Deutsche Bauwirtschaft will "industriellen Wohnungsbau"

6. November 2015, 16:01
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Verband: Mit serieller Bauweise schnell Wohnraum schaffen – Bauministerium fördert Forschung für bezahlbare Wohnprojekte

Die deutsche Bauwirtschaft will angesichts der hohen Flüchtlingszahlen mit "industriellem Wohnungsbau" Engpässe bei der Unterbringung beseitigen. Ziel müsse es sein, Prototypen für Wohnbauten zu entwickeln und diese dann deutschlandweit in Serie herzustellen, sagte der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, Michael Knipper, der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Freitag.

"Nachhaltige Lösungen"

So könne in wenigen Monaten kostengünstiger Wohnraum geschaffen werden. In den nächsten zwölf bis 18 Monaten würden mindestens eine Million Flüchtlinge zusätzliche Wohnungen benötigen, schätzte Knipper. Behelfsunterkünfte müssten durch nachhaltige Lösungen ersetzt werden – auch im Interesse der Integration. Traglufthallen, Container und Zelte seien auf Dauer unzumutbar und zum Teil auch viel zu teuer. Kostengünstiger Wohnraum sowohl für Flüchtlinge als auch für die übrige Bevölkerung könne schon für 1.300 Euro pro Quadratmeter fertiggestellt werden, während Container mittlerweile 2.500 bis 3.000 Euro pro Quadratmeter kosteten.

Am Donnerstag hatte das deutsche Innenministerium bekanntgegeben, dass heuer in den ersten zehn Monaten 758.000 Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind. Damit dürfte die zuletzt von der deutschen Regierung abgegebene Prognose von 800.000 neuen Flüchtlingen im Gesamtjahr deutlich überschritten werden.

Millionen für Forschung

Das deutsche Bauministerium hat am Donnerstag angekündigt, ein 120 Millionen Euro schweres Programm zu starten, mit dem einer Konkurrenzsituation zwischen Flüchtlingen, Studenten und Auszubildenden auf dem Wohnungsmarkt entgegengewirkt werden soll. Mit dem Geld soll die Forschung für nachhaltige und bezahlbare Wohnprojekte angeschoben werden, die überwiegend auf jüngere Menschen mit einem schmalen Geldbeutel für Miete zugeschnitten sind.

"Die Nachfrage nach kleineren Wohnungen nimmt insbesondere in den Ballungsgebieten zu. Durch die steigenden Flüchtlingszahlen wird sich der Wohnungsbedarf in diesem Segment noch zusätzlich erhöhen", sagte Bauministerin Barbara Hendricks bei der Präsentation des Programms in Berlin.

"Variowohnungen"

Deutschland brauche Wohnungen, die von hoher Qualität und als sogenannte flexible Variowohnungen nutzbar sind. Die Warmmiete soll 260 Euro, in Städten mit sehr angespannter Wohnsituation 280 Euro nicht übersteigen.

Das Deutsche Studentenwerk (DSW) begrüßte grundsätzlich das Programm, allerdings seien einzelne Punkte "ausbaufähig". Die Förderung belaufe sich auf maximal 500 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche, sagte DSW-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde.

"Damit die Programmziele erreicht werden, wäre jedoch eine Förderung in doppelter Höhe, also von 1000 Euro pro Quadratmeter, erforderlich." Nur so könne die vorgesehene Miete von 260 Euro erreicht werden. Dies könne "in Kombination mit Länderförderungen erreicht werden, jedoch nur, sofern die Länder mitspielen", sagte Meyer auf der Heyde.

Wartezeit und Preisanstieg für Container

Die große Zahl an Flüchtlingen hat in Deutschland unterdessen zu einem akuten Mangel an Wohncontainern geführt. Die Lieferzeit für diese provisorischen Unterkünfte beträgt nach Angaben aus der Branche mittlerweile sechs Monate. Auch die Kauf- und Mietpreise für die Container steigen deutlich.

"Der Markt ist relativ leer", sagt der Geschäftsführer des Bundesverbands Bausysteme, Günter Jösch. Derzeit seien in ganz Deutschland rund 150.000 Wohn- und Bürocontainer im Umlauf, rund ein Viertel davon würden für Flüchtlinge genutzt. (APA, 6.11.2015)

  • Deutschland treibt nun zunächst einmal die Forschung für nachhaltige und bezahlbare Wohnprojekte an, die überwiegend auf jüngere Menschen mit einem schmalen Geldbeutel für Miete zugeschnitten sind.
    foto: apa/schneider

    Deutschland treibt nun zunächst einmal die Forschung für nachhaltige und bezahlbare Wohnprojekte an, die überwiegend auf jüngere Menschen mit einem schmalen Geldbeutel für Miete zugeschnitten sind.

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