Erste wird 2015 wieder Dividende auszahlen

6. November 2015, 08:25
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Risikovorsorgen weniger hoch als bisher erwartet

Wien – Nach einem abschreibungsbedingten Verlustrekord waren 2014 die Aktionäre der Erste Group leer ausgegangen. Für 2015 wird es wieder eine Dividende geben. Erste-Chef Andreas Treichl hat am Freitag in einer Analystenkonferenz angekündigt, aus heutiger Sicht 40 bis 50 Cent je Aktie ausschütten zu wollen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Aktionäre bedient werden, habe zuletzt noch zugenommen, sagte der Erste-Chef. Für 2013 hatte die Erste Group 20 Cent Dividende gezahlt.

Weniger faule Kredite

Für normale Vorsorgen und Wertberichtigungen für Problemkredite muss die Erste Group 2015 weniger Geld zurücklegen als noch im Sommer erwartet. Die Kreditvorsorgen sollen jetzt bei 750 bis 950 Mio. Euro liegen und somit unter der bisherigen Vorschau (0,9 bis 1,1 Mrd.) Euro. Unterm Strich bleibt es aber wohl bei den alten Zahlen: Denn es gibt eine neue Last aus Kroatien zu verdauen.

Die Banken in Kroatien müssen hohe Kosten für die politisch verlangte Zwangskonvertierung von Frankenkrediten tragen. Daraus erwachse der Ersten eine im "sonstigen Ergebnis" verbuchte Einmalbelastung von 144,9 Mio. Euro, schreibt die Bank am Freitag im Bericht zum dritten Quartal 2015.

Prognose für 2016

Unverändert blieb damit die Indikation für das Betriebsergebnis 2015: Hier wird weiter ein Rückgang im mittleren einstelligen Prozentbereich erwartet. Erreichen will der Vorstand auch eine Eigenkapitalverzinsung von etwa 10 Prozent. Erstmals gab es eine Prognose für das kommende Geschäftsjahr 2016: Aufgrund eines weiterhin soliden Wirtschaftsausblicks für Zentral- und Osteuropa peile die Erste eine weitere Verbesserung der Profitabilität an und rechne mit einer Eigenkapitalverzinsung von 10 bis 11 Prozent.

Den Konzern-Nettogewinn meldete die Erste für die ersten neun Monate 2015 bei 764,2 Mio. Euro. In dem von drastischen Abwertungen im Osten geprägten Vorjahr hatte es um diese Zeit einen Verlust von 1,4 Mrd. Euro gegeben.

Im 3. Quartal 2015 stand unterm Strich ein Nettogewinn von 276,9 Mio. Euro. Im zweiten Quartal heuer lag er bei 261,4 Mio. Euro. Zum Vergleich: Im 3. Vierteljahr 2014 hatte der Quartalsverlust 554 Mio. Euro betragen.

Warten auf Ungarn

Der minderheitliche Einstieg des ungarischen Staates bei der Ungarn-Tochter der Erste Group verzögert sich indes weiter. Die Frage, ob es überhaupt dazu kommt, interessierte heute auch die Analysten. Die Bank macht einen Abschluss des Deals davon abhängig, dass eine Anlegeraffäre in Ungarn um einen insolventen Broker (Quaestor) bis Jahresende gütlich gelöst ist. Andernfalls werde es keinen Einstieg des ungarischen Staates in der Erste Bank Hungary geben.

Im Erste-Vorstand geht man bisher davon aus, dass eine Lösung gefunden werden kann. Ein Einstieg des ungarischen Staates in der Ungarntochter würde dann aber höchstwahrscheinlich nicht mehr in diesem Jahr vonstattengehen, sagte Treichl heute. (APA, 6.11.2015)

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