Gewinn Deutscher Telekom stieg dank USA-Geschäft an

5. November 2015, 09:58
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Mobilfunk-Töchter in Österreich und den Niederlanden sollen mehr Spielraum erhalten

Die Deutsche Telekom setzt ihre Erfolgsgeschichte fort: Die Ergebnisse aus dem abgelaufenen Quartal können sich erneut sehen lassen. Der große Erfolg in den USA überstrahlt dabei die kleineren Schwächen in den restlichen Sparten. Dabei hilft auch der schwache Euro. Vorstandschef Tim Höttges sah die Ergebnisse am Donnerstag als Folge der erhöhten Netzinvestitionen in den letzten zwei Jahren.

Mit aller Konsequenz

"Wir setzen unsere Strategie weiter mit aller Konsequenz um", sagte Höttges. Durch die starken Ergebnisse gewinnt die Telekom zunehmend Raum für den Ausbau der Mobilfunk- und Breitbandnetze. Trotz gestiegener Ausgaben in die Infrastruktur blieb auch diesmal wieder mehr Geld in der Kasse, aus der die Investitionen bestritten werden.

Und das lag – wie so oft in den vergangenen Quartalen – an der mittlerweile größten Konzernsparte T-Mobile US. Die von Spartenchef John Legere geführten Amerikaner hatten ihre Zahlen bereits vor einer Woche vorgelegt und erneut gepunktet. Das übertrug sich auch auf die Konzernzahlen der Telekom: Der Umsatz kletterte um fast ein Zehntel auf 17,10 Mrd. Euro. Ohne Wechselkurse sowie Zu- und Verkäufe hätte das Wachstum bei knapp über 2 Prozent gelegen.

809 Mio. Euro verdient

Das um Sonderkosten bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) wuchs um knapp 13 Prozent auf 5,17 Mrd. Euro. Höttges und sein Finanzchef Thomas Dannenfeldt sehen den Konzern damit weiter auf Kurs zu den finanziellen Jahreszielen. Allerdings musste die US-Tochter den Erfolg beim operativen Gewinn allein erkämpfen – alle anderen Sparten schnitten etwas schlechter ab.

Dafür kam das Wachstum auch unter dem Strich an, die Bonner verdienten im dritten Quartal mit 809 Mio. Euro knapp 60 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Auch ohne Sondereinflüsse wie geringere Kosten für den Personalumbau wäre das Ergebnis um fast ein Drittel geklettert.

Damit schnitt die Deutsche Telekom in etwa wie vom Markt erwartet ab. Die T-Aktie trat in einem freundlichen Dax auf der Stelle. Analysten werteten die Zahlen als solide. Commerzbank-Expertin Heike Pauls sprach von ordentlichem Umsatzwachstum aus eigener Kraft und lobte die Entwicklung in Deutschland. Im Heimatmarkt könne die Telekom mit ihrem eingeschlagenen Kurs schon dieses Jahr stabile Umsätze aus eigener Kraft erreichen, schrieb sie – diese waren erst für kommendes Jahr angepeilt.

Im dritten Quartal entwickelten sich die Erlöse in Deutschland zwar bescheiden, aber immerhin positiv. Höttges verwies auf ein besseres Abschneiden im Breitbandgeschäft mit VDSL und Glasfaseranschlüssen. Hier komme das Geschäft langsam auf Touren. ImMobilfunk nahm das Unternehmen dagegen weniger ein.

Mobilfunk-Töchter in Österreich und den Niederlanden sollen mehr Spielraum erhalten

In der Europa-Sparte gab es wie erwartet Minuszeichen beim Umsatz. Nachdem der Konzern in der Vergangenheit bereits angedeutet hatte, den reinen Mobilfunk-Töchtern in den Niederlanden und Österreich nach dem Vorbild USA etwas mehr Spielraum zu geben, äußerte sich Höttges auch zu den Spekulationen um einen möglichen Verkauf des Mobilfunkgeschäfts in den Niederlanden. Konkret wollte er zu den Gerüchten keine Stellung nehmen – machte aber klar, dass sich mittelfristig etwas ändern müsse.

In den Niederlanden müssten strategische Fragen unter anderem zur Kombination von mobilen Dienstleistungen und Festnetzangeboten beantwortet werden, sagte Höttges. Das werde die Telekom auch tun. "In unserem Portfolio ist nichts sakrosankt." Das Unternehmen verlegt sich zunehmend auf das Angebot von Bündelprodukten möglichst aus Festnetz,Mobilfunk, Internet und Fernsehen.

Etwas besser lief es bei der Geschäftskundentochter T-Systems. Das Geschäft mit dem Angebot von Rechenleistung und Datenspeicher aus dem Internet – das Cloudgeschäft – wuchs um mehr als ein Viertel. Höttges will hier künftig zusammen mit dem chinesischen Hardwarepartner Huawei weiter Fortschritte machen. "Da sehen wir einen riesigen Wachstumsmarkt, den wir nicht Amazon und Co alleine überlassen wollen." (APA, 5.11. 2015)

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    foto: apa
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