Ungewisse Zukunft für das schwarze Brett

13. November 2015, 09:00
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Die Digitalisierung macht auch vor Wohnhäusern nicht halt: Mancherorts haben im Eingangsbereich Bildschirme das schwarze Brett abgelöst

Jahrzehntelang hat das schwarze Brett ein Schattendasein geführt: Oft handelte es sich dabei lediglich um eine wenig beachtete Anschlagtafel im Eingangsbereich, auf der nicht viel mehr als ein verblichener Zettel mit der Telefonnummer der Hausverwaltung hing. Dann kam die Digitalisierung: Immer öfter findet man nun im Eingangsbereich einen Bildschirm, auf dem Bewohner Informationen rund um ihr Haus erhalten.

2012 startete die WBV-GPA ein Pilotprojekt in einem Wohnhaus in der Kundratstraße im zehnten Bezirk. Dort habe es von der Bewohnerschaft "gut gepasst", weil diese einen eher niedrigen Altersdurchschnitt hatte, berichtet der Unternehmenssprecher Christian Swoboda. Das Projekt habe gut funktioniert und sei angenommen worden. Am schwarzen Brett können von Bewohnern beispielsweise auch die hauseigene Sauna oder die Waschküche reserviert werden.

Täglicher Neustart

Geplant war bei Projektstart, dass sich das schwarze Brett über Werbeeinnahmen finanziert. "Das hat sich aber als sehr schwierig gestaltet", so Swoboda. Mittlerweile gibt es die Bildschirme in zehn Häusern der WBV-GPA. Ursprünglich wäre das Angebot für zwölf Häuser geplant gewesen: "In zwei haben sich aber die Mieter dagegen ausgesprochen", so Swoboda. Dabei würden für diese keine zusätzlichen Kosten entstehen, Strom- und Errichtungskosten trägt das Unternehmen.

Standard ist das digitale schwarze Brett mittlerweile laut Vorstandschef Herbert Ludl auch bei der Sozialbau AG. Nicht nur das Wetter, auch der Zeitpunkt, wann der nächste Bus vorm Haus abfährt, wird auf den Bildschirmen angezeigt.

Auch die IG Immobilien hat mehrere ihrer Häuser damit ausgestattet. Das System wird täglich neu gestartet, um technische Fehler, und damit die Wartungsarbeit, geringzuhalten.

Bald schon könnten aber sogar die Bildschirme überflüssig werden, glaubt Swoboda: Denn in Zukunft könnten all diese Informationen auf einer App am Handy zur Verfügung stehen. Ein dementsprechendes Projekt will die WBV-GPA nächstes Jahr präsentieren.

Kein schwarzes Brett mehr

Als "überflüssig" bezeichnet das Hausbetreuungsunternehmen Attensam das schwarze Brett im Hausgang heute schon – und präsentiert dieser Tage ein Online-Serviceportal für die Kommunikation im Haus. Auch der nachbarschaftliche Austausch – speziell in größeren Anlagen – soll gefördert werden, indem man beispielsweise online auch nach einem Babysitter suchen kann.

Was für alle Beteiligten herausschauen könnte: mehr Transparenz. "Manchmal kommen zu einem kaputten Aufzug unzählige Meldungen von Mietern", sagt Swoboda. Die Rückmeldung an diese, sobald die Störung behoben sei, erfolge dann oft nicht so, wie sich die Mieter das wünschen. Künftig soll der Status der Störung von allen Mietern mitverfolgt werden können.

Derzeit befinde man sich in einer Umbruchsphase, sagt Swoboda. Die jüngere Generation der Bewohner hätte mit dieser zunehmenden Digitalisierung kein Problem. Ob das schwarze Brett künftig gänzlich verschwinden wird, sei aber noch nicht klar, sagt Swoboda.

Denn nach wie vor gibt es Menschen, die weder Smartphone noch Computer besitzen: "Und wir wollen niemanden ausschließen." Daher werde man wohl auch in Zukunft Beschwerden mittels E-Mail oder Fax einschicken können – oder mittels Brief an die Hausverwaltung. (Franziska Zoidl, 13.11.2015)

  • Immer öfter gibt es am digitalen schwarzen Brett nicht nur Ankündigungen  der Hausverwaltung zu lesen, sondern auch zusätzliche Informationen für die Bewohner, etwa bezüglich des Wetters, der Öffi-Fahrzeiten oder aktuelle Nachrichten.
    illustration: claudia machado

    Immer öfter gibt es am digitalen schwarzen Brett nicht nur Ankündigungen der Hausverwaltung zu lesen, sondern auch zusätzliche Informationen für die Bewohner, etwa bezüglich des Wetters, der Öffi-Fahrzeiten oder aktuelle Nachrichten.

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