Salzburger Festspiele 2016 starten mit Uraufführung von Ades-Oper

5. November 2015, 12:04
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Thomas Ades komponierte "The Exterminating Angel" nach dem Bunuel-Film "Der Würgeengel"

Salzburg – Die Salzburger Festspiele 2016 eröffnen mit einer Opern-Uraufführung. Diese gilt jedoch nicht dem "Endspiel" von György Kurtag, auf das man weiter warten muss, sondern "The Exterminating Angel" von Thomas Adws nach dem Bunuel-Film "Der Würgeengel". "Endspiel" steht dennoch auf dem Spielplan – als Start des Schauspiel-Programms, mit Nicholas Ofczarek als Hamm und Michael Maertens als Clov.

Drei Opern-Neuinszenierungen

Das Opernprogramm umfasse im kommenden Jahr drei Neuinszenierungen, zwei Wiederaufnahmen, eine Neueinstudierung, eine Übernahme von den Salzburger Pfingstfestspielen und drei konzertante Opern, hieß es bei der heutigen Programm-Pressekonferenz in Salzburg, die zum letzten Mal von der "direktorialen Doppelspitze" aus der Präsidentin Helga Rabl-Stadler und dem künstlerischen Leiter Sven-Eric Bechtolf gemeinsam gegeben wurde. Träume seien "kein Motto, aber eine geheime Überschrift" des Gesamtprogramms, sagte Bechtolf.

Das am 28. Juli im Haus für Mozart zur Uraufführung kommende Auftragswerk "The Exterminating Angel" wurde von Bechtolf als "ein Riesenprojekt" und ein "großes Ensemblestück mit 21 Rollen" angekündigt. Regie führt der Librettist Tom Cairns, der Komponist selbst dirigiert das ORF Radio-Symphonieorchester Wien. Die zwei weiteren Premieren gelten der "Liebe der Danae" von Richard Strauss im Großen Festspielhaus (Alvis Hermanis inszeniert, Franz Welser-Möst dirigiert die Wiener Philharmoniker, Krassimira Stoyanova singt die Danae, Premiere am 31. Juli) sowie – erstmals bei den Festspielen – "Faust" von Charles Gounod (Reinhard von der Thannen übernimmt im Großen Festspielhaus Regie und Ausstattung, Alejo Pérez dirigiert die Wiener Philharmoniker, Piotr Beczala singt den Faust, Premiere: 10. August).

Kompletter Mozart-Da Ponte-Zyklus

Der Mozart-Da Ponte-Zyklus von Sven-Eric Bechtolf wird 2016 "zu mancher Freude und zu manchem Ärger" (Bechtolf) komplett gezeigt, davon "Cosi fan tutte" aus 2013 als szenische Neueinstudierung in der Felsenreitschule. Bei "Cosi" dirigiert Ottavio Dantone das Mozarteumorchester Salzburg. Die beiden anderen Opern spielen die Wiener Philharmoniker (den "Don Giovanni" dirigiert Alain Altinoglu, den "Figaro" Dan Ettinger).

Von den Pfingstfestspielen 2016 wird Leonard Bernsteins "West Side Story" mit Cecilia Bartoli als Maria und Norman Reinhardt als Tony übernommen. Konzertant werden Puccinis "Manon Lescaut" (mit Anna Netrebko als Manon), die Rarität "Il templario" von Otto Nicolai (mit Juan Diego Florez und Joyce diDonato) und Jules Massenets "Thais" (mit Placido Domingo) aufgeführt.

Shakespeare und Thomas Bernhard

Auch im Schauspiel sind für 2016 drei Premieren angekündigt: Neben Samuel Becketts "Endspiel", das Dieter Dorn als Koproduktion mit dem Burgtheater im Landestheater inszeniert (Premiere: 30. Juli), werden Shakespeares "Der Sturm" (Deborah Warner inszeniert auf der Perner-Insel mit Hans-Michael Rehberg als Prospero, ab 2. August) und Thomas Bernhards "Der Ignorant und der Wahnsinnige" gezeigt.

Gerd Heinz inszeniert Bernhards ehemaliges Skandal-Stück, das durch den "Salzburger Notlicht-Skandal" für Aufsehen sorgte, im Landestheater (Premiere: 14. August), es spielen Johanna Wokalek die Königin der Nacht, Christian Grashof den Vater und Festspiel-Chef Bechtolf den Doktor. Außerdem werden das szenische Melodram "Requiem für Ernst Jandl" von Friederike Mayröcker und zwei Thomas Bernhard-Lesungen von Hermann Beil und Tobias Moretti angeboten. Der Name der neuen "Jedermann"-Buhlschaft wurde noch nicht verraten. Eva Herzig übernimmt die Rolle der Frau des Schuldknechts, Nikolaus Rucker spielt Gott.

In dem von Konzertchef Florian Wiegand präsentierten Musikprogramm befasst sich die Ouverture spirituelle 2016 mit der geistlichen Musik der ostkirchlichen Christen – ein Schwerpunkt, der durch die aktuelle politische Lage eine besondere Aktualität erfahren habe. Im Zuge der Feiern anlässlich der 200-jährigen Zugehörigkeit Salzburgs zu Österreich wird die "Missa Salisburgensis" von Heinrich Ignaz Franz Biber im Dom aufgeführt.

Zu Gast in Salzburg sind u.a. das Concertgebouworkest Amsterdam, die Filarmonica della Scala, das Cleveland Orchestra und das Gewandhausorchester Leipzig. Den Komponisten Friedrich Cerha und György Kurtag, die 2016 ihren 90. Geburtstag feiern, werden ebenso wie Thomas Adès Schwerpunkte gewidmet.

Daniel Harding dirigiert die Uraufführung des Auftragswerks "Halleluja – Oratorium Balbulum" von Peter Eötvös durch die Wiener Philharmoniker. Der 175. Geburtstag des Mozarteumorchesters Salzburg wird besonders gewürdigt. Im Kinder- und Jugendprogramm wird 2016 u.a. die Kinderoper "Die Feenkönigin" angeboten. (APA, 5.11.2015)

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