"Club der roten Bänder" gegen Krebs und Langeweile

8. November 2015, 09:00
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Am Montag startet Vox die Serie "Club der roten Bänder": Wie Teenager gegen die eigene Krankheit kämpfen: berührend und ohne Rührseligkeit

Wien – Einmal zu lange gezögert und dann das Falsche gemacht: Es gibt Momente, die das Leben für immer ändern. Manche dieser Leben sind noch sehr jung, wenn das Schicksal zuschlägt. Der Sprung vom Zehnmeterturm ins betonharte Wasserbecken hat für das Kind Hugo (Nick Julius Schuck) zur Folge, dass nichts sein wird, wie es war.

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Hugo liegt im Koma und beobachtet das Treiben von der anderen Seite.

Jonas (Damian Hardung) steht vor dem Spiegel und rasiert sich die Haare, bevor sie ihm nach den Folgen der Chemotherapie ausfallen. Leo, den er später auf der Station treffen wird, hat das schon hinter sich. "Der Jonas ist ein Kandidat für die Langstrecke", sagt Leo (Tim Oliver Schultz).

Gemeinsam sind sie stark

So wie Emma (Luise Befort), die meist vor vollen Tellern sitzt, weil sie keinen Bissen runterbekommt, und falls doch, sehr gründlich danach trachtet, sämtliche Magen inhalte wieder von sich zu geben. Herzbeschwerden strecken den Schnösel Alex (Timur Bartels) nieder, dem Sonderling Toni (Ivo Kortlang) ist die Fürsorge auf den Fersen. Gemeinsam sind sie stark, gemeinsam sind sie der Club der roten Bänder. Die Serie startet am Montag um 20.15 Uhr auf Vox und ist etwas Besonderes.

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Clubmitglieder mit roten Bändern.

Nicht nur weil es die erste Serie ist, die der deutsche Privatsender der RTL-Gruppe selbst produziert hat, sondern auch weil man sich an ein emotional besetztes Thema wagt, das die Gefahr der verkitschten Rührseligkeit beinahe in den Genen trägt, und weil dieser Gefahr mit großer Selbstverständlichkeit und dem Willen zur Authentizität begegnet wird. Und weil es endlich wieder einmal eine Serie deutschsprachiger Herkunft gibt, die sich nicht im "KKK-Fach" – Komik, Krimi, Krise – versucht, sondern in der es um eine der gnadenlosesten Fragen menschlicher Existenz geht: Warum werden Kinder todkrank?

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Gemeinsam für das Leben und gegen die Langeweile.

Zehn Folgen hat die Serie nach dem 2008 erschienenen Roman Glücksgeheimnisse aus der gelben Welt von Albert Espinosa. Der katalanische Autor, Schauspieler und Regisseur beschreibt seine Jugend, die vom Kampf gegen den Krebs geprägt war, und die er im Nachhinein als "beste Zeit seines Lebens" bezeichnet. Als Format wurde das bereits in mehr als 13 Länder verkauft.

Wer jemals den Spitalsalltag miterlebt hat, wird die Wahrhaftigkeit bestätigen können, wie es den "Langstreckenläufern" mitunter geht und womit sie konfrontiert sind. Da gibt es die gefürchteten Untersuchungen, die Schmerzen, die Ängste, aber auch ganz viel Alltag, Banalität und wichtige Menschen: den lässigen Pfleger, die überkorrekte Krankenschwester, den väterlichen Physiotherapeuten, dauerernste Ärzte, vielbeschäftigte Besucher und ganz viel Ratlosigkeit am Krankenbett.

Für Selbstmitleid kein Platz

Dieser Club scheut sich nicht, all das ungeschminkt anzusprechen. Jonas wird das Bein abgenommen – na und? Leo hat seines schon längst nicht mehr. Für Selbstmitleid ist kein Platz – nicht im Spitalsbetrieb und schon gar nicht bei den Kids.

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Leo ist der Kopf des Clubs.

Die Krankheit habe er im Bein und nicht im Kopf, sagt Leo im Ringen um seine Autonomie, die ihm heilig ist: "Du kannst hier drinnen an Krebs sterben, aber auch an Langeweile." Leo trägt fünf Bänder: "Die gewonnenen Schlachten." Krankheit verbindet. (Doris Priesching, 8.11.2015)

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