Alle haben Angst vorm Uber-Mann

Analyse7. November 2015, 12:00
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Bei einem Workshop des Europaforums zur Sharing Economy traf Rasoul Daniel Jalali, Chef von Uber in Österreich, auf die Taxibranche

Wenn ein Unternehmen sich Disruption auf die Fahnen schreibt, dann darf man sich als Vertreter dieses Unternehmens nicht wundern, wenn es Gegenwind gibt. Und das geschieht aktuell am Taximarkt: In Paris wurden Uber-Autos angezündet – von Brasilien über Australien bis Großbritannien versammeln sich Fahrerinnen und Fahrer zu großen Protesten und sparen nicht mit Pathos: "Uber tötet mich" war auf Schildern französischer Taxler zu lesen. Gewehrt wird sich auch rechtlich: In Spanien und den Niederlanden wurde Uber Pop (siehe Wissen) schon früh verboten, Deutschland folgte. Die Rückschläge scheint das Unternehmen aus San Francisco aber einigermaßen gelassen hinzunehmen.

Ein ruhiger Herausforderer

Von diesem regelrechten Krieg am Taximarkt merkte man Rasoul Daniel Jalali Anfang dieser Woche im Wiener Tech Gate nicht viel an. Relaxt steht er auf dem Podium, wo er mit Vertretern des Taximarktes über Innovationen sprechen soll. Jugendliches Aussehen, keine Krawatte, ruhige Stimme – von Dramatik keine Spur. Für die Wortmeldungen seiner Gegner hat der Schweizer höchstens ein leichtes Kopfschütteln übrig. Er wiederholt die Sätze: "Das Bedürfnis nach individueller Mobilität ist ungebrochen." Und: "Unser Ziel ist die Abschaffung des Privatfahrzeuges."

Eine Aussage, die es eigentlich in sich hat. Aber aus Jalalis Mund hört es sich an wie der Wetterbericht für die nächste Woche. Er ist sich seiner Sache sicher, auch wenn die letzten Wochen alles andere als ideal für Uber liefen. Aktuell zieht man sich aus einigen deutschen Städten zurück, bei Uber nennt man es "pausieren". Jalali: "Manchmal muss man zwei Schritte zurück machen, um einen großen Schritt nach vorn zu machen."

Die Taxler greifen an

Für die Podiumsteilnehmer ein gefundenes Fressen. Sie bleiben alles andere als cool, auch wenn Christian Holzhauser, Geschäftsführer der Taxifunkzentrale 40100, betont, trotz aller Besorgnis ein "ruhiger Typ" zu sein. Thomas Grätz, Geschäftsführer des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbandes, geht ebenfalls in Angriffstellung, und die Liste der Vorwürfe gegen Uber ist auch an diesem Abend lang: Sozialversicherungsbetrug, Schwarzarbeit, neue Prekariate. Dass die Taxibranche selber nicht unbedingt als sozial gilt, wird nur vom Publikum angemerkt.

Wie es für Uber in Österreich läuft, weiß niemand so genau. Jalali teilt seine Zahlen nicht mit, das entspreche nicht der Unternehmensphilosophie seines Arbeitgebers. Aber man sei stark gewachsen und er wolle sich nicht beklagen. Nachsatz: "Natürlich geht da noch viel mehr."

Keine Angst

Jalali wird deshalb nicht müde zu betonen, dass man gerne mit der Stadt in den Dialog treten würde. Niemand müsse Angst haben vor Uber Pop, in Österreich arbeite man nur mit lizenzierten Unternehmen zusammen und eben nicht mit Privatpersonen.

Dass heimische Taxiunternehmen unter dem drohenden Konkurrenzdruck mittlerweile selbst Apps anbieten und eifrig an Innovationen basteln, freue Jalali. Er ist bemüht hervorzuheben, dass man keineswegs allein am Markt sein wolle, spricht viel von Diskussion und Kooperation. Das Beispiel San Francisco, wo die durchschnittlichen Fahrten der Taxis pro Monat durch Uber mittlerweile halbiert wurden, zeigt aber die Schlagkraft und erklärt, warum Holzhauser und Grätz Schweißperlen von der Stirn tropfen.

Mehr Economy als Sharing

Schließlich kann man auch aus all den unbeantworteten Fragen Antworten ableiten. Nach Sozialleistungen für Fahrerinnen und Fahrer gefragt, betont Jalali die billigeren Preise für Konsumenten. Obwohl Uber oft als Paradebeispiel für die Sharing Economy gesehen wird, sieht sich Jalali nicht unbedingt als Teil dieses Konzeptes. Man dürfe nicht vergessen, dass neben dem Wort "Sharing" eben auch "Economy" steht.

Über Uber

Uber hat mehrere Geschäftsmodelle – für die meisten Kontroversen sorgt UberPop: Hierbei fahren Privatpersonen im Privat-PKW, ohne gewerbliche Befugnis. Uber arbeitet aber auch mit lizenzierten Unternehmen zusammen: Bei UberX und UberBlack werden Mietwagen mit Fahrern vermittelt. Bei UberTaxi geht es, wie der Name sagt, um reguläre Taxis. Egal welches Geschäftsmodell – von Fahrerinnen und Fahrern wird seitens Uber eine Provision von bis zu 20 Prozent eingezogen.

Das Unternehmen, an dem unter anderem Goldman Sachs und Google beteiligt sind, ist in 63 Ländern aktiv. Nach der letzten Finanzierungsrunde diesen Sommer wurde Uber mit 50 Milliarden US-Dollar (gut 45,5 Milliarden Euro) bewertet.

  • Rasoul Daniel Jalali ist bei Uber für Deutschland, Österreich und die Schweiz verantwortlich. Wie es in Österreich für Uber läuft, will er nicht verraten. Beklagen könne er sich allerdings nicht.
    uber

    Rasoul Daniel Jalali ist bei Uber für Deutschland, Österreich und die Schweiz verantwortlich. Wie es in Österreich für Uber läuft, will er nicht verraten. Beklagen könne er sich allerdings nicht.

  • Weltweit machen Taxifahrer gegen den privaten Fahrtendienst Uber mobil – im Bild ein demonstrierender Fahrer in São Paulo. Während Uber in den USA dominiert, hat man in Europa mit restriktiverem Umgang zu kämpfen. Aus zwei deutschen Städten zieht sich Uber nun zurück.
    foto: ap/andre penner

    Weltweit machen Taxifahrer gegen den privaten Fahrtendienst Uber mobil – im Bild ein demonstrierender Fahrer in São Paulo. Während Uber in den USA dominiert, hat man in Europa mit restriktiverem Umgang zu kämpfen. Aus zwei deutschen Städten zieht sich Uber nun zurück.

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