Blaues Sticheln im Ort

5. November 2015, 17:12
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FP-Mandatar Höbart: "Wir werden überrannt"

Brunn am Gebirge – Herr Höbart postet gerne auf Facebook. Oft mehrmals täglich. Den Kommentar, der Krone-Steiermark Chefredakteur Christoph Biró eine Jobpause bescherte, versah er mit der Anmerkung "Klare Worte für das AsylUNWesen" (sic). Bei den blauen Fans kommt das gut an.

Mittwochabend, "Brennpunkt Asyl"-Infoabend im niederösterreichischen Brunn am Gebirge. Der Nationalratsabgeordnete der FPÖ will zu jenem Posting Stellung nehmen, das ihm eine Präsidiale des Nationalrats eingebracht hat. Christian Höbart fiel zu einem Video von Bootsflüchtlingen das Lied "Eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt, die ist schön ..." ein.

Kein Wogen-Glätten

Doch die anwesenden Brunner interessiert vor allem eines: Kommen jetzt die 45 "Asylanten" in die Siedlung, wie das die Kirche, die ein Grundstück für die Unterkunft zur Verfügung stellen will, ursprünglich vorgehabt hat? Höbart will lieber die großen Zusammenhänge mit der kleinen Welt der Ortspolitik verweben. Schließlich "müssen wir in Brunn und Vösendorf wegen der Refugees-Welcome-Fraktion am Westbahnhof büßen". Dem Herrn, der ungeduldig auf die Antwort der Kommunalpolitik drängt, antwortet Höbart: "Hätten Sie dieses Video gesehen, hätten Sie für eine Spur Ironie Verständnis." In einer Aussendung wollte er zur Glättung der Wogen noch anerkennen, "dass Ironie/Satire in diesem Fall nicht das geeignete Mittel" sei.

Ums Wogen-Glätten geht es Höbart in der Ortspolitik nicht. Im Gegenteil. "Ich kann euch eines garantieren: Wir werden überrannt", warnt er dort und wünscht den Anrainern "viel Spaß": Wenn es so weitergehe, "reden wir in Brunn nicht mehr von 50, sondern von 200 oder 300 Asylwerbern".

Im Publikum macht man sich ob der bereits beim Bahnhof wohnenden Flüchtlinge Sorgen, "wenn die Madln in die Schule fahren und belästigt werden". Einige wollen vorsorgen: "In zehn Jahren haben wir so viele Asylanten da, dass ma drei Schrotflinten brauchen, dass ma se wehren können." Eine Anwesende geht bereits regelmäßig zum Schießstand. Der Pfarrer verordnet sich eine Nachdenkpause. (riss, 5.11.2015)

  • Christian Höbart ist nicht nach Brunn am Gebirge gekommen, um die Wogen zu glätten. "Ich kann euch eines garantieren: Wir werden überrannt", sagt er bei einem Infoabend.
    foto: apa/punz

    Christian Höbart ist nicht nach Brunn am Gebirge gekommen, um die Wogen zu glätten. "Ich kann euch eines garantieren: Wir werden überrannt", sagt er bei einem Infoabend.

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