Robert Almer: "Bin nicht so der goldige Typ"

Ansichtssache11. November 2015, 05:30
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Die mattschwarze Uhr, das Hundehalsband zu Vintage-Ohrringen, die einfache Swatch im Hosensack oder der Ring des Liebsten. Wir fragten vier Zeitgenossen, welcher Schmuck oder welche Uhr ihnen besonders viel bedeutet

foto: christian benesch

Robert Almer "Bin nicht so der goldige Typ"

Meine Uhr habe ich nach dem letzten Spiel beim Verein Hannover 96 als Abschiedsgeschenk bekommen, obwohl ich nur auf der Ersatzbank saß. Wir drehten nach dem Match gegen Freiburg eine Ehrenrunde durchs Stadion, anschließend wurde mir diese Tissot vom Vereinspräsidenten überreicht. Ich weiß gar nicht mehr, wie hoch wir gewonnen haben, auf jeden Fall empfand ich dieses Geschenk als sehr schöne Geste.

Eigentlich trage ich die Uhr lediglich, wenn ich mich fein herausputze. Ein Anlass dafür kann ein schönes Abendessen sein. Sonst bin ich eher der Typ, der im Jogginganzug zum Training fährt. Ist halt gemütlicher.

Vor einem guten Jahr hab ich mir vorgenommen, mir eine neue Uhr zum Geschenk zu machen, falls uns die Qualifikation für die Europameisterschaft gelingen würde. Ich hab mich bereits kundig gemacht. Was den Preis betrifft, muss ich mir das allerdings schon zweimal überlegen. Infrage käme eine Hublot oder eine Rolex, aber es wird wohl eher die Mattschwarze von Hublot. Ich bin nicht so der goldige Typ, eher der sportliche. Diesbezüglich ist eine goldene Uhr kein optischer Burner. Aber Gold und Männer, das find ich überhaupt nicht so passend.

Klar spielt die Zeit während eines Fußballspiels eine ganz eigene Rolle. Es gibt Spiele, während deren die Minuten nur so verfliegen und man sie gar nicht mitbekommt. Dann wieder gibt es Situationen, in denen man schon auf die Uhr schaut und die Zeit einfach nicht vergehen will. Beim letzten Spiel gegen Schweden war die Zeit über eine Art Banner im Stadion abzulesen. Das hab ich allerdings übersehen. Ich hab dann halt einen Schiedsrichter gefragt, wie lange es noch dauert. So gesehen ist es äußerst praktisch, dass die mittlerweile überall stehen.

Robert Almer ist Torwart des österreichischen Nationalteams und bei der Wiener Austria. Er hält den österreichischen Rekord von 603 Spielminuten ohne Gegentreffer.

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foto: christian benesch

Christian Ludwig Attersee "Jeder muss mit Zeit umgehen"

Als Segler hab ich ein ganz spezielles Verhältnis zu Uhren. Das begann schon in meiner Jugend, als ich beim Segeln keine Uhren tragen durfte, da man mit einer Uhr leicht an Tauen oder Beschlägen hängenbleiben kann.

Ich bin also ein geprägter Nichtuhrenträger und verwahre meine jeweilige Uhr meistens in der Tasche. Ich liebe Uhren allerdings als Designprodukte, schließlich steht ja auch gerade meine Kunst sehr für angewandte Kunst. Das Besondere an der angewandten Kunst ist, dass sie zu den Menschen kommt, sei es als Briefmarke oder als Teppich. Das gilt auch für meinen Entwurf der Uhr "Sonnenkuss" der vor kurzem für die S-Bausparkasse umgesetzt wurde, welche diese Uhr an Neukunden vergibt.

Auf dem Foto bin ich mit einer Swatch zu sehen, die mit ihren großen Ziffern auch im Dunkeln sehr gut ablesbar ist. Sie ist die einfachste Uhr, die es gibt, und ich benötige sie, um die Zeit bei mir zu haben. Ich kauf mir immer wieder schöne Uhren, aber eben als Objekt, denn eine Uhr darf mich so wie beim Segeln auch bei der Arbeit nicht behindern.

Ich hatte auch immer wieder Phasen, in denen ich Uhren leidenschaftlich sammelte. Von meinen vielen Reisen nach St. Petersburg brachte ich eine Reihe russischer Armeeuhren mit. Am wichtigsten sind mir meine Uhren, bei denen der Körper der Uhr nicht kreisförmig und flach, sondern rechteckig und gebogen ist. Dies ist vor allem bei meinen amerikanischen Uhren aus den 1920er- und 1930er-Jahren der Fall. Man findet solche aber auch in Österreich. Kurzum: Eine Uhr ist ein Objekt, das mir sehr wichtig ist. Schließlich muss jeder mit Zeit umgehen.

Christian Ludwig Attersee ist ein international renommierter Künstler, der mittlerweile mehr als 550 Einzelausstellungen auf der ganzen Welt gezeigt hat.

