"Call of Duty: Black Ops 3": Kritiker-Schelte für Kampagne, Lob für Mehrspieler-Modus

6. November 2015, 10:40
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Mehr Bewegungsfreiheit und kybernetische Upgrades für gewohntes Spielkonzept

Weit über zehn Teile wurden für die "Call of Duty"-Serie seit ihrer Premiere im Jahr 2003 umgesetzt, manche gelten als Meilensteine oder zumindest Perlen ihres Genres. Kein Wunder, dass das Franchise mittlerweile Millionen Fans gefunden hat. Bereits seit "Call of Duty 2" (2006) gibt es jährlich einen neuen "Ruf der Pflicht".

Anno 2010 eröffnete Activision mit "Black Ops" einen neuen Handlungsstrang, der sich aus den 1960ern bis in ein futuristisches Weltkriegsszenario erstreckt. Am 6. November ist der dritte Teil für Windows, Xbox One, Xbox 360, PlayStation 4 sowie PlayStation 3 erschienen und die ersten Rezensionen liegen vor.

2065

Die Handlung knüpft direkt an die beiden Vorgänger an und entführt ins Jahr 2065. Die Verschmelzung von Mensch und Technik schreitet immer schneller voran, Roboter sind in der Kriegsführung unverzichtbar geworden. Nicht wenige Menschen fürchten, dass die immer intelligenter werdenden Maschinen einmal mögllicherweise die Macht an sich reissen könnten – Terminator lässt grüßen.

Soweit, so dystopisch. Der Shooter teilt sich traditionell auf in eine Story-basierte Kampagne und mehrere Multiplayermodi. In Sachen Handlung hat sich "Call of Duty" mit "Black Ops 3" nun endlich "in den Wahnsinn" gesteigert, attestiert Eurogamer der Geschichte. Gemünzt ist das allerdings nicht auf einen besonders hohen Grad an Originalität oder wahnwitzige Wendungen, sondern auf eine Kombination aus uninspirierten Dialogen und Sprachsequenzen mit einem skriptbasierten Handlungsablauf.

Skript gegen Realität

Inmitten einer schlecht erzählten Verschwörung findet etwa ein Angriff auf eine ägyptische Bohrplattform statt. Selbst wenn man seinem computergesteuerten Partner weit davon eilt, schreit das Alter Ego irgendwann in seine Richtung, er möge es bitte langsamer angehen, ehe das Spiel den KI-Kollegen einfach herteleportiert. Eine von vielen Gelegenheiten, an denen die Realität des Spiels und der von Entwickler Treyarch erdachte Ablauf miteinander in Konflikt geraten können.

Spielerisch borgt sich "Black Ops 3" Ideen aus "Advanced Warfare" und steckt den Spieler in einen Hightech-Kampfanzug, der diverse kybernetische Upgrades und übernatürliche Fähigkeiten verfügbar macht. Freigeschalten werden diese mit eigenen Tokens, die auch als Währung für den Kauf von Waffen und Ausrüstung dienen. Ein Fortschritt, wenn auch keiner, der Originalitätspreise gewinnt. Die Kampagne profitiert davon und gegen Ende wird auch die Erzählung besser, wenngleich sie auch eigenartig selbstreferentiell wird.

Geradlinig

Die Bewegungsfreiheit des Spielers wurde außerdem vergrößert, etwa mit einem verlängerbaren Rocketjump. Die Umgebungen in der Kampagne sind weitläufiger und erlauben etwas mehr Erkundung und Varianz. Im Großen und Ganzen bleibt aber "Black Ops" seiner Tradition als "geradliniger" Shooter treu, der den Spieler auf klar vorgegebenen Pfaden von A nach B scheucht. "Bei der fünften Mission hatte ich mich bereits an die übliche Routine von ‚Zielen, Schießen, Nachladen‘ gewöhnt", resümiert man bei Gamespot.

Als Gegner serviert Treyarch größtenteils Standardkost von einfachen Fußsoldaten und Drohnen bis hin zu imposanten Mechs. Die Kampagne kann auch im Koop-Modus durchgespielt werden, dessen Potenzial allerdings nicht genutzt wird. Denn anstatt tatsächlich Elemente einzubauen, die kooperatives, durchdachtes Vorgehen erfordern, wird einfach nur die Menge an Gegnern bis zum Exzess gesteigert. Auch die an sich hübsche Grafik und gelungene Geräuschuntermalung ändert hier wenig am hohen Frustpotenzial.

call of duty

Fortschritte im Multiplayer-Modus

Der Mehrspielermodus erweist sich als unterhaltsamer, wobei sich die Tester hinsichtlich der Langzeitmotivation uneins sind. Games Radar lobt die neuen Spezialisten-Fertigkeiten, die den Spieler zwischen temporären Upgrades wählen lassen. Sie sorgen für "weitreichende Möglichkeiten, den eigenen Spielstil zu definieren", lobt man. Sie lassen sich strategisch nutzen, um sich kurzfristig "vergnügte Momente mit unfairem Vorteil" zu kreieren, ohne den Spielfluss oder die Balance insgesamt zu beeinträchtigen.

Viele Karten schlagen auch Vorteile aus den erweiterten Bewegungsmöglichkeiten, in dem sie eine Reihe vertikaler Elemente integrieren. Sie lassen die Arenen größer wirken, als sie sind und erlauben das Experimentieren mit neuen Angriffswegen. Das Jetpack, das aufgrund der weitgehend flachen Levels in der Kampagne nur wenig bringt, kommt hier etwa gut zur Geltung.

Gamespot lobt vor allem den in den 1940ern angesiedelten Zombiemodus, der sich in den ersten zehn Stunden selbst übertrifft. Danach kehrt nach Ansicht des Testers aber auch im Mehrspielerbereich wieder Routine ein. Die Spielerzahlen auf den Servern werden letztlich zeigen, ob Treyarchs Ideen auf lange Sicht aufgehen. (gpi, 06.11.2015)

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    screenshot: call of duty: black ops 3
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