Renault Kadjar: Vom Wingert bis in die Stadt

Ansichtssache8. November 2015, 11:59
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Der Renault Kadjar ist die richtige Antwort auf den SUV-Boom. Bleibt nur die Frage, warum kam er nicht schon früher?

foto: andreas stockinger

Die Sache mit dem vom Standard-Tester unbemerkt beschädigten Türsensor, die zu verqueren Schlüssen hinsichtlich der Standfestigkeit der Renault-Elektronik geführt hatte, sei gleich vorweg erwähnt. Es geht eben nichts über selbstverursachte Peinlichkeit. Damit zum Testwagen. Renault und SUV, das war bisher keine restlos befriedigende An gelegenheit. Irgendwie haben die Franzosen, früher (siehe Vans) so innovationsstark bei Autokonzepten, den SUV-Trend verpasst.

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foto: andreas stockinger

Der erste Wagen, der auf der Absatzfront funktioniert (man merkt es auch im Straßenbild), heißt Captur, aber der ist eigentlich eine Modus-Neuauflage im SUV-Look und so auch ein reiner Fronttriebler. Da kann der Kadjar mehr, schon deshalb, weil Renault, soweit unsereins das überblickt, sich zum zweiten Mal einer gemeinsamen Basis mit Partner Nissan bedient, auf der bereits Espace (Fronttriebler), Nissan Qashqai und X-Trail stehen. Von den Nissans übernimmt der Kadjar auch die Allradfähigkeit und -technik.

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foto: andreas stockinger

Grundsätzlich fahren wir im dCi 130 4WD – der Blick in die Preisliste belehrt: Topmodell (und auch einziges mit Allrad) – erst einmal mit Frontantrieb los. Mit einem einfachen Dreher des Auswahlknopfs wechselt man auf Auto, da schaltet sich dann Allrad bei Bedarf zu. Eine schematische Darstellung im Hauptinstrument veranschaulicht, wie viel Antriebskraft jeweils hinten landet. Für gröbere Vorhaben (wofür sich aber leider keine Gelegenheit ergab) kann man dann noch in den Lock-Bereich wechseln, da wird die Antriebskraftverteilung auf 50:50 fixiert. Mögliches Kadjar-Einsatzszenario: Heute fahren wir in den Wingert, morgen in die Stadt.

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foto: andreas stockinger

Die Fachwelt ist sich einig, dass Renault mit dem Kadjar in der wirklichen SUV-Welt angekommen ist, auch des Testers bescheidener Eindruck ist, dass er rundherum passt. Optisch: gefällig designt. Seit dem Clio fällt auf, dass Chefdesigner Laurens van den Acker Renault einen stimmigen Auftritt verleiht. Als nächsten Beleg für diese These hat er den im September auf der IAA in Frankfurt gezeigten Mégane abgeliefert. Kadjar: muskulöse, rundliche Formen (auch innen), mächtige Raute an der Front, ausgestellte Radkästen – stilistisch ganz klar ein Renault, ganz sicher kein Nissan.

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foto: andreas stockinger

Konzeptuell: Renault hat, das wurde schon angesprochen, große Erfahrung bei Großraumfahrzeugen, und da ein SUV innen auch nichts viel anderes ist als ein Van, spielt der Hersteller hier sein Können aus. Fächer, Ablagen gibt’s zur Genüge, Platz für Becher und Alltagskram (Schlüssel, Handy) ist ebenfalls reichlich da, und im Kofferraum (der nun aber tatsächlich wie 1:1 vom Qashqai übernommen wirkt) kann man mittels Raumteilung kleines Gepäck am fröhlichen Herumkugeln hindern.

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foto: andreas stockinger

Fahrerisch: Alles ist komfortabel ausgelegt, das soll ja in der Re nault-DNA liegen, und der 130-PS-Diesel passt bestens zum Auto, gibt sich munter und begnügte sich im Testbetrieb mit 6,9 l / 100 km. Bedienlogik: Da ist vielleicht ein kleiner Kritikpunkt angebracht, denn die Benutzerführung im Touchscreen-Infotainmentsystem wirkt ein wenig verworren.

Fazit: Der Kadjar ist ein feines Auto. Ein Musterbeispiel für schlaue Nutzung von Synergien Stellt sich bloß die Frage: Warum nicht schon früher? (Stephan-Alexander Krenn, 08.11.2015)

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Renault

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

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