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foto: christian benesch

Lilian Klebow "Ich trage Schmuck anfallsartig"

Es sind zwei Schmuckstücke, die mir besonders am Herzen liegen. Da wäre einmal eine alte Taschenuhr, die mir meine Mutter im vergangenen Jahr zur Geburt meiner Tochter geschenkt hat. Sie stammt von meiner Großmutter, die die Uhr schon während des Zweiten Weltkriegs getragen hat. Sie war gegen Ende des Krieges in Frankreich, ich weiß aber nicht genau, was sie dort getan hat. Die Uhr war wohl ein Geschenk. Sie trägt eine französische Inschrift und berührt mich sehr, denn die Uhr bringt mich irgendwie dieser Zeit näher. Sie funktioniert auch noch. Alle zwei Tage muss ich sie aufziehen.

Das andere Objekt, ein Anhänger für eine Kette, hat mein Mann selbst designt und mich damit zu unserem siebenjährigen Jubiläum überrascht. Der Anhänger hängt zusammen mit der Taschenuhr an derselben Kette. Gefertigt wurde der Entwurf von einer befreundeten Goldschmiedin, Elke Naske, die auch unseren Hochzeitsschmuck gemacht hat. Mein Mann hat ewig lang daran herumgezeichnet. Es ist ein Stück, das den 70er-Jahre-Style verkörpert. Gleichzeitig hat er versucht, unsere Initialen darin unterzubringen. Das hab ich allerdings erst gecheckt, nachdem ich das Stück bereits drei Wochen getragen hatte.

Im Moment trage ich die Kette eher selten. Das liegt daran, dass eine Halskette im Alltag mit einem kleinen Kind nicht sehr praktisch ist. Ansonsten lege ich Schmuck eher anfallsartig an. Wenn so ein Anfall kommt, dann greif ich am liebsten zu Ringen und Ear-Cuffs. Was schmuckmäßig für mich gar nicht geht, sind Perlenstecker in den Ohren, überhaupt kann man mich mit Perlen jagen. Die verkörpern für mich diesen Münchner Spießerlook. Mir geht es nicht um den Wert eines Schmuckstücks, sondern um seine Geschichte.

Lilian Klebow stammt aus München, ist Schauspielerin und wurde durch ihre Rolle in der Serie "Soko Wien/Donau" bekannt. Aktuell ist sie in "Beautiful Girl" im Kino zu sehen.

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foto: christian benesch

Tamara Mascara "Die Kombination macht den Sex"

Ich liebe es, klassische, sehr damenhafte Schmuckstücke mit richtig punkigen Objekten und solchen, die einen gewissen Fetischcharakter ausstrahlen, zu kombinieren. Die Kombination macht den Sex. Auf dem Foto links bin ich mit drei ganz besonderen Schmuckstücken abgebildet, die alle eine kleine Geschichte zu erzählen haben. Ich bin in der glücklichen Lebenslage, dass sich mein Freund sehr viel auf Reisen um die ganze Welt befindet und mir von seinen Destinationen immer schöne Dinge mitbringt. Dazu gehören unter anderem die prächtigen Ohrringe auf dem Foto. Es sind Originalstücke aus den 1950er-Jahren. Als ich sie zum ersten Mal sah, dachte ich, sie wären ganz neu, dabei sind sie einfach nur perfekt restauriert. Ich möchte an dieser Stelle erwähnen, dass ich die Epoche der 1950er-Jahre liebe. Der Umstand, dass der Schmuck aus Vegas stammt, macht ihn für mich noch viel aufregender.

Das Collier, das ich trage, habe ich ebenfalls von meinem geliebten Göttergatten geschenkt bekommen. Es war ein Weihnachtsgeschenk und stammt von Swarovski, ein Objekt mit viel Funkelkraft.

Was es mit meinem Halsband auf sich hat, ist zwar nicht so romantisch, aber seine Geschichte ist mir ebenso eine liebe Erinnerung. Das Stück hab ich mir vor Jahren auf meiner ersten Berlin-Reise gekauft, als ich dort das Konzert einer japanischen Black-Metal-Gruppe besuchte. Ich liebe es, es ist so ein richtiges Mordsding, das ein Viertelkilo wiegt und beidseitig aus Leder besteht. Schnallt man es fest, bekommt man kaum noch Luft. Das Halsband ist richtig böse und dann doch auch wieder ein nettes Schmuckstück.

Auf der Bühne trage ich gern größeren, klobigen Schmuck, den man auch aus mehreren Metern Entfernung noch sehen kann. Bei Partys und Cocktails darf's ein bisschen kleiner sein, schon üppig, aber halt in Damengröße.

Tamara Mascara ist Burlesque-Künstlerin, Make-up-Artist, Dragqueen, DJane und Designerin. Sie ist jeden Mittwoch im Club "Plastik-Pop Boutique" im Cabaret Fledermaus zu sehen.

(Michael Hausenblas, RONDO Exklusiv, 11.11.2015)

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