Geometrie und Kopfgymnastik

6. November 2015, 16:49
posten

Konkrete Kunst des ungarischen Künstlers János Megyik in der Galerie Artmark

Silhouetten von Architekturen meint man zu erkennen oder auch Schattenrisse von aufgestapelten geometrischen Körpern. Ein gescheitertes Tangram-Spiel? Vielleicht Konstruktionspläne oder Grundrisse, auf denen die tuschschwarzen Linien und Flächen dem Zeichner die Gefolgschaft verweigern, sich hier widerspenstig knickend und sich dort abstrakt zusammenrottend?

Die Assoziationen zu den dreidimensionalen Kompositionen – Laserschnitte aus patiniertem Eisen – des ungarischen Künstlers János Megyik (geb. 1938 in Szolnok) sind mannigfaltig. Zu einem endgültigen Eindruck wird man wohl nicht kommen. Aber gerade dieses flexible Springen zwischen den bildlichen Assoziationen, die Unsicherheit, mit welcher Perspektive, mit welcher Raumvorstellung man sich den Arbeiten nähern soll, sorgen wohl auch für Dynamik der in der Galerie Artmark ausgestellten Objekte.

"Geometrie an sich kann nur im Kopf existieren", sagt der für die Kopfgymnastik Verantwortliche. Megyik, der zunächst in der Slowakei, dann ab 1956 auch an der Wiener Akademie der bildenden Künste Malerei studierte, erforscht seit Jahren Fragen der Perspektive und der Geometrie.

Genauer gesagt beschäftigt er sich mit Fragen der projektiven Geometrie, die aus der perspektivischen Darstellung dreidimensionaler Gegenstände in der zweidimensionalen Ebene hervorgegangen ist. Das ist vor allem eine sehr mathematische Angelegenheit, und daher darf, wenn es um die Fortsetzung der Darstellung "hinter dem Horizont" (!) geht, die eigene Vorstellungskraft schon einmal scheitern.

Bezaubern vermögen Megyiks Arbeiten trotzdem, etwa die sich aus der Fläche – die stets Trägerin der dreidimensionalen Werke bleibt – herauswölbenden Stäbchenarchitekturen.

Für die Ausstellung bei Artmark hat sich Megyik, der übrigens für die 15 Meter hohe Portalskulptur der Universitätsbibliothek in Debrecen verantwortlich zeichnet, Maler Ingo Nussbaumer als Duettpartner gewählt. (Anne Katrin Feßler, 6.11.2015)

Bis 17. 10., Galerie Artmark

Singerstraße 17, 1010 Wien

  • Mit projektiver Geometrie gelingt es János Megyik, das Potenzial von Raum auszuschöpfen: "Singularität 1" (2015).
    foto: józsef rosta

    Mit projektiver Geometrie gelingt es János Megyik, das Potenzial von Raum auszuschöpfen: "Singularität 1" (2015).

Share if you care.