Julya Rabinowich: Hundefilzknäuel und das Äquilibrium

6. November 2015, 17:06
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Wenn mich wer fragt: Das Leben mit einem Hund ist schlicht das Wundervollste. Für die Besitzer sowieso. Für Freunde und Verwandte immer wieder.

Für die Anrainer, wenn das Frauchen und das Herrchen die Gackisackerln nicht vergisst, ab und zu auch. Es gibt da leider immer noch Verweigernde in der Spezies Hundefreund, nämlich die Unterart egomanischer Saubartl am anderen Ende der Leine. Die Grasflächen sind buchstäblich für alle da, das sollte nicht vergessen werden, und ein Kackparcours macht selten Freude – weder für Spaziergänger noch für nachfolgende Hundehalter. Die Toten Hosen besangen das Problem bereits sehr erfolgreich: "Ein Schritt zu viel, und das war's."

Also davon abgesehen ist das Hundeleben schön. Bis auf ein paar Momente vielleicht. Diese unsäglich peinlichen. Die aber nicht nur unpraktisch waren.

Da gab es beispielsweise diese unfreiwilligen Biohazard-Einlagen im Sommer, wenn der Hund, dem nach der Kastration das seidenweiche Glanzfell zum Strubbelexzess geriet, plötzlich einem uneleganten Wollknäuel ähnelt und dementsprechend schwitzt – und wie ein schwitzendes Wollknäuel riecht. Und nach einem Bad im Eppelwasser auch ein wenig wie ein schwitzendes Wollknäuel mit einem Schuss verwesendem Fisch.

Und Bettina, die Hundefriseurin des Vertrauens, die Hitzewelle nützt und sich vom Kolonitzplatz über die Häuser haut. Ans Meer. Und man das arme Tier in die Badewanne stellt, schamponiert, von einem vorwurfsvollen Blick begleitet.

Und hernach beginnt, das Fell sicherheitshalber nur mit einer Nagelschere zu stutzen, vor dem inneren Auge die eleganten Handbewegungen der Friseuse.

Nach einer Stunde liegt ein nach Fisch stinkender Filzhaufen am Boden, und der Hund hat überall kleine runde Löcher im Fell, als hätte er urplötzlich die krasseste Krätze entwickelt.

Aber das Universum strebt nach Äquilibrium, und es gibt keinen Schatten ohne Licht. In den Öffis hatten wir in den folgenden Wochen so viel Platz wie noch nie. (Julya Rabinowich, 6.11.2015)

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