Der Alles-was-Zuwanderer-wissen-müssen-Kurs

5. November 2015, 19:24
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Außenminister Kurz will Werte vermitteln. Wer die Kurse leiten soll, ist noch nicht klar

Wien – Welche Werte wichtig sind, das soll ein Kurs Asylberechtigten in Zukunft näherbringen. Das ist eine der 50 Maßnahmen, die Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) für die Integration von Flüchtlingen vorschlägt.

"Es geht dabei aber nicht um Schnitzel und Kleidungsvorschriften", erklärt Heinz Faßmann im STANDARD-Gespräch. Vielmehr will der Vorsitzende des Expertenrates für Integration grundsätzliche Inhalte vermittelt wissen, nicht kulturelle. Es seien Inhalte, die schon in der Rot-Weiß-Rot-Fibel enthalten seien. Denn den typischen Österreicher als Vorbild gebe es nicht.

"Workshopartige Situationen"

Die Themen sollen die Bereiche Rechtsstaat, Menschenrechte oder Liberalität umfassen, ähnlich wie auch im Schulunterricht politische Bildung vermittelt werde: "Alles, was Zuwanderer wissen müssen, um sich in Österreich zurechtzufinden", sagt Faßmann.

Zunächst muss aber geklärt werden, in welcher Form die Kurse stattfinden und wer sie leiten soll. Der Integrationsexperte stellt sich "workshopartige Situationen" vor, die auf die "Lebensrealität heruntergebrochen" werden sollen. Kurz möchte die Wertevermittlung in Sprachkurse integrieren, erklärte er am Rande eines Vorarlberg-Besuchs. Der zuständige Integrationsfonds (ÖIF) arbeitet derzeit an der Konzeptionierung der Kurse, Details gibt es noch keine. Außerdem will Kurz Anreize setzen, damit sich die Asylberechtigten an die Werte halten, und eben auch Konsequenzen formulieren, sollte das nicht geschehen. Eine Prüfung wie bei der Staatsbürgerschaft würde Faßmann aber nicht empfehlen.

Grüne: "Werte leben, nicht vorgaukeln"

"Wir freuen uns auf jeden Fall über ein Lebenszeichen des Integrationsministers", kommentiert SPÖ-Bundesgeschäftsführer Gerhard Schmid den Vorstoß. Er will zuerst aber die Bereiche Arbeit, Bildung und Wohnen "in den Griff bekommen". Die Vorschläge aus dem Integrationsministerium müsse man erst im Detail prüfen. "Wichtig ist, dass die Kompetenzen der Asylberechtigten erfasst und mit dem, was in Österreich verlangt wird, verglichen werden", sagt Schmid im STANDARD-Gespräch

Alev Korun, Grünen-Menschenrechtssprecherin, findet interessant, dass Gleichberechtigung von der ÖVP betont werde, "obwohl sie so wenige Frauen in ihren Reihen haben". Ihr Ansatz: "Werte sollen vorgelebt, nicht vorgegaukelt werden." Die Neos finden Gefallen an Kurz' Idee. (mte, mika, 6.11.2015)

  • Außenminister Sebastian Kurz will Zuwanderern Werte vermitteln. Vergleichbar mit "politischer Bildung", erklärt Experte und Kurz' Berater Heinz Faßmann.
    foto: apa/techt

    Außenminister Sebastian Kurz will Zuwanderern Werte vermitteln. Vergleichbar mit "politischer Bildung", erklärt Experte und Kurz' Berater Heinz Faßmann.

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