Schriftsteller Dante Andrea Franzetti gestorben

5. November 2015, 15:23
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Einer, der zu früh war: Der Schweizer Autor verstarb 56-jährig in Zürich

Wien – "Es ist ein Irrtum, abschließen zu wollen", lautet der letzte Satz in Dante Andrea Franzettis Prosaband Passion (2006). Es handelt sich dabei um den Abgesang auf eine Liebe, mit deren Ende ein Mann alles zu verlieren droht, die Frau, die Ehe, alle Gewissheiten. Und doch endet das Buch, in dessen Schluss immer noch der Zauber des Anfangs mitschwingt, mit Hoffnung.

So federleicht und, ja, sprachlich schön die Bücher des 1959 in Zürich als Sohn eines italienischen Gastarbeiters und einer Schweizerin geborenen Autors sind, so existenziell ist ihre Grundkonstellation. Unbeirrt flicken seine Figuren, oft handelt es sich um Schutzlose, aus Lebenstrümmern neue Existenzen zusammen. Und schon in seinem Debüt Der Großvater (1985) ließ Franzetti die Themen Erinnerung und Fremdheit anklingen, die sein Schreiben fortan bestimmten.

Als einer der Ersten wurde er mit dem Chamisso-Preis für Autoren "nichtdeutscher Sprachherkunft" ausgezeichnet. Letzteres wies Franzetti, der mit und in der internationalen Literatur lebte, stets von sich. Gleichsam nebenbei machte sich der begnadete Stilist auch einen Namen als Journalist, Essayist und Rezensent.

Franzetti, der in den letzten Jahren zurückgezogen in der Nähe von Genua lebte, war in vielem früh. Nicht nur in seinen Einschätzungen über Silvio Berlusconi und Roger Köppel, mit denen sich der streitbare Autor öffentlich anlegte. In seiner letzten Rezension für den STANDARD schrieb er:

"Das Notieren ist das provisorische Abdichten eines Lecks bei einem Schiff, das untergehen wird. Alles ist provisorisch, und alles vergeht, aber in der Zwischenzeit können wir den Augenblick festhalten." Dante Andrea Franzetti starb nach Komplikationen infolge einer Herzoperation in Zürich. (steg, 5.11.2015)

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