbare Mitarbeiter und teure Bankpensionen bleibt größter Stolperstein.
    foto: apa/hochmuth

    Die Personalfrage rund um unkündbare Mitarbeiter und teure Bankpensionen bleibt größter Stolperstein.

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