Erste Ergebnisse zum Massensterben der Saigas in Kasachstan

6. November 2015, 16:01
8 Postings

Die tödliche Epidemie geht auf zwei bakterielle Erreger zurück. Warum es auf einer Fläche von 250.000 Quadratkilometern zeitgleich zu Infektionen kam, ist noch unklar

Taschkent/Frankfurt – Im Mai 2015 stellte ein mysteriöses Massensterben von Saiga-Antilopen in Kasachstan Forscher und Tierschützer vor ein Rätsel. Mindestens 150.000 Tiere verendeten nach Angaben der kasachischen Regierung in der zentralkasachischen Steppe binnen weniger Wochen während der Kalbungszeit. Schon damals vermutete man bakterielle Infektionen als Ursache, nun liegen erste Forschungsergebnisse vor, wie die Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF) mitteilte.

Die offiziellen Zahlen aus Kasachstan nennen 150.000 verendete Tiere, das wären 65 Prozent der zentralkasachischen Betpak Dala Saiga-Population. Experten befürchten aber, dass noch mehr Tiere umgekommen sein könnten, denn eine Zählung im Juli kam nur auf 30.000 lebende Tiere – 2014 waren es noch rund 242.500 gewesen.

Population stark gefährdet

Bisher war diese Population (benannt nach der gleichnamigen steppenartigen Halbwüste) die weltweit größte der Einzelpopulation der Saigas. Im Lauf des vergangenen Jahrhunderts war sie großen Schwankungen unterworfen, in erster Linie aufgrund ausschweifender Wilderei. Erst langsam hatte sie sich wieder erholt, ehe es 2015 zum Massensterben kam. "Die Bestände waren nach Jahren intensiver Schutzbemühungen endlich wieder auf einem Niveau, das uns Hoffnung gegeben hat, dass die Art gut überleben würde", sagte Michael Brombacher von der ZGF.

Ergebnisse einer internationalen Forschungsgruppe deuten darauf hin, dass eine sogenannte hämorrhagische Septikämie die Ursache des großen Sterbens war. Bei dieser Seuche, die wilde Paarhufer ebenso wie Rinder befallen kann, führen Bakterien und deren Toxine zu einer Infektion im ganzen Körper und lösen Blutungen aus. Zwei Bakterien, Pasteurella multocida Serotyp B und Clostridium perfringens, wurden identifiziert.

Rätselhafte Ausbreitung

Allerdings trat die Infektion unabhängig voneinander in 13 Gruppen und über eine Fläche von 250.000 Quadratkilometer hinweg synchron auf – und wurde somit wohl kaum von einem Tier aufs andere übertragen. "Alle Experten gehen davon aus, dass es Umweltfaktoren gibt, die letztendlich dazu führen, dass die Tiere derart geschwächt sind, dass die Bakterien zuschlagen können. Eventuell verändern Umweltfaktoren auch die Bakterien und somit deren letales Potenzial ", sagte Brombacher.

Der Klimawandel stehen in diesem Zusammenhang ganz oben auf der Liste möglicher Faktoren. "Es könnte sein, dass sich die Umweltparameter in der Steppe geändert haben oder ändern und die Saigas es nicht schaffen, sich daran anzupassen", so der Zoologe. "Doch das ist im Moment noch Spekulation, wir müssen die Auswertung der Klimadaten der letzten Jahrzehnte für die Region abwarten." (red, 6.11.2015)

  • Mindestens 150.000 kasachische Saigas verendeten binnen weniger Wochen. Sie fielen einer bakteriellen Infektion zum Opfer.
    foto: steffen zuther / zgf

    Mindestens 150.000 kasachische Saigas verendeten binnen weniger Wochen. Sie fielen einer bakteriellen Infektion zum Opfer.

Share if you care.