Ein Grenzzaun ist kein Gartenzaun

Blog5. November 2015, 14:37
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Die Debatte ist auch eine wirtschaftliche: Eine Umzäunung ist sicher leistbar, aber teuer, ökonomisch schädlich und unwirksam

In seinem Puls4-Interview hat FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache bewiesen, wie wenig Ahnung er von Geschichte hat, als er die mörderischen Grenzzäune des Eisernen Vorhangs als Vorbild genannt hat, wie man heute den Flüchtlingsstrom nach Österreich stoppen könnte. Aber in einem hat Strache recht: Leistbar sind die derzeit bei Spielfeld geplanten Zäune genauso wie es eine komplette Absperrung der Grenze zu Slowenien wäre.

Aber wenn man sich – abseits der ethischen und politischen Fragen – die Ökonomie von Grenzzäunen genauer anschaut, kommt man zu ernüchternden Ergebnissen: Zäune sind teuer und bringen hohe wirtschaftliche Folgekosten mit sich. Und die sollte auch Zaunverfechterin Johanna Mikl-Leitner ("Ein Zaun ist nichts Schlechtes") mitbedenken. Schließlich hat sie die Interessen der Bürger (und der Steuerzahler) im Sinn.

Fünf Soldaten pro Kilometer

Der eigentliche Stacheldraht ist noch das Billigste. Aber Grenzzäune funktionieren nur, wenn sie auch bewacht werden. In Slowenien heißt es laut ORF-Korrespondent Christian Wehrschütz, dass ein Zaun an der Grenze zu Kroatien fünf Soldaten pro Kilometer erfordern würde.

Bei einer Grenzlänge von 330 Kilometern zwischen Österreich und Slowenien wären das 1.650 Soldaten, die rund um die Uhr im Einsatz sein müssten. Und selbst dann ist nicht gesichert, dass Flüchtlinge die Absperrungen nicht überwinden könnten.

2.700 Kilometer Außengrenze

Wahrscheinlich müsste man dann irgendwann den Zaun bis zur italienisch-österreichischen Grenze (430 km) verlängern – und vielleicht auch zur ungarisch-österreichischen, wenn dort die Einzäunung nicht mehr wirkt. Und die von Strache gewünschte Umzäunung Österreichs würde 2.700 Kilometer Grenzzaun und weit mehr als 10.000 ständige Grenzwachen erfordern.

Ein solcher Zaun als ständige Einrichtung benötigt eine ständige Grenzkontrolle – und die ist unter dem Schengen-Abkommen nicht zulässig. Österreich müsste daher Schengen verlassen. Das bedeutet Passkontrollen, Wartezeiten, höhere Kosten für Private und Unternehmer sowie einen Verlust an Lebensqualität und politischer und persönlicher Freiheit.

Was kosten die Flüchtlinge?

Diese Kosten stehen dem Preis gegenüber, den Österreich für die Aufnahme, Unterbringung und spätere Integration von Flüchtlingen bezahlt. Der ist derzeit nicht abschätzbar und hängt auch vom Gewinn für die Republik durch den Zuzug ab.

Aber wer immer für Grenzzäune eintritt, sollte erklären, wie diese funktionieren und sich auch rechnen können. Die Antwort ist recht klar: Sie tun es nicht. (Eric Frey, 5.11.2015)

  • Der ungarische Grenzzaun zu Serbien: Will Österreich sich das leisten?
    foto: epa/kelemen

    Der ungarische Grenzzaun zu Serbien: Will Österreich sich das leisten?

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