Shakespeare auf der Leinwand – Stücke, die das Drehbuch schrieben

Umfrage9. November 2015, 19:13
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Aktuell läuft "Macbeth" in den heimischen Kinos. Die Verfilmung ist nur eine in der langen Reihe an cineastischen Shakespeare-Adaptionen. Diskutieren Sie die gelungenen und misslungenen Beispiele

Shakespeare hält den Weltrekord. Mehr als 420-mal wurden seine Werke verfilmt, und auch wenn der englische Autor mittlerweile fast 400 Jahre tot ist, scheinen seine Themen nicht an Aktualität zu verlieren. Den neusten Beweis dieser nicht sondelich gewagten These liefert der australische Regisseur Justin Kurzel mit seiner cineastischen Version von "Macbeth". Michael Fassbender und Marion Cottilard spielen die Hauptrollen in dem düsteren Stück, das, so die STANDARD-Kritik, die Erklärungen für sämtliche Wahnsinnigkeiten nicht mehr wie Shakespeare in dunkler Magie wähnt, sondern psychologische Modelle heranzieht. Eine modernisierende Verfilmung also, die trotz der spektakulären Gewaltszenen aber nicht zum "Blockbuster-Blutvergießen" werde; die sorgfältige Kameraführung sowie die Sprache, die Originalverse von 1606, werden beibehalten, verhindern dies.

Kurzels "Macbeth" – was sagen andere Kritikermeinungen?

Die landschaftliche Setting wird gleich in zwei Rezensionen hervorgehoben: Neben den Schauspielerleistungen würdigt die "Time Out London" die wilden schottischen Highlands, "die mit ihrer Härte und Schönheit einen eigenen mörderischen Impuls zu haben scheinen".

Auch der "Guardian" betont die Wucht der Landschaftsaufnahmen und lobt gleichzeitig die schauspielerische Leistung derart, dass es zugleich als Kritik am Gesamtwerk verstanden werden kann: Mit Cottillard und Fassbender böte der Regisseur zwei Akteure auf, die "möglicherweise über mehr Charisma" verfügten, "als der Film überhaupt aufnehmen" könne.

Die Kritik des Spiegels fällt da schon deutlicher aus: Die Psychologie des Films sei "reizlos traditionell", und auch sonst fällt das Urteil eher in die Kategorie vernichtend: "Der erzählerische Fokus liegt auf dem geplagten König, anstatt der Monstrosität der Königin, die in vielen zeitgenössischen Theaterinszenierungen herausgearbeitet wird, nachzuspüren. Zusammen mit dem extrem verknappten Text ergibt sich so eine Holzschnitthaftigkeit, die besonders im Moment des Todes von Lady Macbeth zutage tritt. In einer schwächeren Rolle hat man Marion Cotillard lang nicht mehr gesehen."

Stücke, die das Drehbuch schrieben

"Macbeth" ist bekanntermaßen nur ein Beispiel der Shakespeare-Verfilmungen. Unter den zahlreichen Filmadaptionen erfreuen sich "Hamlet", "Macbeth" und "Romeo und Julia" besonderer Beliebtheit. Viele davon mit prominenter Besetzung wie Ethan Hawke in "Hamlet" (Regie: Michael Almereyda, 2000) oder Leonardo DiCaprio und Claire Danes in "William Shakespeares Romeo + Julia" (Regie: Baz Luhrmann, 1996)

Woody Allen adaptierte 1982 den Klassiker "Sommernachtstraum", und auch die amerikanische Filmkomödie "10 Dinge, die ich an dir hasse" (Regie: Gil Junger, 1999) basiert auf dem Stück "Der Widerspenstigen Zähmung". Kenneth Branagh wagte sich als Regisseur gleich mehrmals an Shakespeare heran, unter anderem an "Othello" (1995) und "Hamlet" (1996). Und das sind allein die eher neueren Beispiele.

Drehbuchstoff lieferte Shakespeare jedoch nicht nur mit seinen Werken, auch Filme über Shakespeare bilden heute eine eigene Sparte wie das Oscar-prämierte Meisterwerk "Shakespeare in Love". Die Mythen, die sich um das Leben des Autors ranken, thematisiert unter anderem auch "Anonymus" von Roland Emmerich 2011.

Fragen

Welche Shakespeare-Verfilmungen haben Sie überzeugt, und welche halten Sie für missglückt? Wie kommen Sie bei originalgetreuen Verfilmungen mit der Shakespeare-Sprache zurecht? Ist es irritierend oder interessant im Filmformat? Wie finden Sie Verfilmungen, in denen die Handlung in die heutige Zeit verlegt wird? Welche Besetzung gefiel Ihnen am besten, und war Leonardo DiCaprio wirkliche eine gute Wahl für den Romeo? (aan, jmy, luh, 9.11.2015)

Zur STANDARD-Kritik:

"Macbeth": Wahnhafter Tyrann in Versen

Filmforum

Flashback: Martin Scorseses "Goodfellas", 25 Jahre später betrachtet

Welche Literaturverfilmung halten Sie für gelungen?

  • Michael Fassbender und Marion Cottillard als mörderisches Königspaar.
    foto: constantin film

    Michael Fassbender und Marion Cottillard als mörderisches Königspaar.

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    foto: centfox

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