Wort der Woche: Rechter Rand

7. November 2015, 09:00
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Volksvertreter außer Rand und Band: Kräftige Lebenszeichen vom rechten Rand der Freiheitlichen

Das muss ein Schock für Herbert Kickl gewesen sein, als seine sonst so diskreten Parteigenossen Höbart und Winter plötzlich mit Wortmeldungen hervortraten, die kein Troglodyt über die Lippen brächte, ohne schamrot zu werden. Kaum zu glauben, aber wahr: Die Linksauslegerpartei FPÖ (Oktober"revolution") hat auch einen rechten Rand, der so breitrandig ist, dass er die liberalen Segmente, die es in dieser Partei einmal gegeben haben mag, lückenlos bedeckt.

Der Rand ist, nach der eleganten Definition des "Duden", die äußere Begrenzung einer Fläche oder die obere Begrenzung eines Gefäßes, aber auch etwas, was sich "um etwas herum als eine Art Kreis sichtbar gebildet hat". Er ist vielen Redewendungen Pate gestanden, dem "Außer Rand und Band Geraten" etwa: In der Sprache der Böttcher, erklärt die "Duden"-Redaktion in ihrem Bändchen "Wer hat den Teufel an die Wand gemalt?", ist der Rand die Umfassung aller Fassdauben; die Bänder (oder Reifen) halten das Fass zusammen.

"Zu Rande kommen" geht auf die ausgestorbene Redensart "zu Rand und Land kommen" zurück: Das bedeutete das glückliche Anlegen eines Schiffs an die Küste (="Rand"). Die hübsche österreichische Verkleinerungsform "das Randerl" meint: ein wenig ("ein Randerl schlafen"). Zum saloppen norddeutschen Ausdruck für den Mund wurde der Rand der Lippenumrandung wegen. Ihn zu halten, wäre oft von Vorteil (gewesen); im Fall der Wortspenden von Winter und Höbart ganz bestimmt. (win, 7.11.2015)

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    foto: christian fischer
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