Gesehen: 50 Prozent Frauen in einem Regierungskabinett

6. November 2015, 10:09
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Erinnerung an Daisy Bates, Reihe über neue feministische Denkerinnen und ausgeglichene Regierungskabinette soll es auch geben, in Kanada etwa

Gedenken an Aktivistin Daisy Bates: Die mädchenmannschaft.net würdigte diese Woche die US-amerikanische Journalistin und BürgerInnenrechtsaktivistin Daisy Bates, die am 4. November vor 16 Jahren gestorben ist. Bates war Mitinitiatorin des Verfahrens Cooper v. Aaron, das die Desegregierung an allen öffentlichen Schulen sicherstellen sollte und das zu einem Entscheid für die schwarzen KlägerInnen des obersten Verfassungsgerichtes führte.

Für ihren Kampf für das Recht der SchülerInnen auf nichtsegregierte Schulen wurde sie 1957 mit dem "Woman of the Year in Education"-Preis der Associated Press (AP) ausgezeichnet. Bates war "eine der wenigen (der vielen) schwarzen Aktivistinnen, die öffentlich Gehör und Anerkennung fanden", heißt es auf mädchenmannschaft.net. Sie war auch die einzige, die beim "March on Washington" im August 1963 auf dem Podium am Lincoln Memorial eine Rede halten durfte. Darin würdigt sie den Aktivismus schwarzer Frauen, etwa die Bemühungen von Rosa Parks oder Diane Nash. Später setzte sich Bates vor allem für die Armutsbekämpfung innerhalb von schwarzen Communitys ein.

Nach Emma: Auf Ö1 lief diese Woche ein Radiokolleg zu "Emmas Nachfahrinnen" und gab einen Überblick über wichtige feministische Stimmen abseits der Mainstreamfeminismus. Besonders betont die Reihe den zunehmend breiteren Blick von feministischen Bewegungen auf diskriminierte Gruppen und nicht nur auf die Kategorie Frau. Denn wie die englische Bloggerin und Autorin Laurie Penny nicht müde wird zu kritisieren, betreffen die dominanten frauenpolitischen Diskussionen oft nur eine Minderheit – Stichwort Frauenquoten für Spitzenpositionen. Die Probleme von Armen, Alleinerziehenden, People of Colour oder sexuellen Minderheiten bleiben außerhalb einer breiten Öffentlichkeit. Deshalb ist laut Sendungsgestalterin Tanja Malle die "Verschwesterung mit nichtprivilegierten Gruppen ein Charakteristikum der jungen feministischen Denkerinnen". Nachhörenswert.

Trotzdem kurz zur Quote: Was in Österreich vermutlich noch viele Jahre dauern wird, hat Kanada bereits: Ein Kabinett, in dem Männer und Frauen gleichermaßen vertreten sind. 15 Frauen nahmen am Mittwoch ihre Posten an, insgesamt sind es 31 Kabinettsmitglieder – inklusive des neuen Premierministers Justin Trudeau. In einer Pressekonferenz nach Vereidigung der neuen kanadischen Regierung wurde Trudeau gefragt, warum Geschlechtergerechtigkeit offenbar Priorität hatte. Kurz schien Trudeau von der Frage überrascht, er fand aber rasch eine plausible Antwort: "Weil wir das Jahr 2015 haben." Und noch einiges fällt ihm zum Thema Repräsentation ein.

Mit Jody Wilson-Raybould zieht auch die erste Nachfahrin der UreinwohnerInnen Kanadas ins Kabinett ein, und auch sonst wurde darauf geachtet, dass das Regierungsteam die kanadische Bevölkerung abbildet, die ebenso wenig wie hierzulande aus weißen Männern jenseits der 50 besteht. (red, 6.11.2015)

dieWochenschau versammelt einige feministische Debatten und Ereignisse der vergangenen Woche, die in Blogs, sozialen Medien oder anderen Zeitungen aufgetaucht sind.

  • Die Hälfte Frauen? In Kanada nicht nur kein Problem, sondern seit Mittwoch Realität.
    foto: afp photo / geoff robins

    Die Hälfte Frauen? In Kanada nicht nur kein Problem, sondern seit Mittwoch Realität.

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